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Mering

20.11.2017

Ärger beim Volkstrauertag in Mering

Viele Vereine kamen am Sonntag zum Volkstrauertag am Kriegerdenkmal in Mering. Doch wo waren die Gemeinderäte? Ein Großteil fehlte.
Bild: Eva Weizenegger

 Veteranen bezeichnen das Fehlen vieler Gemeinderäte als Unverschämtheit. Bürgermeister Kandler hat die Frage nach dem Warum aufgegeben

Pfarrer Thomas Schwartz ist bekannt für seine deutlichen und klaren Worte, die ihm scheinbar leicht über die Lippen kommen. Doch am Sonntagmorgen fiel es ihm sichtlich schwer, in der Messe zum Volkstrauertag seine Haltung zu wahren. Die Ursache für seinen Ärger: In den vorderen zwei Kirchenbänken, die extra für die Gemeinderäte reserviert waren, fand sich kein einziger der gewählten Bürgervertreter ein. Einzig Bürgermeister Hans-Dieter Kandler war gekommen, um am Gottesdienst teilzunehmen.

Zehn Vereine waren mit ihren Fahnenabordnungen und Vereinsmitgliedern in der St. Michaelskirche. Allen voran die Krieger- und Soldatenkameradschaft Mering. Deren Vorsitzender Gottfried Neumeir empfindet es als eine „bodenlose Unverschämtheit“, dass sich kein einziger Gemeinderat am Sonntagmorgen „blicken gelassen hat“. Es sei ja eine weltliche Gedenkstunde und nicht nur einfach ein Gottesdienst. Zudem könne man es jedem Gemeinderat zumuten, auch demjenigen, der nicht in der Kirchengemeinde Mitglied ist, sich für den Volkstrauertag Zeit zu nehmen. Dies gehöre zu den Aufgaben eines Gemeinderates. Der Volkstrauertag sei ein Gedenken an die Verstorbenen und Vermissten der Gemeinde in den Kriegen sowie an die Opfer von Terror und Gewalt. Dies sei eine lange Tradition und auch noch heute aktueller denn je. Wenigstens seien in der Veranstaltung am Kriegerdenkmal dann mit Klaus Eser und Reiner Heinrich (beide SPD) sowie Vitus Lichtenstern (CSU) doch noch drei Gemeinderäte „Aber wir Vereine sind das mittlerweile schon gewohnt, dass die Gemeinderäte sich bei uns nicht blicken lassen“, sagt Neumeir. Da sei der Volkstrauertag keine Ausnahme. „Aber wenn Wahlen sind, dann kommen sie alle“, sagt er frustriert.

Meringer Gemeinderäten steht Aufwandsentschädigung zu

Bürgermeister Hans-Dieter Kandler zur mangelnden Präsenz der Bürgervertreter beim Volkstrauertag: „Ich frage bei den Gemeinderäten nicht nach dem Warum?“ Grundsätzlich beobachte er schon seit längerer Zeit, dass die Präsenz der Marktgemeinderäte bei den Vereinen „eher gering“ sei. „Das ist nicht nur am Volkstrauertag so“, stellt Kandler fest. Dabei stehe den ehrenamtlichen Gemeinderäten eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 100 Euro zu, damit könne man auch die gesellschaftlichen Verpflichtungen als Gemeinderat abdecken. „Das sollte aber nicht als persönliches Nebeneinkommen verstanden werden“, so Kandler.

Der Volkstrauertag sei ein wichtiger Teil der deutschen Geschichte und für ihn als Bürgermeister stelle sich keine Diskussion, daran nicht teilzunehmen. Dennoch zeigt Kandler auch Verständnis, dass es nicht für jeden berufstätigen Gemeinderat möglich ist, sich an jeder Vereinsveranstaltung zu zeigen. „Doch es ist auch eine Chance, um mit den Menschen konkret ins Gespräch zu kommen und zu wissen, wo der Schuh drückt“, sagt Kandler.

Pfarrer Schwartz auch am Montag noch verärgert

Bei Pfarrer Thomas Schwartz ist auch am Montagmorgen der Ärger nicht verraucht. „Es geht hier schlichtweg auch darum, Verantwortung zu zeigen“, sagt er. Schon in seiner Predigt am Sonntag machte er deutlich: „Es geht darum zu gestalten und nicht bloß zu verwalten.“ Wer sich nicht traue, mutig voranzugehen, denn bestrafe das Leben selbst. Er kritisiert das mangelnde Interesse der örtlichen Parteienvertreter an den Traditionen, die keinesfalls sinnentleert seien. „Der Volkstrauertag ist auch ein Tag, der uns dazu mahnen sollte, dass so etwas wie in den beiden Weltkriegen, nie mehr in Deutschland geschen soll.“ Die Gemeinderäte, so Schwartz, hätten am Sonntag ein trauriges Bild gegenüber den vielen Vereinsvertretern abgegeben.

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