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Aichach-Friedberg

16.08.2020

Neue Straßenlampen im Raum Friedberg sollen Mücke und Falter retten

Solche Kugelleuchten gehören zu den für die Insekten ungünstigsten Variante, weil viel Licht nach oben abgestrahlt wird.
Bild: Edigna Menhard

Plus Die alten Modelle gefährden den Insekten-Bestand. Was die Gemeinden im Raum Friedberg dagegen unternehmen.

Die meisten Menschen fühlen sich unbehaglich, wenn sie nachts auf schummrigen, dunklen Wegen nach Hause laufen müssen. Da ist jede Straßenlaterne herzlich willkommen. Die nächtliche Beleuchtung vermittelt nicht nur Sicherheit, sie schützt auch im Straßenverkehr vor Unfällen. Doch die Leuchten tragen auch erheblich zur Lichtverschmutzung bei. Die weltweiten, aber auch bayerischen Nachtlandschaften erhellen sich immer stärker – laut Bundesamt für Naturschutz kann man einen Anstieg von jährlich zwei bis fünf Prozent verzeichnen.

Das künstliche Licht in der Nacht stört die Ökosysteme von Menschen sowie Flora und Fauna, vor allem das der ohnehin schon in ihrem Bestand bedrohten Insekten. 60 Prozent der wirbellosen Tiere sind nachtaktiv. Mit ihren Facettenaugen orientieren sich einige von ihnen an den Sternen oder dem Mond. Steht dann irgendwo eine Straßenleuchte mit ihrem viel helleren Licht, sind die Gestirne schnell vergessen, das elektrische Licht zieht einige Insekten magisch an.

An einer Laterne tummeln sich 1000 Insekten

Forscher haben gezählt, dass sich in der Nacht an einer Laterne schon mal 1000 Fluginsekten tummeln. Diese Anziehungskraft wird auch als Staubsaugerwirkung bezeichnet. Für Insekten ist das fatal: Ein undichtes oder heißes Leuchtengehäuse wird schnell zur tödlichen Falle. Zudem sind sie außerhalb ihrer natürlichen Umgebung stärker gefährdet – Fressfeinde wie Spinnen etwa machen es sich gerne an Lampen gemütlich und bekommen ihr Abendessen sozusagen auf dem Silbertablett serviert.

Man vermutet zudem, dass die Falter und Co. nicht mehr so erfolgreich ihrer Nahrungs- und Partnersuche nachgehen können, wenn sie ihrem eigentlich unbeleuchteten Lebensraum entzogen sind. Außerdem fehlen sie dann dort auch als Nahrungsgrundlage für andere Tiere. Nachtbestäuber werden außerdem von ihrer Arbeit abgelenkt: Forscher haben etwa entdeckt, dass nachts auf dunklen, unbewirtschafteten Flächen insgesamt rund 300 Insektenarten die Blüten von rund 60 Pflanzenarten besuchten. Durch künstliches Straßenlicht wurden 62 Prozent weniger Nachtbestäuber-Besuche gemessen.

Angesichts des massiven Insektensterbens rückt mittlerweile auch bei der Politik und bei umweltbewussten Bürgern die Nachtbeleuchtung ins Bewusstsein. So hat das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zu einigen Regelungen in Bezug auf Lichtverschmutzung geführt. Gemeinden müssen etwa künstliche Beleuchtungen im Außenbereich vermeiden bzw. deren Auswirkungen auf die Insektenfauna überprüfen.

Schmiechen setzt auf LED-Leuchten mit bestimmter Farbtemperatur

Damit sind auch Straßenleuchten auf den Prüfstand gekommen. Die althergebrachten Quecksilber- und Metallhalogendampf-Hochdrucklampen, deren weißes Licht besonders verführerisch auf Insekten wirkt, werden von den Gemeinden seit einiger Zeit gegen energiesparende LEDs mit kühlem, eher bläulichen Licht ersetzt. Doch LEDs alleine machen noch lange kein insektenfreundliches Licht aus.

In Schmiechen hat sich Gemeinderätin Katharina Velt (Grüne) eingelesen, was hierbei beachtet werden soll: „Es gibt zwei entscheidende Faktoren für insektenfreundliche Beleuchtung: die Wahl des Leuchtmittels und die Bauart der Lampen. Insekten nehmen weißes Licht mit hohem Blauanteil sehr viel heller als wir Menschen wahr, deshalb ist ein gelbes Licht mit Farbtemperatur unter 3300 Kelvin nötig. Daneben sollte eine Lampe im Außenbereich einen möglichst geringen Abstrahlwinkel haben, um nicht zu viele Insekten aus der Umgebung anzulocken und im Falle von Straßenlaternen sollte sie auch noch möglichst niedrig sein.“

Die Gemeinde Schmiechen wird im neuen Baugebiet Bahnwegfeld II deshalb nur LED-Leuchten – so wenig wie möglich – mit einer Farbtemperatur von 3000 Kelvin aufstellen. In Mering ist die Situation ähnlich. Laut Bürgermeister Florian Mayer sei es finanziell nicht möglich, die Lampen vorab auszutauschen, in Neubaugebieten oder bei Sanierungen müsse man aber bei der Beleuchtung entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Kissing und Friedberg nutzen den sogenannten Pauschalierten Leuchten- und Leuchtmitteltausch (PLT+) der LEW. Dabei werden Leuchten und Leuchtmittel durch LEDs ersetzt. Mehr als ein Drittel der bestehenden Leuchten, also rund 1500 von insgesamt rund 4000, habe man schon auf LED-Technik umgerüstet, berichtet Friedbergs Pressesprecher Frank Büschel.

In Kissing wird zudem nachts das Licht gedimmt. Bürgermeister Reinhard Gürtner informiert: „Beim PLT+ in Kissing werden neue LED-Leuchten mit einer autarken Lichtstromsteuerung verbaut. Die Reduzierung erfolgt von 21 bis 24 Uhr auf 70 Prozent und danach bis 5 Uhr morgens auf 50 Prozent.“

In Friedberg hat man dagegen eine Absenkung nicht generell programmiert, sondern nur an einigen Stellen beispielsweise am neuen Parkplatz an der B300 sowie im Schlosspark. Zudem fährt die Beleuchtung generell bei bewegtem Licht von zehn auf lediglich 80 Prozent hoch. Die ersten Schritte im Kampf gegen die Lichtverschmutzung sind gemacht.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Verzicht auf Licht schont Mensch und Tier

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