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Bildung in Friedberg

16.11.2017

Hilfe, was soll ich nur werden?

Der Blick in die Zukunft ist für junge Menschen nicht leicht. Diese Mädchen interessieren sich für Vermessungstechnik. Ein Praktikum kann bei der Berufswahl helfen.

Für junge Menschen ist es schwer, sich für einen Beruf zu entscheiden. Doch Schulen haben Unterstützungsangebote entwickelt. Lehrer, Schüler und Eltern erklären, was das bringt.

 330 Ausbildungsberufe und über 18000 Studiengänge gibt es in Deutschland – welcher junge Mensch kann da wissen, was für ihn das Richtige ist? An den Schulen hat sich jedoch in Sachen Berufsorientierung viel getan. Aktuelle Beispiele: Die Friedberger Konradin-Realschule führt ein Pflichtpraktikum ein. Und an Gymnasien gewinnt das Thema durch die Rückkehr zum G9 an Gewicht.

Schüler, Eltern und Lehrer der Konradin-Realschule kamen jetzt überein, ab diesem Schuljahr ein verpflichtendes Berufspraktikum für Neuntklässler einzuführen – als weiteren Baustein im Programm Berufsorientierung. Schulleiter Anton Oberfrank erklärt: „Bislang haben manche sechs freiwillige Praktika gemacht, andere gar keines.“ Doch die Praktika brächten viel, sagt Praktikumsbetreuer Oliver Limmer. Viele Jugendliche bekämen eine Lehrstelle – andere gewännen die Einsicht, welcher Job nichts für sie ist.

Der Traum vom Hotel-Job

Die 15 Jahre alte Simone wollte schon immer in die Hotelbranche. Beim Praktikum in einem Hotel in Bad Tölz fand sie heraus: „Das ist genau das Richtige für mich.“ Vor allem an der Rezeption und im Service machte es ihr Spaß. „Es ist toll, wenn man mit unterschiedlichen Menschen zu tun hat“, sagt die Zehntklässlerin. Sie findet das neue Pflichtpraktikum gut. Erstens könne man es in der Schulzeit machen, statt die Ferien zu opfern. Außerdem zieht es die Hälfte der Friedberger Realschüler an die FOS. „Viele machen das nur, weil sie nicht wissen, was sie werden sollen“, glaubt Simone. Für sie könne ein Praktikum hilfreich sein.

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Wichtig ist den Elternbeiräten Michael Stoll, Viktorija Máté und Ulrike Hesse, dass das Projekt gut eingefädelt wird. So soll es Leitfäden für Schüler und Betriebe geben, Lehrerbesuche in den Firmen und eine Evaluation. Außerdem stellen Schüler einander am Ende die Berufsbilder vor. Dieses Konzept, eingebettet in Angebote wie Elternabende, Sprechstunden der Arbeitsagentur, Betriebserkundungen, Bewerbungstraining, einer Firmenpartnerschaft mit Voxeljet und mehr, überzeugte alle.

Neues am Gymnasium

Auf gymnasialer Ebene kommt die Initiative zu mehr Berufsbildung von oben. Im Rahmen der Rückkehr zum neunstufigen Gymnasium soll auf Wunsch des Kultusministeriums im Lehrplan mehr Raum für dieses Thema sein. Bislang liefen die Initiativen von Schule zu Schule unterschiedlich. Ute Multrus, Leiterin des Gymnasiums Friedberg, betont jedoch, hier sei auch bislang schon einiges geschehen.

So gebe es im Gegensatz zu manch anderen Gymnasien einen vom Elternbeirat organisierten Berufsinfotag; außerdem ein Bewerbungstraining und ein Sozialpraktikum in der zehnten Klasse, das dem sozialwissenschaftlichen Profil geschuldet ist. Auch das Gymnasium Friedberg hat eine Firmenkooperation, und zwar mit der Forum Media Group.

Bei Schülern kommt das an

Projekte zum Thema Beruf kommen laut Multrus bei Schülern gut an. „Der Blick weitet sich. Es ist faszinierend, die Arbeitswelt zu erleben.“ Neu seien verpflichtende Berufspraktika in der neunten Klasse und ein Koordinator für berufliche Orientierung, der ein Konzept für die Schule erstellt und mit internen und externen Partnern zusammenarbeitet. Dabei wünscht das Kultusministerium explizit den Blick auf den dualen Ausbildungsweg statt nur aufs Studium.

Was für Gymnasien neue Wege bedeutet, ist an Mittelschulen schon gang und gäbe. So kann Christine Teuber, Rektorin der Kissinger Mittelschule, auf ein Bündel von Angeboten verweisen, das in der fünften Klasse mit dem Fach „Kommunikation im Beruf“ beginnt. Mittelschüler müssen in sehr jungen Jahren wissen, was sie werden wollen. „Es ist normal, dass jemand in dem Alter Astronaut oder Lokführer werden will.“ Um für Realismus zu sorgen, gehen die Schüler in der sechsten Klasse in Betriebe, in der siebten Klasse gibt es unter anderem eine Potenzialanalyse mit anschließendem Elterngespräch, in der achten ein Berufsorientierungs-Camp bei einem Bildungsträger.

50 Bewerbungen geschrieben

Und die berufsorientierenden praktischen Fächer werden von der siebten bis zur neunten Klasse reduziert, so dass die Schüler nach und nach auswählen können. Teuber weiß, dass es um mehr als Berufswünsche geht. „Die Arbeitswelt ändert sich. Wir müssen Schülern Flexibilität beibringen.“ Das lohne sich. Wegen des Nachwuchsmangels seien Firmen wieder an Mittelschul-Absolventen interessiert. „Früher hatte ich gute Schüler, die 50 Bewerbungen schreiben mussten. Das ist vorbei.“ 

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