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Friedberg

27.01.2020

12,5 Millionen: Kosten für Grundschule Süd explodieren

So könnte die Grundschule Friedberg-Süd nach den Plänen des Architekturbüros Obel aufgestockt und erweitert werden. Doch die Kosten ließen die Stadträte jetzt auf die Bremse treten. Grafik: Obel Architekten
Foto: Grafik: Obel Architekten

Plus Statt der geschätzten 8,9 sind für die Grundschule Friedberg Süd jetzt mindestens 12,5 Millionen nötig. Die Nachricht lässt die Stadträte das Projekt überdenken.

Schockiert reagierten die Stadträte auf die Nachricht, die ihnen Architekt Wolfgang Obel präsentierte: Statt der ursprünglich veranschlagten 8,9 Millionen soll die Modernisierung und Erweiterung der Grundschule Friedberg-Süd fast 14 Millionen Euro kosten. Zwar korrigierte Obel die Zahl in der Sitzung dann ein Stück weit nach unten auf 12,5 Millionen (ein Rechenfehler – Quadratmeter mit Kubikmeter verwechselt); für die Fraktionen war dies dennoch Anlass genug, das Projekt infrage zu stellen und bis zur nächsten Sitzung Ende Februar Alternativen zu verlangen.

Angesichts steigender Schülerzahlen ist die Schule mit derzeit 1700 Quadratmetern rund 800 Quadratmeter zu klein. Notwendig sind vor allem Aula, Mensa und Betreuungsräume. Obel stellte im April 2018 ein Konzept vor, das den Abriss der eingeschossigen Gebäudeteile vorsieht, die durch einen zweigeschossigen Neubau ersetzt werden sollen. Auf diese Weise entstehen zusätzliche Klassen- und Funktionsräume. Der Haupteingang wandert von der Süd- auf die Westseite des Innenhofs und erschließt dort eine neue, zweistöckige Aula mit angegliedertem Musikraum beziehungsweise Bühnenbereich.

Die Gründe für die steigenden Kosten bei Friedbergs Grundschule

Architekt Obel, dessen Büro unter anderem das Meringer Gymnasium und auch die Mensa am Friedberger Gymnasium geplant hat, sah damit auch zeitgemäße pädagogische Konzepte verwirklicht. Im Stadtrat gab es dafür seinerzeit Beifall von allen Seiten – bis der Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2018 jetzt der erste Vorentwurf mit Kostenschätzung folgte.

Architekt Wolfgang Obel (rechts) und Landrat Stefan Rößle.
Foto: Simon Kapfer

Mehrere Faktoren sind laut Wolfgang Obel dafür verantwortlich: So gibt es eine Flächenmehrung, weil die Regierung von Schwaben unter anderem zusätzlichen Platz für Lernlandschaften und für die Mensa verlangt. Weil mehr Kinder die Ganztagsbetreuung nutzen, sind mehr Container als Ausweichquartier während der Bauarbeiten nötig. Zudem hat sich ergeben, dass die Fundamente für die geplante Aufstockung nicht ausreichen und deswegen Mikro-Pfahlgründungen bis in eine Tiefe von elf Metern notwendig sind. Und schließlich hat auch die Schule noch diverse Wünsche an den Planer herangetragen. 11.500 Euro kostet so der Quadratmeter, während der förderfähige Richtwert der Regierung bei 4516 Euro liegt.

All das summiert sich auf 12,5 Millionen Euro, womit aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Eine Pelletheizung könnte die alte Anlage ersetzen, für einen barrierefreien Zugang zur Sporthalle ist ein Aufzug nötig, zur Angleichung der unterschiedlichen Bauteile sind Ausbesserungsarbeiten im und am Altbau nötig, für die Aula ist an eine Bühnenausstattung vorgesehen. Und weil der Pausenhof für die Baustelleneinrichtung benötigt wird, soll nach Obels Ansicht eine Ersatzfläche auf einem Teil des Sportplatzes geschaffen werden. Mehr als eine Million Euro kommt so noch einmal oben drauf.

Beim Bau der Grundschule Friedberg Süd gegen Auflagen verstoßen

Mittelfristig sind sogar weitere Investitionen nötig, etwa für Unterhalt und Sanierung der Klassenzimmer und ein Schutz gegen Überhitzung für die auf der Südseite des Hauses gelegenen, großzügig verglasten Flächen. Dabei musste die Stadt in den vergangenen Jahren bereits fast eine Million in das Gebäude investieren, weil der Brandschutz nicht nach Plan ausgeführt worden war. Die Stadt Friedberg selbst hatte 1997 beim Bau der Schule offenbar gegen die Auflagen verstoßen.

Einhellig waren die Stadträte der Meinung, dass angesichts dieser Kostenentwicklung noch einmal über Alternativen nachgedacht werden muss. „Wir sollten eine Ehrenrunde drehen, um den Bau zu überprüfen“, sagte Thomas Kleist (CSU). Johannes Hatzold (Freie Wähler) empfahl, der Stadtrat solle den Planern künftig klare Preisvorstellungen mitzugeben. Claudia Eser-Schuberth (Grüne) stellte die Frage nach einem Wechsel des Architekturbüros in den Raum.

Bei einer kompletten Neuplanung wäre jedoch der angestrebte Ablauf kaum mehr zu halten, sagte Bürgermeister Roland Eichmann (SPD); nach derzeitigen Stand hätten die Bauarbeiten im Juni 2021 beginnen und bis Ende 2023 dauern sollen. Peter Feile (SPD) gab schließlich zu bedenken, dass es oft nach hinten losgehe, wenn die öffentliche Hand über Einsparungen nachdenke. Er sei von dem Entwurf begeistert gewesen und sei es auch heute noch, sagte er.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: In Friedberg geht es nur teuer

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