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Friedberg

21.08.2020

Hannah Herschke sammelt freiwillig Müll am Friedberger See

Hannah Herrschke sammelt am Friedberger See frühmorgens den Müll auf.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Hannah Herschke steht früh auf, um sich für die Umwelt einzusetzen. Dafür bekommt sie viel Zuspruch. Ihr Berufswunsch ist keine Überraschung.

Einige Vögel zwitschern, abgesehen davon liegt die Stille wie eine Decke über dem Friedberger See. Ein paar Senioren schwimmen in dem dunkelgrünen Wasser, über dem noch letzte Reste des frühmorgendlichen Dunstes hängen. Ansonsten ist niemand am See auszumachen.

Hinter den Ästen jedoch, in den Büschen, die die Liegewiese umrunde, blitzt immer wieder ein weißer Fleck auf. Er gehört zum Oberteil von Hannah Herschke. Die 19-Jährige hebt Müll vom Boden auf und steckt ihn in eine Plastiktüte.

Mehrmals füllt sie diesen an einem Morgen, sagt sie. Dabei ist Hanna schon weg, wenn sich die meisten Badegäste am See einfinden. Sie kommt in der Regel mehrmals wöchentlich noch vor 7 Uhr und braucht etwa eine Stunde für ihren Rundgang.

Lohn bekommt Hannah dafür nicht. Möchte sie auch nicht, das ist aber auch nicht ihre Motivation. Es reicht ihr zu wissen, dass die Umwelt dadurch weniger belastet ist. „Kurz nach dem Lockdown habe ich mit dem Spazieren gehen begonnen, gerne auch am Friedberger See“, erzählt die 19-Jährige.

Friedbergerin sammelt Müll am See: Der Ärger ist manchmal groß

Aber dort habe sie sich immer wieder über den Müll geärgert und ihn daraufhin aufgesammelt. Und das immer öfter, die idyllischen Morgenspaziergänge mutierten zu einer ehrenamtlichen Arbeit.

Anfangs habe sie zum Aufsammeln noch eine kleine Tüte mitgenommen, „die war dann aber sehr schnell voll“, sagt Hannah. Notgedrungen schwenkte sie auf einen größeren Müllsack um, und trotzdem muss Hannah ihn immer wieder in die großen Müllcontainer ausleeren.

Die Friedbergerin Hannah Herschke sammelt Müll am Friedberger See. Dabei füllt sie oftmals mehrere Tüten mit dem liegengebliebenen Unrat.
Bild: Michael Postl

„Es macht mich schon wütend, dass hier so viel Abfall herumliegt, die Umwelt und die Tiere leiden sehr darunter“, sagt die Friedbergerin. Dabei sind es oft die gleichen Dinge, die auf dem Boden herumliegen: Pommesschalen, benutzte Windeln, Bierflaschen. Ein großes Ärgernis sind jedoch die Zigarettenstummel. Diese sind besonders umweltschädlich, zum Auflesen aller würde man jedoch einen halben Tag brauchen. „Ein Zigaretteneimer wäre da eine gute Lösung“, findet Hannah.

Zuständig für den Müll ist eigentlich Jürgen Koppold. Der Pächter des Kiosks am Baggersee beschäftigt extra Mitarbeiter, die den hinterlassenen Unrat aufsammeln, morgens und abends. „Nach 22 Uhr kann aber schon mal etwas liegen bleiben“, sagt Koppold, immerhin seien spät abends, nachdem die letzten Badegäste weg sind, die Lichtverhältnisse nicht mehr die besten.

Friedbergerin sammelt Müll am See und will Meeresbiologin werden

Er selbst komme noch nicht so früh, als dass er Hannah antreffen könnte. Bemerkt, dass es in der Früh manchmal etwas sauberer ist, hat Koppold indes schon: „Einmal ist eine Flasche in tausend Einzelteile zersprungen – da haben wir uns gedacht, einfach bei Tageslicht vor den Badegästen zu kommen, um die letzten Splitter zu beseitigen“, berichtet Koppold. Am nächsten Tag sei dann aber alles wieder sauber gewesen, Hannah sei Dank.

Bis September will sie weitermachen mit ihrer Müllaktion, dann geht es für die letztjährige Abiturientin erst einmal nach Teneriffa. Dort will sie ihren durch Corona verschobenen Auslandsaufenthalt nachholen und sich auf ihr Studium der Meeresbiologie vorbereiten.

Dieser Studiengang passt hervorragend zu Hannah, denn: Ihre Grenze hat sie mit dem Müllaufsammeln am Baggersee noch nicht erreicht. Der nächste Schritt ist ihr Beitrag zur Rettung der Meere. Auf Teneriffa nimmt sie an einem Freiwilligenprojekt teil, das sich dem Schutz von Walen und Delfinen widmet.

Friedbergerin sammelt Müll am See: Nachahmer gibt es noch nicht

Ab November beginnt dann ihr Studium – wo Hannah dieses absolviert, ist jedoch noch unklar. Im Raum stehen Bayreuth und München. Bis dahin gilt es ohnehin zunächst, sich weiter dem Umweltschutz zu widmen. Das macht sie auch bei der Organisation Greenpeace, mit der sie regelmäßig über Probleme aufklärt und an Demonstrationen teilnimmt.

Hannah ist es wichtig, dass die Leute die Probleme selbst erkennen und entsprechend handeln. Viele finden ihren Einsatz gut und sagen ihr das auch. Nachahmer hat Hannah jedoch noch nicht. Einmal habe sie einen Karton wegen seiner Größe nicht wegwerfen können und stellte ihn an den Wegesrand bei der Liegewiese. Irgendjemand wird ihn schon mitnehmen, dachte sie damals. Falsch gedacht, nach einer Woche stand er immer noch da.

Immer mal wieder komme sie mit Rentnern ins Gespräch, die die morgendliche Stille am See ebenso genießen wie sie und ihre Arbeit immer wieder loben. Aber genießen kann Hannah eben nur, wenn auch die Büsche rund um die Liegewiese sauber sind. Und dafür setzt sie sich hartnäckig ein. Nur ein einziger Mensch sieht ihre Tätigkeit etwas kritisch. „Manchmal nervt es meinen Freund schon ein wenig, wenn ich so früh morgens aufstehe“, sagt sie lachend. „Aber damit muss er leben.“

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