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Mering

24.08.2020

Seit fünf Jahren bietet die Meringer Kanalstraße Zuflucht für Asylbewerber

Am Meringer Sportplatz knüpften die vor fünf Jahren in der Kanalstraße einquartierten Syrer die ersten Kontakte zu Einheimischen in Mering. In der Bildmitte der Vorsitzende des SV Mering, Georg Resch.
Bild: Heike John

Plus Im Jahr 2015 zogen 40 Syrer in die damals eröffnete Unterkunft in Mering ein. Das war eine große Herausforderung für die Ehrenamtlichen. Was aus den ersten Bewohnern geworden ist.

Der Meringer Siegfried Schwab erinnert sich noch genau an den 24. August vor fünf Jahren. Damals kamen 40 syrische Asylbewerber in der Kanalstraße an und die zu dieser Zeit größte Männerunterkunft in Mering wurde in Betrieb genommen.

„Im Biergarten hieß es damals ,Heute kommen die Flüchtlinge an‘“, erzählt Schwab. Zusammen mit Merings Asylkoordinatorin Maureen Lermer nahm er sie in Empfang. Da standen sie nun, 40 größtenteils junge Männer, nur zwei von ihnen sprachen Englisch. „Das war eine enorme Herausforderung für uns“, betont Schwab.

Siggi Schwab erinnert sich, wie sie Asylbewerber in die Meringer Kanalstraße einzogen.
Bild: Heike John

Mit dem Bus wurden die 22 Araber und 18 Kurden von einem Sammellager in Niederbayern in die Marktgemeinde gebracht. Der letzte dieser „Erstbesetzung“ vom Sommer 2015 zog erst im August vergangenen Jahres aus der vom Landratsamt betriebenen dezentralen Unterkunft aus.

Durch seinen Schwager, der aus einem arabischsprachigen Land stammt, wusste Siegfried Schwab einige Wörter Arabisch und konnte sich damals mit den Neuankömmlingen ein wenig auszutauschen. Die Verständigung war dennoch schwierig, manche konnten zum Glück etwas Türkisch sprechen.

Flüchtlinge konnten beim SV Mering täglich zum Fußballspielen kommen

Leichter fiel der Kontakt zwischen Deutschen und Syrern auf sportlicher Ebene. Das erste Eis brach durch gemeinsames Bolzen auf dem Sportplatz. Dank der aufgeschlossenen Haltung des SV Mering mit seinem Vorsitzenden Georg Resch konnten die Flüchtlinge täglich zum Fußballspielen kommen.

Die anfängliche Idylle einer beginnenden Integration wurde jedoch jäh gestört, als zwei Wochen später, Mitte September 2015, am Bahnhof St. Afra ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt wurde. Schnell rückte das nahe gelegene Asylbewerberheim in den Fokus.

Auch wenn dieser Verdacht durch DNA-Abgleiche rasch entkräftet werden konnte, brachte er doch ein tiefes Misstrauen. „Auch aus dem Kreis der Ehrenamtlichen, die zu Beginn zahlreich in der Unterkunft für Unterstützung zur Verfügung standen, hielten sich fortan einige zurück“, erinnert sich Schwab.

Das ehemalige Versicherungsbüro in der Meringer Kanalstraße wurde umgewidmet in eine Unterkunft für Asylbewerber.
Bild: Anton Schlickenrieder

Nicht jedoch die Sprachlehrer für den Deutschunterricht. „Wir haben uns gesputet, dass wir gleich nach der Ankunft der Syrer im September 2015 mit Sprachkursen anfangen konnten“, erzählt Ingo Reiser. Zusammen mit seiner Frau und rund 15 weiteren Helfern betätigte er sich als Deutschlehrer.

