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Friedberg

19.11.2019

Ein Künstler macht sich in Friedberg nackert

Vier Akustik-Gitarren und ein Mikrofon - mehr bracht Michael Fitz nicht, um sein Publikum zu begeistern.
Foto: Werner Grabler

Michael Fitz lässt das Publikum im Wittelsbacher Schloss in Friedberg an seinem Seelenleben teilhaben

„Ausverkauft!“ Als Michael Fitz um Punkt 20 Uhr auf die Bühne des Wittelsbacher Schlosses in Friedberg tritt, ist der schmächtige Mann mit dem schlecht rasierten Bart selbst ganz überrascht, wie ihm geschieht. Immerhin passen rund 300 Besucher in den schmucken, frisch renovierten Veranstaltungsort. Und die sitzen jetzt vor ihm, der 61-jährige gebürtige Münchner schaut verdutzt ins gefüllte Rund. Denn er hat lediglich vier Akustik-Gitarren um sich geschart, dazu ein Mikrofon, um sich gegen so viel Neugier von Hunderten zu wappnen.

Ach ja, nicht unwesentlich: Fitz verfügt über ein blendend geöltes Mundwerk, die Anekdoten und Schnurren purzeln nur so in tiefstem Bayerisch aus seinem losen Maul. Ab und an vielleicht etwas zu viel, denn rund die Hälfte des mehr als zweistündigen Gastspiels (die halbstündige Pause nicht mitgezählt) besteht aus gesprochenem Wort. Dabei war die Chose als Konzert angekündigt. Aber egal, Michael Fitz ist Charmeur, Entertainer, angenehmer Geschichtenerzähler, selbst wenn er sich immer mal wieder im Dickicht der eigenen bewegten Vergangenheit verliert.

„Ich bin gerne anstrengend mit meinen Liedern“, gesteht der Anfang-60er, „ich will mit meiner Arbeit so nahe wie möglich rankommen an die Menschen, sie manches Mal gar mit einem heftigen Maß an Intimität erschrecken.“ Um diesem Anspruch gerecht zu werden, zögert Michael Fitz nicht, sich selbst emotional „nackert“ zu machen, wie er es selbst ausdrückt. „Wer sich auf meine Texte einlässt, erfährt so ziemlich alles über mich“, bekennt der waschechte Bajuware. „Ich lasse in meinen Songs bewusst die Hosen runter und entblöße mich seelisch, weil das mit Ehrlichkeit zu tun hat. Ehrlichkeit ist für mich das Ein und Alles, was ich mit meiner Musik verkörpern will.“

Michael Fitz ist der Öffentlichkeit in erster Linie als Schauspieler ein Begriff, bereits seit 1977. Er hat in zahlreichen TV-Serien mitgewirkt, aber auch in TV- und Kino-Filmen. Seine kultigsten Auftritte hatte er als Oberkommissar Carlo Menzinger in etlichen Folgen der Münchner „Tatort“-Reihe zwischen 1991 und 2007. „Danach war die Rolle für mich ausgereizt, obwohl ich sie wahnsinnig gerne verkörpert habe“, sagt Fitz.

Seine herausragenden Leistungen als Schauspieler wurden 2006 gekrönt, als er für die Rolle des Simon in Rainer Kaufmanns Film „Marias letzte Reise“ sowohl mit dem Deutschen als auch dem Bayerischen Filmpreis geehrt wurde. „Darauf bin ich stolz“, gibt Michael Fitz im Interview zu, „denn das hat mir bewiesen, dass ich aus der deutschen Filmlandschaft nicht mehr wegzudenken bin.

Mit dem Dialekt erreicht Michael Fitz die Menschen noch direkter

Doch auch als Musiker ist er das längst nicht mehr: Während er auf den frühen Alben zwischen 1989 und 2001 noch Hochdeutsch unterwegs war, sich nach dieser Phase eine vierjährige Auszeit von der Musik gab, hat er jetzt im Bayerischen offensichtlich seine musikalische Bestimmung gefunden. „Indem ich in meinem Heimatdialekt singe“, erklärt Fitz, „komme ich noch näher an die Menschen ran mit meinen Stücken. Ich bin definitiv überzeugt, dass durch die Mundart keine Sprachbarrieren aufgebaut werden, selbst wenn etwa ein Norddeutscher nicht jedes meiner Worte versteht – die transportierten Emotionen meiner Lieder versteht er garantiert, wenn er sich darauf einlässt.“

Noch eindringlicher als auf seinen Alben vermittelt Fitz jedenfalls seine in Noten und Wörter gegossenen Emotionen auf der Bühne. „Jeder Auftritt ist eine so extreme wie befriedigende Erfahrung“, freut sich Michael Fitz bereits auf gut 60-Live-Erfahrungen im aktuellen Jahr. „Dabei geht es immer ans Eingemachte, ich selbst bin alleine verantwortlich für einen guten oder einen schlechten Abend. Eine enorme Herausforderung - und im Sinne gelebter Authentizität das Beste, was einen authentischen Menschen wie mich herausfordern kann.“

Michael Fitz ist ein Schlingel und ein Singer/Songwriter im besten Sinne durch und durch. Er spielt seine Lieder und kommentiert diese, ganz im Sinne seiner vertrackten Lebensphilosophie. Manches Mal zu viel davon. Wobei die, bevorzugt weiblichen, Besucher in Friedberg dahin schmelzen bei so viel Authentizität und Aufrichtigkeit.

Der zweite Teil des Konzertabends beginnt mit „Heit“ – „dem einzig positiven Liebeslied, das ich im Angebot habe“, schmunzelt Fitz. Es erinnert an die G’stanzl-Kultur eines Fredl Fesl, wie einiges andere auch an diesem Abend. Doch der Münchner hat noch einiges mehr drauf an Kunststücken, einfach weil er ein ausgezeichneter Gitarrist ist: Flamenco, Tango, Latino-Stil á la Paco De Lucia oder Al Di Meola. Die Moll-Melodien überwiegen jedenfalls an diesem Abend im Schloss. Wozu Fitz feststellt: „Das hier ist kein Konzert. Das ist Therapie. Für uns alle!“

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