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Bildung

12.10.2011

Jeder ist wertvoll – auch mit schlechten Noten

„Man muss Schüler nicht strafen, sondern danach schauen, was sie brauchen.“Maria Hublitz

Maria Hublitz von der Friedberger Berufsoberschule gehört zu den 40 besten Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland

Friedberg „Jeder Mensch trifft bei ihr auf ein offenes Ohr“ und „Sie nimmt auch gern Streit im Lehrerkollegium auf sich, wenn sie uns damit helfen kann.“ Das sind Eigenschaften einer Lehrerin, die Maria Hublitz zu einer der 40 Besten ihres Faches in ganz Deutschland machen. Von Bundespräsident Christian Wulff durfte sie dafür in Berlin eine Auszeichnung entgegennehmen. Wulff und sein Bundespräsidialamt wollten damit die tagtäglichen Leistungen der Lehrer des Landes „ins Bewusstsein heben“. Dass dies eine Herzensangelegenheit für den Bundespräsidenten war, habe man ihm schon angemerkt, sagt der Schüler Jacob Sailer.

Der 20-Jährige hatte die Lehrerin auf ihrer Reise in die Hauptstadt begleitet. Sailers Freund und Klassenkamerad Marco Richter stieß bei der Internetrecherche auf den Wettbewerb. Schüler sollten beschreiben, warum ein Lehrer ihnen viel bedeutet. Prompt kam die Einladung für das Lehrer-Schüler-Tandem bestehend aus Hublitz und Richter. Bei der Verleihung war nun aber doch Jacob Sailer dabei. Marco Richter macht gerade ein Praktikum in China im Controlling-Bereich. Und das, obwohl Betriebswirtschaft und Rechnungswesen (BWR) noch in der 11. Klasse zu seinen schlechtesten Schulfächern gehört haben. Hut ab!

Die 57-Jährige ist bereits seit über 20 Jahren Lehrerin. Nach dem Studium der Wirtschaftspädagogik in München begann ihre Lehrerlaufbahn. Anfang der 1980er kam dann zunächst einmal eine Babypause. Seither ist sie Mutter von zwei Kindern, die heute 29 und 27 Jahre alt sind. Von 1988 an ging es für die Lehrerin beruflich an der Berufsschule Günzburg weiter. Seit 2004 lehrt sie an der Staatlichen Berufsoberschule in Friedberg die Fächer BWR, VWL, Rechtslehre und Wirtschaftslehre.

Hublitz verfolgt eine moderne Unterrichtsphilosophie. Sie setzt darauf, die Schüler wertzuschätzen, ihnen Respekt entgegenzubringen. „Man muss Schüler nicht strafen, sondern danach schauen, was sie brauchen“, sagt die Lehrerin, „wenn ich sehe, was los ist, habe ich sie“.

Neben dem offenen Ohr für jeden besucht Hublitz auch viele Lehrgänge, um sich weiterzuentwickeln. So nahm sie zum Beispiel an Kursen im Mediatisieren, dem Schlichten von Konflikten, und Neuroleptischen Programmieren (NLP) teil. Ganz wichtig ist es der Geehrten, in ihrem Unterricht auch gesellschaftliche Werte zu vermitteln. Ein Faktum, welches sie in der Rede von Christian Wulff bestätigt sieht.

Über die Auszeichnung des Bundespräsidenten hat sie sich sehr gefreut. Als Kritikpunkt sah sie jedoch, dass zur Verleihung dann wieder nur die Besten, etwa Hochbegabte und Stipendiaten internationaler Schulen, eingeladen waren und nicht durchschnittliche oder gar nicht so gute Schüler. Sie sagt: „Jeder Einzelne ist wertvoll. Auch, wenn er schlechte Noten hat. Gerade die brauchen Anerkennung.

Beim Unterricht setzt sie vor allem auf Partnerarbeit der Schüler. Hier könne gemeinsam erlernt werden. Wenn es Fragen oder Unklarheiten gebe, können diese gemeinsam in einem Team ausgeräumt werden. Auf die Frage, wie nach ihrer Auffassung denn der optimale Unterricht aussehen solle, sagt sie: „Ich bin zwar auch streng. Es muss aber mindestens einmal pro Unterrichtsstunde gelacht werden.“

Dieses Jahr bietet Maria Hublitz das Wahlfach Schülercoaching an der Staatlichen Berufsoberschule Friedberg an. Dabei soll es darum gehen, das Selbstbewusstsein von Schülern zu stärken. Prüfungsängste und andere Schülerkrankheiten könnten so bekämpft werden. Die 57-Jährige steht auch für privates Lerncoaching zur Verfügung. Interessenten sollen sich bei der Staatlichen Berufsoberschule in Friedberg melden. (FA)

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