Die Neuankömmlinge wurden je nach Kenntnisstand in drei Gruppen geteilt und gemeinsam mit Schülern aus anderen Unterkünften unterrichtet. Die große Schwierigkeit bestand darin, dass unter den erwachsenen Schülern Menschen waren, die vor ihrer Flucht an einer Universität studiert hatten, und andere wiederum als Analphabeten noch niemals eine Schule besucht hatten. „Wenn wir jetzt manchmal ehemalige Schüler treffen, dann spüren wir immer wieder Dankbarkeit“, erzählt Ingo Reiser zufrieden. „Ohne euch hätten wir es nicht geschafft“, heißt es dann oft. „Das freut es uns besonders.“

Die Asylhelfer unterstützten die jungen Männer aus der Kanalstraße nicht nur beim Spracherwerb, sondern auch bei allen bürokratischen Dingen, der Job- und Wohnungssuche. Viele konnten nach einem halben oder Dreivierteljahr die Gemeinschaftsunterkunft verlassen und durften ihre Familien nachkommen lassen. „

Eine Meringer Erfolgsgeschichte

Neun der damaligen Ankömmlinge wohnen noch in Mering, zwölf nach wie vor im Landkreis, sechs davon mit ihren Familien“, erzählt Schwab mit Blick auf seine genau erfasste Dokumentation. „Ich sehe meinen ehrenamtlichen Einsatz für die Flüchtlinge ganz klar als Erfolgsgeschichte“, betont er. „Oft heißt es ja, die Flüchtlinge wollen nicht arbeiten, das kann ich widerlegen. Denn allein 15 von ihnen helfe ich, den Lohnsteuerjahresausgleich zu machen.“

Die vor fünf Jahren angekommenen Syrer arbeiten in Meringer und Kissinger Handwerksbetrieben, einer im Dönerladen, der andere bei einer Umzugsfirma oder bei Vodafone, ein weiterer hat sich als Fensterputzer selbstständig gemacht, und es gibt auch Studierende. Einige haben Kinder im Alter von einem Jahr bis zu jungen Erwachsenen.

Anders als in den Gemeinschaftsunterkünften finden Flüchtlingskinder in der Kita schnell Kontakte zu Deutschen.
Bild: Monika Skolimowska (dpa)

Deutsche Freunde zu gewinnen, sei für die Flüchtlinge allerdings nach wie vor schwierig. Zu groß erscheinen die kulturellen Unterschiede. Am ehesten gelinge es noch den Kindern in Kita oder Schule. Um Integration bemüht sich der von der evangelischen Gemeinschaft betriebene Meringer Christustreff, der in regelmäßigen Abständen ein Café International als Treffpunkt der Kulturen veranstaltet. Vorurteile seien nach wie vor viele da, was die Asylhelfer vor allem merkten, wenn sie ihren Schützlingen helfen, eine Wohnung zu finden.

Ein funktionierendes Haus ohne Probleme

„Die Unterkunft in der Kanalstraße ist aus unserer Sicht ein gut funktionierendes Haus ohne große Probleme“, betont Simone Losinger als Leiterin der Ausländerbehörde. „Dies ist vor allem das Verdienst derer, die sich über die fünf Jahre engagiert haben.“ Schwab beispielsweise führt sein Weg beinahe täglich in die Kanalstraße. Seit zweieinhalb Jahren wohnt dort auch ein taubstummer Palestinenser, dessen Unterstützung eine besonders große Herausforderung darstellt. „Viele der Neuankömmlinge bekommen ziemlich schnell ihre Anerkennung als Flüchtlinge“, berichtet Losinger.

Wer in Deutschland ankommt, wird zunächst in einer Ankereinrichtung untergebracht, bis die ersten Schritte des Asylverfahrens geregelt sind. Abhängig vom Stand des Verfahrens und nach bestimmten Fristen werden die Flüchtlinge dann in Anschlusseinrichtungen gebracht. Das können vom Landratsamt betriebene dezentrale Unterkünfte wie die in der Meringer Kanalstraße sein oder auch Gemeinschaftsunterkünfte.

27 Personen leben in der Meringer Unterkunft

Derzeit sind in der Meringer Kanalstraße 27 Personen untergebracht. Es sind Männer aus dem Iran und Irak, aus Syrien, Eritrea und Pakistan sowie aus der Türkei, aus Mali und Afghanistan.

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