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25.01.2014

Hände weg vom Weitmannsee und Auensee

Die Pläne zur Lech-Renaturierung beschäftigen Kissings Bürgermeister Manfred Wolf (im Bild) und seine Gemeinderäte.
Bild: Heike John

Renaturierungsprojekt für den Lech verursacht weiter Aufregung

Es wird wohl noch viel Wasser den Lech hinunterlaufen, bis die geplanten Maßnahmen zur Renaturierung des Lechs unter dem Projektnamen „Licca liber“ greifen. Im Kissinger Bauausschuss, bei Workshops und in Leserbriefen sorgte der sogenannte Flussdialog jedoch schon für einige Aufregung.

Höchst alarmiert zeigt sich vor allem die Fischergilde Kissing. Im Vorfeld der in Kürze beginnenden Online-Befragung verteilten Otto König und Engelbert Pflanz, der erste und der zweite Vereinsvorsitzende, bereits Flyer mit ihrer Sichtweise auf die geplanten Maßnahmen. Zur jüngsten Sitzung des Bauausschusses waren etwa 30 weitere Bürger gekommen, um sich ein Bild zu machen. „Hände weg vom Weitmannsee und Auensee!“ warnt in roter Schrift ein Verbotsschild auf der verteilten Broschüre. Und weiter: „Renaturierung des Lechs innerhalb der bestehenden Deichgrenzen. Ihre Stimme zählt. Nutzen Sie Ihre Chance im Rahmen der Onlinebefragung vom 28. Januar bis 16. Februar 2014“.

Bürgermeister Manfred Wolf schließt sich den Bedenken der Fischer an. „Durch eine Erweiterung des Lechs in Richtung Osten würden der Weitmann- und der Auensee als Naherholungsgebiet und auch als Fischwasser für die Kissinger Bürger verloren gehen. Die Sommer- und Winteraktivitäten wie etwa Baden und Eislaufen wären nicht mehr möglich“. Außerdem würde der Lech auch noch weiter an die Bebauung heranrücken. Eine Einbeziehung von Flächen östlich des derzeitigen Flusslaufes würde das genehmigte Kissinger Wasserschutzgebiet stark reduzieren. Damit wäre seine Schutzfunktion so weit eingeschränkt, dass die Kissinger Trinkwasserversorgung mit eigenem Brunnen nicht mehr möglich wäre.

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Bereits im Workshop hatte der Bürgermeister deshalb ausdrücklich die Position vertreten, dass die Renaturierung des Lechs nur innerhalb der bestehenden Deiche erfolgen solle. „Ich stehe nach wie vor zur Aussage in meinem Schreiben an den damaligen Umweltminister Schnappauf vom 30.05. 2003, in dem ich gefordert habe, dem Lech mehr Platz zu geben, damit er bei höherem Wasserstand nicht diese verheerende Grundwassereinreichung vornehmen kann.“ Die in der kommenden Woche startende Online-Befragung des Wasserwirtschaftsamts in Donauwörth sorgte indes für Kontroversen im Gremium.

„Mir fehlt in der ganzen Sache die Grundinformation, ein Konzept, damit der Bürger überhaupt weiß, was Sache ist“, bemängelte Franz-Xaver Sedlmeyr (CSU). Petra Hofberger von den Grünen verteidigte jedoch die Vorgehensweise. „Das Verfahren zur Beteiligung der Öffentlichkeit ist vorbildlich“, findet sie. Es solle ja zunächst nur ein Stimmungsbild erhoben werden, was die Menschen sich wünschen.

Nemetz: Kissing drohen massive Einschnitte

Roland Nemetz (SPD) betonte jedoch, man müsse von Anfang an die Folgen des geplanten Projekts klar herausstellen: „Fakt ist, dass Kissing massive Einschnitte drohen“. Hier werde ein ökologischer Kahlschlag betrieben und zwei Idyllen für Erholungssuchende kaputt gemacht. Das Ganze habe schon eine gewisse Eigendynamik bekommen, stellte Manfred Wolf leicht besorgt fest. „Den Lech auf seine Breite von 1900 auszudehnen kann doch nicht funktionieren!“

Einig war man sich, die Bürger zu einer zahlreichen Beteiligung an der Befragung aufzurufen. Abschließend stellte Wolf aber noch einmal die Frage in die Runde „Warum kann der Lech nicht innerhalb der Deiche renaturiert werden?“ „Jetzt wird erst mal paar Jahre gestritten“, ist sich der zweite Vorsitzende Engelbert Pflanz von der Fischergilde sicher. Doch der erste Vorsitzende Otto König betonte: „Wehret den Anfängen“.

Befragung Die Onlinebefragung findet in der Zeit vom 28. Januar bis 16. Februar statt. Mit einer amtlichen Bekanntmachung, beigelegt in unserer Zeitung sowie in der Wochenzeitung Extra, werden alle Haushalte in den betroffenen Gemeinden informiert.

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