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Friedberg
18.10.2019

Im Elektrorollstuhl zum Abitur an der Friedberger FOS

Die Friedberger FOS/BOS ist als inklusive Schule ausgezeichnet worden.
Foto: Brigitte Glas (Archiv)

Die Berufliche Oberschule in Friedberg will den Bedürfnissen behinderter Schüler gerecht werden. Die Leiterin und ein Betroffener berichten, was das konkret bedeutet.

Nico Schwarz besucht den Technikzweig der Beruflichen Oberschule Friedberg und bereitet sich wie seine Mitschüler aus der zwölften Klasse auf das Abitur vor. Was ihn von seinen Kameraden unterscheidet: Nico hat Muskeldystrophie.

Das bedeutet, dass seine Muskeln schwinden, da dem Körper bestimmte Eiweiße fehlen. Er sitzt in einem elektrischen Rollstuhl. Dass er dennoch ganz normal am Unterricht teilnehmen kann, dafür hat die FOS nun das Prädikat einer Inklusionsschule erhalten.

Friedberger Konzept überzeugt das Kultusministerium

Doch schon vor dem Erhalten des Profils wurden Inklusionsschüler dort unterrichtet. „Wir haben uns schon immer bemüht, den Bedürfnissen der behinderten Schüler gerecht zu werden“, erzählt Direktorin Hermine Scroggie. Da die notwendigen Ressourcen aber manchmal nicht ausreichten, beschloss sie, ein Inklusionsprofil für die FOS/BOS zu beantragen. Gemeinsam mit Schulpsychologin Elisabeth Förg erstellte sie ein Konzept, das sie dem Kultusministerium vorstellte.

Die Staatssekretärin im Kultusministeriums, Anna Stolz (links) überreichte Schulleiterin Hermine Scroggie die Urkunde, die die FOS/BOS zu einer Inklusionsschule erklärt.
Foto: sl-pictures.de

Zum Ende des letzten Schuljahres bekam Scroggie dann die Zusage. Die ganze Schule soll vom Inklusionsprofil profitieren. Beispielsweise können jetzt spezielle Sprechstunden in den Fächern Mathematik, Physik und Betriebswirtschaftslehre/Rechnungswesen angeboten werden, um Schülern bei möglichen Problemen zu helfen. Schüler mit Migrationshintergrund erhalten Unterstützung im Fach Deutsch.

Zehn Schüler mit Behinderung besuchen die FOS/BOS Friedberg

Insgesamt zehn Schüler mit Behinderung, darunter körperlich Eingeschränkte sowie Jugendliche mit Autismus-Erkrankungen, werden in diesem Jahr an der FOS unterrichtet. „Sie mussten aber genau wie alle anderen das Praktikum absolvieren, sonst dürfen sie nicht hier zur Schule gehen“, stellt Scroggie klar. Da es dort schon seit einiger Zeit Inklusionsfälle gab, bringe die Verleihung des Profils keine große Umstellung mit sich.

Auch sei die Schule behindertengerecht gebaut worden. So sind beispielsweise die Türklinken sehr niedrig, es gibt einen Fahrstuhl und Behindertentoiletten. Betroffene Lehrer nahmen zuletzt an einer Fortbildung für Autisten teil. Ansonsten laufe alles wie sonst auch, sagt Scroggie: „Das Profil hat nichts an unserer Einstellung geändert, denn die war vorher schon positiv.“ Bisher habe sie keinerlei negative Rückmeldung bekommen, freut sich die Schulleiterin. „Ich glaube und hoffe, dass die Eltern der Inklusionsschüler merken, dass wir bemüht sind.“

Um einen Ausgleich für mögliche Defizite herzustellen, werden die Inklusionsschüler individuell durch mehr Unterrichtsstunden gefördert. „Wir sind ja froh, wenn die jungen Leute an Interesse an Bildung haben und das Abitur machen wollen“, erklärt Scroggie.

Fritz-Felsenstein-Haus unterstützt die Friedberger Schule

Kooperationspartner der FOS ist das Fritz-Felsenstein-Haus in Königsbrunn. Die Organisation ist ein Kompetenzzentrum für Menschen mit Körper- oder Mehrfachbehinderung. Mit Wissen und Erfahrung unterstützen die Mitglieder die berufliche Oberschule Friedberg. Auch der Fahrdienst, der körperlich Benachteiligte zur Schule bringt, wird über den Verein organisiert.

„Die Zusatzstunden sind wie ein Sechser im Lotto“, freut sich Nicos Mutter Andrea Schwarz: „Wir haben großes Glück.“ Man merke, dass die Schulleitung wirklich dahinter steht und sich Mühe gebe, alles den Bedürfnissen entsprechend zu arrangieren, sagt sie.

Nicos Stundenplan ist zum Beispiel so gestaltet, dass die Sportstunden der Klasse, an denen er nicht teilnehmen kann, am Ende des Schultages liegen. So muss er nicht so viele Freistunden aussitzen. Nico selbst sagt: „Na ja, ich gehe normal zur Schule. Ich bin gern hier. Mit den Klassenkameraden passt alles, Lehrer und Schulleitung sind nett und alles ist behindertengerecht.“

Wie geht es nach dem Abi für Nico weiter?

Nico ist von der Idee eines Inklusionsprofils überzeugt: „Wenn es so läuft wie bei mir, dann finde ich das sehr gut.“ Der Schüler hat noch keine genauen Pläne, wie es für ihn nach dem Abitur weitergeht. Er könnte sich aber vorstellen, Verfahrenstechnik zu studieren. Doch bis dahin muss er noch eine Weile die Schulbank drücken.

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