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Mering

13.02.2020

Kandler schlägt bei letzter Bürgerversammlung versöhnliche Töne an

Nach 24 Jahren als Bürgermeister hielt Hans-Dieter Kandler seine letzte Bürgerversammlung ab. Er schloss diese mit sehr persönlichen Worten.
Bild: Gönül Frey

Plus Merings Bürgermeister verabschiedet sich bei der letzten Bürgerversammlung mit versöhnlichen Tönen. Doch ohne Ärger geht es nicht.

Nach 24 Jahren tritt Merings Bürgermeister Hans-Dieter Kandler nicht mehr zur Wahl an. Der anstehende Abschied schwang bei der letzten Bürgerversammlung seiner Amtskarriere immer wieder an.

In einem eineinhalbstündigen Vortrag fasste er die Entwicklungen des vergangenen Jahres zusammen. Anhand einiger Zahlen verdeutlichte er die Dynamik, mit der sich Mering verändert. Vom starken Wachstum zeugt beispielsweise die Grunderwerbssteuer. Diese hat sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre von 200.000 Euro auf 400.000 Euro verdoppelt. Auch die Einkommenssteuer steigt mit der Einwohnerzahl: 2009 hatte Mering hier Einnahmen von 6,1 Millionen Euro –2019 waren es 11 Millionen Euro. Gleichzeitig nahmen jedoch die Aufgaben zu. Der Aufwand für Personal – vor allem schlage hier die Kinderbetreuung zu Buche – sei in diesem Zeitraum von 2,8 Millionen Euro auf 4,9 Millionen gestiegen.

Mering investiert Millionen in die Kinderbetreuung

Gerade in der Kinderbetreuung stehen weitere Aufgaben an. Kandler verwies auf die beiden Horte, die neu gebaut werden – wenn alles klappt bis September 2021. Insgesamt fast 10 Millionen Euro werde Mering dafür ausgeben. Parallel läuft die Erweiterung des Kindergartens Kapellenberg. Beim geplanten Waldkindergarten der evangelischen Kirche gelte es noch letzte Hürden zu überwinden. Eine besondere Schwierigkeit sei es zudem, für die Einrichtungen das nötige Personal zu gewinnen.

Kandler schlägt bei letzter Bürgerversammlung versöhnliche Töne an

In diesem Zusammenhang ärgerte sich Kandler über den staatlichen Zuschuss von 100 Euro an Kindergarteneltern. Dies führe zum Teil dazu, dass Eltern mit geringeren Buchungszeiten nun aufstocken, um den Zuschuss voll auszunutzen. „Das Geld hätte man besser den Kommunen zur Verfügung gestellt“, kritisierte der Bürgermeister.

Für Einnahmen soll hingegen der Gewerbepark Mering West sorgen. Hierfür ist die Kommune mit Krediten in Höhe von 4 Millionen Euro in Vorleistung gegangen. Diese müssen bis Ablauf des Jahres getilgt werden. Er sei zuversichtlich, dass dies gelingt, sagte Kandler. Bei ca. 50 Prozent der Flächen sei man sich mit den Bewerbern einig, sodass der Verkauf bald beurkundet werden könne. Und für die verbleibenden 3,5 Hektar gebe es bereits aussichtsreiche Interessenten.

Kandler kann sich immer noch über Ärgernisse aufregen

Eines der größten Projekte der kommenden Jahre wird der Rathausneubau in Verbindung mit der Neugestaltung des Marktplatzes sein. Bürgermeister Kandler erläuterte dazu noch einmal, wie der Weg von der Vision 2025 zu diesem Vorhaben geführt habe. Nächster Schritt wird ein Realisierungswettbewerb sein, für den nun die Förderzusage vorliege. Obwohl alles im Marktgemeinderat so beraten und beschlossen worden sei, werde das Ganze trotzdem durch die Diskussion über die Verkehrsberuhigung im Zentrum überlagert.

Der Bürgermeister, der bereits die Tage bis zum Ende seiner Tätigkeit zählt – noch 78 am Tag der Bürgerversammlung – schaffte es bei diesem Thema dann doch nicht, seinen Ärger zu verhehlen. „Ich bin mit Herzblut Bürgermeister und kann mich immer noch über ein paar Dinge aufregen“, gab er zu. Besonders erbost äußerte er sich über Kritiker, die mit ihren Äußerungen seiner Ansicht nach dokumentieren, dass sie keine Ahnung haben. Kandler bezog sich hierbei auf den Spott, den es gegeben hatte, als sich heraus- stellte, dass der Markt Mering trotz aller Vorentwürfe und Konzepte noch keine Vermessung des Zentrums hat. Wie berichtet, war diese nie beauftragt worden, weil noch keines der Konzepte es bis in die Umsetzung geschafft hatte.

Gut gefüllt war die Meringer Mehrzweckhalle bei der diesjährigen Bürgerversammlung.
Bild: Gönül Frey

Merings Bürgermeister dankt Unterstützern aber auch Kritikern

Nach dem Vortrag, der noch viele weitere Projekte und Hintergründe umfasste, entspann sich ein lebhafter Austausch mit den Zuhörern, die die Mehrzweckhalle gut füllten. Zum Abschluss richtete sich Kandler mit persönlichen Abschiedsworten an die Meringer: „Ich bin jetzt ein Auslaufmodell“, sagte er. Er danke allen, für ihre sachlichen Beiträge. Über die Jahre gebe es einige bekannte Gesichter, denen er in der Bürgerversammlung immer wieder begegnet sei. „Ich habe mich immer bemüht, alles abzuarbeiten.“ Dies sei nicht allein sein Verdienst: „Ich bin stolz darauf, so einer guten Verwaltung vorzustehen“, betonte er.

 

Als Bürgermeister habe er oft nicht nur eine Fünf-, sondern eine Sechs- oder Sieben-Tage-Woche gehabt. „Ich habe es gern gemacht, es hat mir Spaß gemacht“, sagte er. Sicher habe es auch Ärger gegeben, er wolle sich jedoch lieber an die positiven Erfahrungen halten. Er dankte allen, die ihn im Laufe der Jahre unterstützt haben. „Ich danke aber auch allen, die mich kritisiert haben“, sagte er. Nach der ersten Abwehrreaktion habe Kritik bei ihm immer Denkprozesse in Gang gesetzt.

Er hoffe im Gegenzug, dass er für die Meringer jemand gewesen sei, von dem sie das Gefühl hatten, ihn mit ihren Anliegen ansprechen zu können. „Wenn es so war, dann behalten Sie mich in guter Erinnerung, Danke!“, schloss er.

Lesen Sie auch über die Anliegen der Bürger: Neubau des Meringer Rathauses noch einmal überdenken

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