1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Im Wittelsbacher Land sind die Plätze in den Pflegeheimen knapp

Aichach-Friedberg

22.04.2019

Im Wittelsbacher Land sind die Plätze in den Pflegeheimen knapp

Das Haus Gabriel in Kissing gehört zu den voll belegten Pflegeinrichtungen im Landkreis.
Bild: Anton Schlickenrieder (Archivfoto)

Alle 14 Häuser im Landkreis sind voll belegt. Wer derzeit eine stationäre Unterbringung für seinen Angehörigen benötigt, muss sich auf Wartezeiten einstellen.

Voll belegt sind die stationären Einrichtungen der Altenpflege im Landkreis. Und dies wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. So schätzen Ingrid Hafner-Eichner und Gabriele Bott die Situation ein. Gemeinsam leiten sie in der Nachfolge von Alf Neumeier das Sachgebiet Altenhilfe im Landratsamt Aichach-Friedberg.

Mit Inkrafttreten der Pflegestärkungsgesetze wurde die Vergütung durch die Kassen für die ambulante Pflege zwar erhöht und jene für die stationäre Pflege gekürzt. Dadurch erwarteten sich die Fachleute, dass sich eine Verlagerung weg vom Heim und hin zur ambulanten Pflege, Kurzzeit- und Tagespflege vollzieht. „Letztlich muss aber festgestellt werden, dass der erwartete Effekt der Pflegestärkungsgesetze nicht eingetreten ist“, sagt Ingrid Hafner-Eichner. „Unsere Interpretation ist, dass der Zuwachs alter Menschen, die eine stationäre Pflege benötigen, diesen Effekt aufgezehrt hat.“

Immer mehr Senioren im Kreis Aichach-Friedberg

Letztlich sei die demografische Entwicklung der Grund für die hohe Belegungsquote in der stationären Pflege. Die Bevölkerungsprognose aus dem Jahr 2015 sagt einen kontinuierlichen Zuwachs hochaltriger Menschen voraus. Das Statistische Landesamt schätzt in der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung für den Landkreis Aichach-Friedberg, dass der Altenquotient in den 20 Jahren von 2017 bis 2037 von 32,6 auf 51,7 ansteigen wird. Diese Zahl bildet das Verhältnis der Personen im Rentenalter zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter ab.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Auch die Anzahl der Menschen mit über 80 Jahren, also die potenziellen Bewohner von Pflegeeinrichtungen, steigt in den nächsten Jahren deutlich an. Von einem Pflegenotstand sei aber noch nicht die Rede. Knapp eintausend Pflegeplätze in insgesamt 14 stationären Pflegeheimen stehen derzeit im Landkreis zur Verfügung. Das im letzten Jahr in Betrieb genommene „Haus an der Paar“ in Aichach mit 87 Pflegeplätzen wird laut Landratsamt sukzessive entsprechend der Personalsituation belegt. „Dieser Prozess dauert in der Regel etwa ein Jahr“, weiß Gabriele Bott. Ob in den Heimen Wartelisten existieren könne sie nicht sagen. „Allerdings ist uns aus der Seniorenberatung nicht bekannt, dass auf einen stationären Pflegeplatz eine unverhältnismäßig lange Wartezeit besteht“, sagt Bott.

Haus Gabriel in Kissing in voll belegt

Diese Listen müsse man sowieso relativieren, erklärt Yvonne Friedrichs, Einrichtungsleiterin im Kissinger Seniorendomizil Haus Gabriel. Oft ließen Angehörige ihre Senioren nur vormerken, weil man auf einen Platz in der Kurzzeitpflege warte. Voll belegt ist das Haus Gabriel mit Platz für 104 Bewohner aber auf jeden Fall. Vor allem für den sogenannten gerontopsychiatrischen Bereich ist die Nachfrage groß. Denn Kissing und das Pro Seniore in Friedberg sind die einzigen Häuser im Landkreis mit beschützenden Wohnbereichen. „Auch wir haben einen Bedarf ohne Ende“, bestätigt auch Jeanette Kleespies von der Friedberger Pro Seniore Residenz.

Voraussetzung für die Aufnahme in einem geschlossenen Wohnbereich ist ein amtsrichterlicher Unterbringungsbeschluss. „Wir haben ständig Anfragen von den Bezirkskrankenhäusern in München, Augsburg, Kaufbeuren und Günzburg“, sagt Kleespies. Der Bedarf an beschützenden Plätzen im geschlossenen Bereich ist durch die Zunahme der hochaltrigen demenziell veränderten Menschen gestiegen, so bestätigt man auch im Referat Altenhilfe. „Er kann durch die beiden Einrichtungen im Landkreis nicht gedeckt werden.“

Im Landkreis Aichach-Friedberg fehlen Arbeitskräfte

Die Öffnung eines neuen geschlossenen Wohnbereichs sei für die Einrichtungsträger jedoch nicht lukrativ, da sie von den Pflegekassen nicht höher vergütet werden als in der normalen Pflege. Zudem erforderten diese Wohnbereiche vermehrt gerontopsychiatrisch geschultes Personal. Interessanterweise verzeichnen manche Einrichtungen eher im Helferbereich einen Mangel an Arbeitskräften. „Wir würden gerne noch einige Pflegehelfer einstellen, seien es Umschüler, Bewerber mit einjähriger Pflegeausbildung oder auch Absolventen des Schwesternhelferinnenkurses“, bestätigt die Kissinger Einrichtungsleiterin Yvonne Friedrichs.

Einen offiziellen Aufnahmestopp aufgrund von Personalmangel gebe es derzeit im Landkreis Aichach-Friedberg allerdings nicht, so gibt Gabriele Bott vom Landratsamt Auskunft. Weiterhin nicht ausreichend sei die Anzahl an Plätzen in der Kurzzeitpflege. Aufgrund verbesserter Abrechnungsbedingungen entstanden im Landkreis im Laufe des vergangenen Jahres zwar zusätzliche Plätze. Aktuell gibt es im Landkreis jedoch nur 21 ausgewiesene Kurzzeitpflegeplätze, die für die Pflege nach einem Krankenhausaufenthalt, in familiären Notsituationen oder für eine Auszeit der pflegenden Angehörigen zur Verfügung stehen.

In Urlaubsmonaten ist es schwierig

Besonders in den klassischen Urlaubsmonaten sei es den Krankenhaussozialdiensten und der Seniorenberatung in akuten Situationen kaum möglich, kurzfristig einen Platz zu organisieren. Viele Pflegeheime bieten auch eine sogenannte „eingestreute Kurzzeitpflege“ an, die bei verfügbaren Plätzen möglich ist, jedoch nicht im Voraus gebucht werden kann. Der enorme Aufwand bei einer kurzzeitigen Belegung eines Platzes in Form von Pflegeplanung und Bürokratie bewirke allerdings, dass die Pflegeheime eine vollstationäre Belegung bevorzugen.

„Gewünscht werden vor allem wohnortnahe kleinere Einrichtungen. Die sogenannten ambulant betreuten Wohngemeinschaften könnten in den Gemeinden einen gewissen Bedarf decken. Hierzu berät die Heimaufsicht im Landratsamt“, so informiert das Altenpflegereferat in Aichach.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Thomas Goßner In der Pflege gibt es kein Entweder-oder

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20_AKY3542.tif
Soziales

Das Wittelsbacher Land wird immer älter

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser Morgen-Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen