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Kissing

12.05.2018

Ihr Herz schlägt für die Natur

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Petra Hofberger, Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz Kissing, mit ihrem Mann Hannes Hofberger (links), dem Kassenwart, und dem stellvertretenden Vorsitzenden Peter Claus. Sie überprüfen die Blüten des großen Apfelbaums in der Kissinger Streuobstwiese.
Bild: Sabine Roth

Zwei Streuobstwiesen in Alt-Kissing werden von Mitgliedern des Bund gehegt und gepflegt. Dort wachsen auch alte Obstsorten.

Inmitten der blühenden Streuobstwiesen in Kissing fühlt sich Peter Claus sichtlich wohl. Der stellvertretende Vorsitzende der Ortsgruppe des Bund Naturschutz setzt sich intensiv für diesen besonderen Raum ein.

Seit 1987 gibt es den Bund Naturschutz in der Gemeinde. Claus war ein Mitglied der ersten Stunde. Der 80-jährige pensionierte Lehrer erinnert sich noch gut an die Entstehung. Zuerst trafen sich die Naturschützer in Mering, bis es dann immer mehr Interessenten gab und sich eine eigene Ortsgruppe in Kissing zusammenschloss. „Das war beim Stammtisch in unserer Dorfwirtschaft“, erinnert sich Claus.

Inzwischen hat der Bund Naturschutz in Kissing rund 100 Mitglieder, die sich untereinander und bei der übergeordneten Organisation Rat holen können. Dabei geht es beispielsweise um den perfekten Schnitt eines Baumes oder die richtige Bekämpfung von Schädlingen. Der Bund Naturschutz kennt die Besonderheiten der meisten Obstsorten und gibt Empfehlungen für den Anbau im eigenen Garten. In Kissing wird von den Mitgliedern zudem die Pflege und Nutzung der beiden Streuobstwiesen, die sie seit 1994 in ihrer Obhut haben, übernommen. Gemeinsam sorgen sie unter anderem für den regelmäßigen, fachgerechten Schnitt der Obstbäume.

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Bereits im April rückten die Mitglieder in diesem Jahr mit Leitern und Geräten an, um die Bäume auf der Streuobstwiese zurechtzuschneiden. „Als Dank dafür dürfen unsere Mitglieder im Herbst die reifen Früchte ernten“, sagt Claus. Das Fallobst dürfe jeder mitnehmen. Gespritzt werde hier nicht. Das Obst soll schadstofffrei bleiben und die Umwelt geschont werden.

Eine der zwei Streuobstwiesen liegt zwischen Alt-Kissing und Hörmannsberg links an der Hauptstraße und die andere befindet sich am Ortsrand in Richtung Ottmaring auf der östlichen Seite.

Im Moment blühen jeweils etwa 15 heimische Obstbäume wunderschön in Weiß und Rosé. Viele Apfelbäume sind darunter. Dabei legte der Bund Naturschutz Wert auf alte Sorten wie den Boskop – auch Schöner aus Boskoop genannt. Der Baum hat eine starkwüchsige ausladende Krone. Er bevorzugt einen Standort auf schwerem, feuchtem, kalkhaltigem Boden und ist sehr langlebig. Die Äpfel reifen Ende September bis Mitte Oktober und sind bis März haltbar. Dieser Winterapfel hat einen säuerlichen Geschmack. „Für Apfelallergiker ist diese Sorte wegen ihres niedrigen Allergengehalts gut genießbar“, sagt Claus.

Im Juni werden laut dem 80-Jährigen die beiden Wiesen von Mitarbeitern der Gemeinde Kissing gemäht. „Vorher sind zu viele nützliche Insekten in der Wiese, die mit dem Rasenmäher getötet werden könnten. Zudem hoffen wir, dass so noch mehr Blumen wachsen.“ Dieses Thema liege ihm sehr am Herzen. Denn gerade die zunehmende Düngung mit Pflanzenschutzmitteln auf den Feldern führe dazu, dass immer mehr Insekten vernichtet würden. Dabei seien sie für das ökologische Gleichgewicht ungemein wichtig.

Laut Claus bestäuben sie Pflanzen, zersetzen Aas und sind selbst Nahrungsquelle für viele andere Tiere. Durch das Verschwinden der Insekten breche eine ganze Nahrungskette zusammen. „Jetzt kommt es auf die Bienen an, die die Blüten bestäuben und letztlich für eine gute Ernte sorgen“, sagt Claus. Zurzeit höre er aber sehr viele summen, wenn er inmitten der Bäume auf der Wiese stehe. Zudem habe der Frost im letzten Winter keine Schäden hinterlassen. Claus ist auch froh, dass kaum Schädlinge da sind, die dem Obst zusetzen können.

Der Natur- und Gartenliebhaber weiß auch einiges über die Geschichte der Streuobstwiesen. „Früher waren sie eine wichtige Nahrungsquelle für die Menschen, heute müssen leider immer mehr Wiesen für Baugebiete weichen. Die Ausgleichsflächen brauchen dann lange, bis die frisch gepflanzten Bäume wieder Früchte tragen.“

Die Kissinger Naturschützer kümmern sich auch um vier Mischhecken. Eine liegt ein paar Hundert Meter weiter auf der Anhöhe neben dem Wasserhaus inmitten gelbblühender Rapsfelder. Diese sogenannte Benjeshecke ist im Jahr 1994 entstanden und besteht überwiegend aus heimischen Gehölzen: Schlehen, Weißdorn, Ranklbaum und Kornelkirsche. Alle Sorten kann man auch im eigenen Garten pflanzen. „So wie es Hermann Benjes, ein bekannter Landschaftsgärtner, tat, haben wir die Hecke auch entstehen lassen. Und wir freuen uns, dass etwas daraus geworden ist“, erklärt Claus und zeigt stolz auf das mehrere hundert Meter lange Gebüsch. Benjeshecken entstehen durch linienhafte, lockere Ablagerungen von hauptsächlich dünnerem Gehölzschnitt, wie Ästen und Zweigen, sowie durch Samenanflug oder Initialpflanzungen. Auch sie werde von der Gemeinde im Juni gemäht.

Peter Claus bedauert, dass heutzutage viele Privatgärten nicht mehr naturnah seien und Hecken durch Steinwände ersetzt würden. Daher bemühen sich die Mitglieder, die Ortsmitte von Alt-Kissing grüner zu gestalten. Sechs sogenannte Hofbäume wurden vor vielen Jahren an verschiedenen Plätzen in Privathöfen gepflanzt. „Sie prägen heute das Ortsbild und sind prachtvoll geworden. Toni Mahl, unser langjähriger Vorstand, hat sich dafür eingesetzt“, freut sich Peter Claus.

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