Interview

28.01.2016

Schuften für die Rückkehr

Schwitzt bei der Physiotherapie, beim Kardiotraining und im Fitnessstudio: Konstantin Flassak vom TSV Rain.
Bild: Szilvia Izsó

Konstantin Flassak vom TSV Rain kämpft nach seinem Kreuzbandriss darum, wieder fit zu werden. Wie er sich immer wieder motiviert und welche Rolle Philipp Lahm dabei spielt

Rain Es sind die prominenten Fußballer, wie Marco Reus oder Holger Badstuber, die in der Öffentlichkeit als Paradebeispiele für lange Verletzungsgeschichten bekannt sind. Amateur-Sportler, die ähnliche Schicksale tragen, werden anders als die Profis jedoch nicht rund um die Uhr betreut. So geht es auch Konstantin Flassak vom TSV Rain. Nach einer Sprunggelenksverletzung im vergangenen Frühjahr erlitt der Fußballer im Herbst einen Kreuzbandriss. Die DZ sprach mit dem 21-Jährigen über seinen harten Weg zurück auf den Fußballplatz.

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Herr Flassak, nach der mehrmonatigen Pause spielten Sie gerade wieder ein paar Wochen gut mit, dann verletzten Sie sich im Training. War Ihnen gleich klar, dass es wieder etwas Schlimmes ist?

Flassak: Nein, es war auch anfangs nicht schlimm, ich hatte mir nur etwas das Knie verdreht. Dann kam die Diagnose Kreuzbandriss.

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Der absolute Supergau für jeden Fußballer. Wie sehr hat Sie das mitgenommen?

Flassak: Anfangs war es schon sehr schwer. Die ersten Wochen bin ich auch nicht auf den Sportplatz zu den Spielen gegangen. Wir hatten kurz vor meiner Verletzung eine Hochphase und die Partien gegen Regensburg und Schweinfurt gewonnen. Wenn man dann verletzt ist, rutscht die Motivation schon in den Keller.

Was hat Ihnen wieder Mut gemacht?

Flassak: Die kleinen Stationen nach der Operation. Zum Beispiel das erste Mal wieder aufs Fahrrad steigen zu können. Aber es ist schon hart, sein Team nur von außen beobachten zu können. Vor allem wenn man sieht, dass es Probleme hat. Dass man ihm ohne Verletzung vielleicht auf dem Platz hätte helfen können.

Es gibt viele Beispiele dafür, dass Fußballer nach so einer schweren Verletzung nicht mehr an alte Leistungen anknüpfen konnten, zum Teil aufgehört haben.

Flassak: Wissen kann man das natürlich nie. Aber ich habe die ersten Wochen nach meiner Verletzung das Internet durchforstet und nach positiven Beispielen für die erfolgreiche Rückkehr nach Kreuzbandrissen gesucht. Philipp Lahm hat es beispielsweise auch geschafft. Außerdem habe ich mit unserem ehemaligen Torwart Sascha Jöckel gesprochen. Er sagte „bleib dran“. Er hat nach einer Verletzung auch das volle Programm mit Reha absolviert. Man muss viel investieren, aber ich weiß jetzt: Ich kann es schaffen.

Ist es nicht schwierig, sich durch wiederholte Rückschläge immer wieder zu motivieren?

Flassak: Gerade, wenn man mehrfach verletzt ist, ist das schwer. Aber was mich immer wieder hochzieht, ist die Erinnerung an die Zeit, in der ich fit war. Ich versuche mich an das Gefühl des Siegens zu erinnern, etwa beim Erfolg in der Regionalliga gegen Regensburg. Die Stimmung danach in der Kabine, das Anstoßen mit den Kollegen – dafür lohnt sich die Schufterei im Fitnessstudio.

Manche Fußballer scheinen beinahe ständig verletzt zu sein, andere trifft es dagegen quasi nie. Woran könnte das liegen?

Flassak: Das habe ich mich auch gefragt. Ich denke, das hängt von drei Faktoren ab. Einmal muss der Körper und die Muskulatur so aufgebaut sein, dass man Verletzungen vorbeugen kann. Man darf nicht zu früh wieder einsteigen. Meine Ausfälle kamen etwa erst nach meinem Bandscheibenvorfall vor rund vier Jahren. Ich denke schon, dass da die Belastung durch den Fußball eine Rolle gespielt hat. Außerdem muss es vom Kopf her passen. Wie gehe ich in eine Situation rein? Wenn man da zögert, passiert eher etwas. Als dritter Faktor kommt auch immer etwas Pech dazu.

Wann geht es für Sie voraussichtlich wieder auf den Rasen?

Flassak: Ich lasse das auf mich zukommen. Ich studiere BWL in Ingolstadt und plane im Herbst ein Auslandssemester in den USA. Mein Ziel ist es, vorher einzusteigen, aber ich werde kein Risiko eingehen, mich nochmals zu verletzen.

Der TSV Rain steht auf dem vorletzten Platz der Regionalliga Bayern. Was kann das Team in der Rückrunde noch reißen?

Flassak: Mit dem Klassenerhalt kann es schon noch was werden. Wir haben oft gezeigt, dass wir mithalten können. Allerdings muss das Gesamtpaket passen, sobald jemand nachlässt, werden wir bestraft. Gegen Teams, die sechs Mal pro Woche trainieren, ist das nicht leicht. Wir müssen jedes Spiel genießen, und wenn wir die Top-Teams ärgern können, haben wir das Ziel erreicht.

Interview: Stephanie Utz

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