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Friedberg

16.06.2019

Für diesen Markt lohnen sich auch weite Wege

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Irmi Hieber-Meinreiss produziert gemeinsam mit ihrer Tochter schönes Geschirr
Bild: Peter Stöbich

Töpfer aus halb Europa stellen ihre Arbeiten in Friedberg aus. Der Andrang war groß.

Weite Wege haben am Wochenende die Aussteller und Besucher des Friedberger Töpfermarkts in Kauf genommen – ein Zeichen für die große Beliebtheit der Veranstaltung, die jeden Sommer auch eine attraktive Freiluftausstellung im Stadtgarten ist. Die rund 70 Teilnehmer kamen bis aus Lettland und Litauen, Schaulustige und Käufer bis vom Ammersee und aus München.

Angelika Maier war noch nie in Friedberg und auch nicht auf einem Töpfermarkt. „Meine Freundin Ilona hat mich heute aus Unterschleißheim mitgenommen“, erzählt sie beim Bummel durch die bunt geschmückten Verkaufsstände. „Ich kenne so etwas Ähnliches zwar von der Auer Dult, bin aber ganz entzückt von der angenehmen Atmosphäre im Park!“

In Friedberg gibt es jede Menge zu sehen

Zu sehen gibt es für die beiden Freundinnen eine ganze Menge: Blumen und Schmuck aus Keramik, Feuerschalen und Spardosen, lustige Tierfiguren und vieles mehr. „Wenn wir Brotzeit gemacht haben, wollen wir uns später auch noch das Schloss anschauen“, freut sich Maier über einen abwechslungsreichen Tag.

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Die gebürtige Friedbergerin Irmi Hieber-Meinreiss ist seit den Anfängen des Töpfermarkts mit dabei. Sie hat technische Zeichnerin gelernt und heute eine Werkstatt in Fischach. „Mit 24 Jahren bin ich meiner Leidenschaft für Keramik gefolgt und habe nach der Ausbildung die Meisterschule in Stuttgart besucht“, berichtet sie. Talent und Fachkenntnis hat sie auch an ihre Tochter Inka weitergegeben: „Heute produzieren wir gemeinsam schönes Geschirr!“

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Sonnwend-Töpfermarkt in Friedberg
Bild: Peter Stöbich

Auch Heidi Hartlieb aus Mammendorf hat zuerst nicht das Handwerk, sondern Informatikerin gelernt. „Durch meine Kinder bin ich zur Herstellung von Märchenfiguren gekommen und habe mir dafür alles Nötige selbst beigebracht.“ Neben einem fantasievollen Schloss, aus dem Rapunzel ihr Haar hängt, sitzen an Hartliebs Stand der rothaarige Kobold Pumuckl sowie Hexen und viele andere Märchengestalten. Vor allem die Kinder bleiben gern stehen und bestaunen die kunstvollen Figuren aus ihren Büchern und Filmen.

Meeresgetier im Friedberger Stadtgarten

Schon in jungen Jahren war für Sara Noglik aus Memmingen klar, welchen Beruf sie später einmal ausüben will: „Um töpfern zu können, habe ich alle Hebel in Bewegung gesetzt und als 19-Jährige eine Lehre begonnen.“ Schon vier Jahre später machte sie sich selbstständig und hat heute ein Alleinstellungsmerkmal gefunden: „Eine Freundin, die gern Meerjungfrau spielt, hat mich auf das Thema Meer gebracht.“ Und so produziert die 30-Jährige Schalen, die aussehen wie Wale oder Tassen mit Ankern und Kraken-Tentakeln als Henkel. „Die sind zum Beispiel bei Rollenspielern beliebt, die am Wochenende als Piraten unterwegs sind.“ In Friedberg stellt Noglik ihre Waren zum zweiten Mal aus und ist angetan von der familiären Atmosphäre im Stadtgarten: „So gemütlich geht es selten auf einem Markt zu!“

Im Erzgebirge ist Norbert Grimm daheim und führt dort die von seinem Vater übernommene Korbmacherei bereits in der dritten Generation. Die Marktbesucher können ihm bei seiner Handarbeit zuschauen, an der sich seit Jahrzehnten nichts geändert hat. Er hat 400 Kilometer weit einen reparierten Stuhl mitgebracht, den ihm vor einem Jahr eine Friedberger Kundin in Auftrag gegeben hatte.

Von Litauen bis nach Friedberg

Noch wesentlich weiter war die Anreise für Bernard Arcikauskas, der aus dem 1400 Kilometer entfernten Litauen kommt. An seinem Stand gibt es neben Engelsfiguren auch allerlei lustige Tiere, von frechen Fröschen über Mäuse bis zu schnuckligen Schnecken. „Im Sommer stelle ich aus, in den Wintermonaten unterrichte ich in meiner Heimat an der Kunsthochschule“, erzählt Arcikauskas.

Schon mehrmals war Gatis Dembovskis mit seiner Frau Daria beim Friedberger Markt vertreten. Zuhause in Lettland betreibt das Paar ein Bauunternehmen, das als Hobby begonnene Töpfern hat sich mit den Jahren zu einem zweiten Standbein entwickelt. Auffallend in den Verkaufsregalen sind bunte Blätter und Schmetterlinge in leuchtenden Farben. „Die kommen zustande, weil wir in einer speziellen Technik farbiges Glas verarbeiten“, sagt Dembovskis.

„Vor lauter schönen Sachen weiß man kaum, wo man zuerst hinschauen soll“, stellt Annette Schönhuber beim Wochenend-Bummel fest. Sie ist vom Ammersee mit ihrer Familie aus Finning gekommen, „weil ich das große Gedränge beim Dießener Töpfermarkt nicht mag und lieber entspannt einkaufen gehe“.

Warum Friedberg besser ist als der Töpfermarkt in Dießen

Deshalb fährt sie fast jedes Jahr nach Friedberg und kauft sich jeweils ein Erinnerungsstück, „auch wenn ich es nicht unbedingt brauche“. Heuer fiel ihre Wahl auf eine blaue Müsli-Schale und einen lustigen Raben. „Der schaut so frech und wird auf einen Pfosten am Gartenzaun gesteckt!“ Im nächsten Jahr, das steht für Schönhuber fest, wird er einen Genossen bekommen.

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