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Asyl in Friedberg

11.09.2018

Der lange Weg zur Arbeit und Wohnung

Familie Kadlo mit ihren Paten Alfred und Christine Schober. In ihrer neuen Wohnung haben sie ein Wohnzimmer, mit Platz für ein großes Sofa.

Wie steht es drei Jahre nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise um Integration in Friedberg? Eine Familie aus Syrien und ihre  Begleiter berichten.

 Vor drei Jahren kamen auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise viele Menschen aus Syrien nach Friedberg. Seitdem haben die Stadt, ihre Bürger und die Geflüchteten bei der Integration zusammengearbeitet. Begleitet hat die Bemühungen der Beirat für Integration und Flüchtlinge, der heute Abend tagt. Am 17. November lädt die Stadt Friedberg zu einem Integrationszirkel ein. Sie will dann gemeinsam mit Bürgern und Geflüchteten ins Gespräch kommen und herausarbeiten, wie sie Herausforderungen angehen kann. Viele der Flüchtlinge sind inzwischen in Friedberg angekommen, manche sind weitergezogen. Ein Beispiel ist die Familie Kadlo aus Syrien, die seit Januar 2016 in Deutschland ist.

Zweieinhalb Jahre lebte die kurdische Familie aus Aleppo im Wohnheim in der Josef-Wassermann-Straße. Ein Zimmer für vier Personen hatte sie am Anfang. Gemeinschaftsbad, Gemeinschaftsküche. Als die kleine Liliana vor vier Monaten geboren wird, bekam die Familie ein Zimmer mehr. So sind die Vorschriften. Seit ein paar Wochen haben die Kadlos nun eine eigene Wohnung in Augsburg-Hochzoll. Wohnzimmer, Schlafzimmer, große Küche und ein eigenes Zimmer für die beiden älteren Töchter Juliana und Viviana. Der pinkfarbene Teppichboden leuchtet. Darauf stehen weiße Möbel. Bald will Papa Idris noch eine neue Tapete anbringen, erzählt die neunjährige Juliana. Der Weg zur eigenen Bleibe war aber nicht einfach.

Viele Friedberger engagieren sich

Sprache, Wohnen und Arbeiten gelten als drei große Herausforderungen der Integration. Dabei reicht die staatliche Hilfe nicht aus. Viele Bürger engagieren sich ehrenamtlich. Schon früh suchten die Kadlos, nach einer eigenen Wohnung. Immer unterstützt von Alfred und Christine Schober aus Friedberg, die die Familie begleiten.

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Anerkannte Asylbewerber müssen in dem Bundesland wohnen bleiben, in dem sie das Verfahren zur Anerkennung durchgeführt haben. Dazu kommt häufig eine Wohnsitzauflage. In Schwaben gilt sie landkreisweit. Wenn Geflüchtete aus dem Landkreis Aichach-Friedberg wegziehen möchten, muss die Ausländerbehörde die Wohnsitzauflage aufheben. Weil dabei auch die Behörde in dem Landkreis bzw. der kreisfreien Stadt beteiligt ist, in die der Geflüchtete ziehen möchte, kann das ein langwieriger Prozess werden.

So wie bei den Kadlos: Auf dem Friedberger Wohnungsmarkt hatte die Familie keine Chance. Seit April hat Idris Kadlo zwar einen Job. Das Geld reicht aber nicht. Die Familie bekommt Sozialhilfe. Kadlo arbeitet in Friedberg-West. Deshalb suchte die Familie auch in Hochzoll nach einer neuen Bleibe – und wurde fündig. Dort ist die Ausländerbehörde Augsburg zuständig. Drei Monate musste die Familie bangen, bis sie das Okay bekam. Ein Argument, das für die Kadlos sprach, war, dass Idris Kadlo einen Job hat.

In Aichach-Friedberg hat jeder fünfte Asylbewerber einen Job

Im Landkreis Aichach-Friedberg hatten nach Angaben des Jobcenters im Juni 2018 rund ein Fünftel der Geflüchteten einen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag. Das ist relativ viel und liegt an der guten Beschäftigungslage in der Region.

In Teilzeit putzt Kadlo nachts Busse bei der Firma Demmelmair. Außer ihm beschäftigt Inhaber Gerhard Bestele noch zwei weitere Geflüchtete. Über die Mitarbeiter könne er nur Positives sagen, so Bestele. Es gebe aber ein großes Problem: die Sprache. Vieles müsse man durch Zeigen erklären. „Das ist anstrengend und Mehrarbeit für die Kollegen“, sagt Bestele. Warum beschäftigt er die Männer trotzdem? Zwei Gründe, erklärt der Unternehmer: Es sei wichtig, den Geflüchteten zu helfen. Und er habe große Probleme, Personal zu finden: Die Arbeitszeiten seien unattraktiv und für die Arbeit könne man nur wenig bezahlen.

Die Stadt Friedberg betreut momentan rund 100 Einzelpersonen und Familien. Davon sind 200 Kinder und Jugendliche, die eine Schule besuchen. Die Verwaltung erfasst allerdings nur die bleibeberechtigten Personen, die sich bei der Stadt melden und Hilfe suchen. Nach Angaben der Verwaltung gibt es immer mehr Geflüchtete, die in der Stadt Friedberg leben, obwohl kaum noch neue Geflüchtete ankommen. Das liege daran, dass immer mehr Mietverträge im Landkreis auslaufen, so die Stadt. Derzeit gibt es in Friedberg sieben Flüchtlingsunterkünfte. Ob die Paten der Kadlos, das Ehepaar Schober, noch andere Geflüchtete unterstützen wird, wo die Familie mittlerweile gut angekommen ist?

Die Bürokratie frustriert die Helfer 

Das hätten sie sich überlegt, berichtet Christine Schober. Der Kontakt zu den Menschen sei es wert. Was frustriert, seien bürokratische Hürden. Um mit denen umzugehen, bräuchten die Kadlos weiterhin Hilfe. Ein Beispiel: Für Liliana gibt es immer noch keine Geburtsurkunde. Denn Jailan und Idris konnten ihren Trauschein nicht im Original vorlegen. Seit vier Monaten sammeln sie mit den Schobers Dokumente als Belege. Der Umgang mit den Behörden sei kompliziert: „Sie werden noch eine ganze Weile Unterstützung brauchen“, sagt Alfred Schober. 

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