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Dasing

29.07.2019

Ein Schlagerstar rettet die Karl-May-Festspiele

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Schlagerstar Claudia Jung sprang bei den Karl-May-Festspielen in Dasing kurzfristig für die Rolle der Ärztin Susan Thomson ein. Regisseur Peter Görlach (zweiter von rechts) kannte sie aus einer anderen Inszenierung und rief sie an, als die eigentliche Darstellerin sich krank meldete.
Bild: Peter Stöbich

Plus Ein Schlagerstar springt kurz entschlossen bei Old Surehand ein. Das Publikum sieht spannende Duelle. Ein Gast hat eine besondere Beziehung zur Western-City.

Die Hiobsbotschaft bekam Regisseur Peter Görlach drei Tage vor der Premiere per Telefon: Cora Schön, in der neuen Inszenierung „Old Surehand“ als Ärztin Susan Thomson eingeplant, hat sich das Sprunggelenk verletzt und wird für die komplette Saison ausfallen. Was tun, um in letzter Minute die 15. Karl May-Festspiele zu retten?

„Mir fiel ein, dass Claudia Jung schon vor vier Jahren beim Schatz im Silbersee mit dabei war und habe sie sofort angerufen“, erzählt Görlach. Glück im Unglück: Die Schlagersängerin hatte gerade Zeit, lernte im Rekordtempo ihren Text und spielte bei der Premiere in der Dasinger Arena so perfekt, als hätte sie mit ihren Kollegen schon seit vielen Wochen geprobt. Bis zum 8. September wird Jung ihre Rolle als Ärztin im Wechsel mit Steffi Ried verkörpern.

„Wir kommen schon seit vielen Jahren mit der ganzen Familie immer wieder gern nach Dasing“, erzählt Premieren-Gast Martin Lengfelder aus Rosenheim. „Denn die Zuschauer sind ganz nah dran am Geschehen, können die Pferde riechen und Winnetou ins Auge schauen.“ Den Häuptling spielt seit eineinhalb Jahrzehnten Matthias M. so edelmütig, dass ihm schon beim Einritt in die Freilichtbühne der Applaus sicher ist.

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Den Bösewicht mimt diesmal ein Neuling

In der Rolle des Old Surehand hilft ihm dieses Jahr Sven Kramer, den goldgierigen General Douglas in die Schranken zu weisen. Den Bösewicht mimt diesmal ein Neuling in Dasing, nämlich der aus Oberösterreich stammende Marco Braun. Nicht fehlen darf in der aktuellen Saison Björn Trenner, der nach seinem Erfolg als Lord Emery Eagle im Vorjahr dem komischen Fach treu bleibt. In „Old Surehand“ sorgt er als Erfinder Dr. Eugenius Eugendorf für Aufregung im Wilden Westen, denn nicht alle seine Experimente enden so, wie er es sich erhofft.

Michael Englert verkörpert zum dritten Mal den schrulligen Präriepoeten und Dichter Gunstic Uncle; mit Witz und Humor kämpft er an der Seite der beiden Helden. Damit folgt Görlach, zeitlebens ein glühender Karl-May-Fan, der bewährten Dramaturgie, denn er weiß genau, was sein Publikum sehen will: spannende Duelle, aber kein Blutvergießen, dazu eine Prise Humor und natürlich den Sieg der wackeren Helden über das Böse. Die Spiritualität spielt im aktuellen Stück deshalb eine größere Rolle als sonst, weil das schamanische Heilungsritual für ein gelähmtes Mädchen eine Schlüsselszene ist.

Berührend, aber nie rührselig

Auch mit der angedeuteten Liebe zwischen Susan Thomson und dem Häuptling Apanatschka gelingen Görlach berührende Momente, die aber nie rührselig sind. Spannend in Szene gesetzt sind wieder die Duelle wie zum Beispiel ein Fackelkampf zwischen Winnetou und Apanatschka, bei dem während der Premiere Blitze über den Dasinger Nachthimmel zuckten.

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Winnetou reitet wieder
Bild: Peter Stöbich

Zur Atmosphäre trägt auch die sorgfältig ausgewählte Musik bei. Bei der anschließenden Feier zeigte sich Peter Görlach erleichtert: „Dank Claudia Jungs spontanem Einsatz kann ich jetzt wieder beruhigt schlafen!“ Die Proben und Kämpfe in Lederkostümen seien bei 30 Grad Sommerhitze ziemlich anstrengend gewesen. „Auf mein ganzes Team bin ich superstolz“, sagt er, „wir sind nach 15 Jahren wie eine große Familie.“

Viele der Fußsoldaten und Statisten opfern für die Spielsaison ihren Urlaub und machen ohne Gage mit, weil sie begeisterte Karl-May-Fans sind, so wie zum Beispiel Simon Grahammer aus Ebersried. Der 65-jährige war Mitglied eines Wildwest-Clubs und wurde vor vier Jahren während einer Autogrammstunde von Görlach angeworben. Gemeinsam mit Helmut Mühlbauer von den Theaterfreunden Bachern spielt er einen Südstaaten-Soldaten, kümmert sich aber auch darum, dass rundum die Dasinger Freizeitanlage in Ordnung ist: Bänke streichen, Büsche schneiden, Kulissen reparieren und vieles mehr.

Einer bekommt zum ersten Mal eine Sprechrolle

Erstmals in einer Sprechrolle kann Michael Scherer sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellen. Der gebürtige Dasinger gehört seit zehn Jahren zum Ensemble und hatte als Indianer-Statist begonnen. Dann wurde er Action-Kämpfer und ist in der aktuellen Inszenierung als Häuptlings Ketana-Saritsch zu sehen, ein erbitterter Feind von Winnetou und Old Surehand.

Im Premierenpublikum saß auch Edwin Raible aus Ellwangen, einer von vier Brüdern des 2015 verstorbenen Westerncity-Gründers Fred Rai. „Ich war bisher bei jeder Aufführung mit dabei und kann mich noch gut erinnern, wie der Fred 2010 die Rolle des Old Surehand gespielt hat“, sagt er. „Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis zueinander.“

Wie viele Zuschauer war auch Lorenz Arnold, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Dasing, voll des Lobes über die Premiere und Görlachs Inszenierung. „Grandiose Effekte und eine tolle Vorstellung, wenn man bedenkt, dass die meisten Darsteller keine Schauspiel-Ausbildung haben. Der Regisseur schafft es, jedes Jahr noch eins draufzusetzen und das Publikum zu überraschen.“ So zum Beispiel mit einer Abseil-Aktion Winnetous vom Dach der Zuschauertribünen.

Die Festspiele in Dasing dauern bis zum 8. September. Aufführungen sind jeden Samstag um 16 und 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen um 16 Uhr. Das Gelände ist an allen Vorstellungstagen ab 12 Uhr zugänglich, die Zuschauertribünen sind überdacht.

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