Newsticker
Ämter melden 15.974 Corona-Neuinfektionen und 1148 neue Todesfälle in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Ein Co-Working-Space auf dem Land? Projekt in Schmiechen geplant

Aichach-Friedberg

21.07.2020

Ein Co-Working-Space auf dem Land? Projekt in Schmiechen geplant

Helmut Wirths plant in Schmiechen ein Co-Working-Space, bei dem er Büroräume an Selbständige vermietet..
Bild: Edigna Menhard

Plus Helmut Wirths will in Schmiechen Co-Working mit einem Bürogebäude im Gewerbegebiet Saumfeld umsetzen. Doch wer lässt sich auf dem Land darauf ein?

Noch ist unter der Adresse „Saumfeld 2“ in Schmiechen eine grüne Wiese zu finden. Demnächst wird hier ein kleiner Gewerbepark entstehen, mitten darin ein Co-Working-Space. Wie dieses neue Arbeitsplatzkonzept funktionieren kann, erklärt Helmut Wirths.

Unter diesem Begriff versteht man eine Art Gemeinschaftsbüro, das sich verschiedene Selbstständige und Arbeitnehmer teilen. Die Büroplätze sind komplett mit Netzwerk, Telefon, Internet, Drucker etc. ausgestattet und können auf Tages-, Wochen-, Monats- oder Jahresbasis angemietet werden.

Dem Schmiechener schwebt Co-Working schon lange vor

Bislang waren die Co-Working-Center vor allem in Städten zu finden, doch Helmut Wirths sieht auch auf dem Land viel Potenzial. Den Schmiechener, der mit seiner Firma Bebauungskonzepte entwickelt, beschäftigt die Idee schon lange. „Nachdem wir hier in der Nachbarschaft ein Grundstück für den Wohnbau entwickeln und gleich nebenan eine Gewerbefläche verfügbar wurde, habe ich die Gelegenheit ergriffen und mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen.“

So soll der Co-Working-Space in Schmiechen aussehen.
Bild: Dobler Consult

Er sei überrascht gewesen, wie begeistert man auf das Projekt reagiert habe. Die Vorteile hätten alle überzeugt: ein zeitgerechtes, modernes Arbeiten, eine Belebung des Ortes, weniger Verkehr, weniger Pendlerströme. Der Gemeinderat hat den Bauantrag bereits einstimmig genehmigt. Auch vom Wittelsbacher Land wird das Projekt im Rahmen der Leaderförderung finanziell unterstützt.

Wirths rechnet mit einem großen Bedarf. Erste Anfragen seien schon eingegangen, außerdem habe er mit Firmen im Umfeld von Augsburg bis München Kontakt aufgenommen und positive Reaktionen erhalten. Coworking eignet sich für die unterschiedlichsten Unternehmen und Menschen: Das reicht von Angestellten, die im Homeoffice nicht die nötige Ruhe finden oder Freizeit und Arbeit räumlich trennen möchten, über Start-ups und Firmen mit mehreren Mitarbeitern bis hin zu kleinen Handwerksbetrieben.

Denn auch auf dem Land seien die Anforderungen für Gewerbetreibende gestiegen: Kunden und Lieferanten erwarten ständige Verfügbarkeit und professionelles Auftreten. Überspitzt gesagt müsse deshalb jemand, der im Homeoffice arbeite, erst das Kinderspielzeug aus dem Wohnzimmer wegräumen, bevor ein Kunde vorbeikommen könne. Oder ein Zimmerer, der gerade auf dem Dach Balken verlege und wohl kaum parallel Kundenanrufe entgegennehmen könne, müsse dafür eine Arbeitskraft einstellen.

Helmut Wirth hat schon konkrete Vorstellungen

Günstiger und professioneller werde das mit dem Co-Working- Space, so Helmut Wirths. Im neuen dreistöckigen Center ist auf der 850 Quadratmeter großen Geschossfläche unter anderem ein gemeinsamer Arbeitsbereich geplant, der für neun bis 16 Leute ausgelegt ist. Das habe aber nichts mit einem Großraumbüro zu tun, versichert Helmut Wirths: „Wir versuchen mithilfe der Inneneinrichtung, flexibel die verschiedensten Wünsche zu berücksichtigen. Unsere Arbeitsplätze reichen deshalb von der klassischen Büroeinrichtung über Steharbeitsplätze für Menschen mit Rückenbeschwerden bis hin zu Wohlfühlorten, die an ein Kaffeehaus oder ein schönes Wohnzimmer erinnern.“ Darüber hinaus entstehen acht bis 22 Büroräume, die mit Raumtrennsystemen an die gewünschten Größen angepasst werden.

Im Moment steht noch nicht konkret fest, welche Gebühren die Mieter zahlen müssen, aber Helmut Wirths hat schon seine Vorstellungen: Ein Monatsabo für einen Arbeitsplatz beispielsweise wird vermutlich zwischen 120 und 190 Euro kosten. Den Platz könne man dann 24 Stunden pro Tag, an sieben Tagen die Woche nutzen – und sich sogar beispielsweise mit einem Kollegen teilen. Ein komplettes Büro werde es dann schon ab 200 bis 250 Euro geben. Hierin inklusive sind ein Besprechungsraum mit Flat-screen, Beamer, Kreativboard und Videokonferenz, ebenso eine Kaffee- und Teeküche, ein Empfang, eine Poststelle und eine schnelle Glasfaser-Internetverbindung von 1,5 Gbit/s. Bei Bedarf kann man noch einen Sekretariatsservice dazu buchen.

So soll das Co-Working-Space in Schmiechen funktionieren

„Wir möchten hier verschiedene Dienstleistungen abdecken, die über den üblichen Service – also Rechnungsstellung, Versand, Inkasso und Buchhaltung – hinausgehen und zum Beispiel Grafikdesign, die Betreuung von Internet- und Social-Media-Seiten, einen IT-Service etc. umfassen“, fügt Wirths hinzu.

Auch die Schmiechener sollen profitieren. Denn der Geschäftsmann plant einen Carsharing-Service, den auch die Einwohner nutzen dürfen. Ebenso soll man den Besprechungsraum für berufliche oder private Events mieten können.

Ein paar Monate dauert es allerdings noch bis zum Spatenstich. Die Bauarbeiten werden vermutlich nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens im Herbst oder kommenden Frühjahr beginnen. Ihre Arbeitsplätze werden dann die ersten Coworker wohl ab der zweiten Jahreshälfte 2021 beziehen können.

Lesen Sie auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren