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Hundeexpertin in Mering

12.05.2016

Selbst der Schoßhund stammt vom Wolf ab

Ute Jahn mit ihren beiden Schäferhunden Josie (links) und King. Die Meringerin ist Ausbilderin beim Deutschen Schäferhundeverein, Ortsgruppe Mering.
Bild: Eva Weizenegger

Nach der Beißattacke eines Schäferhundes auf eine Frau in Kissing sind Spaziergänger verunsichert. Hundetrainerin Ute Jahn weiß, was in so einer Situation zu tun ist.

Vor wenigen Tagen attackierte ein Schäferhund eine Spaziergängerin in Kissing. Wir fragten Ute Jahn, Hundeausbilderin bei der Ortsgruppe Mering des Deutschen Schäferhundevereins und selbst Besitzerin eines reinrassigen Schäferhundes sowie einer Mischlingsschäferhündin, wie sich Hundehalter und Spaziergänger in solchen Situationen richtig verhalten können.

Frage: Sind Schäferhunde als besonders aggressive Rasse bekannt?

Ute Jahn: Nein. Kein Hund, egal welche Rasse, ist von Haus aus aggressiv. Schäferhunde sind keine Schoßhunde, sondern Arbeitstiere.

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Frage: Das bedeutet also, dass man als Spaziergänger sich vor Schäferhunden in Acht nehmen muss?

Jahn: Ein klares Nein. Viele Leute haben Respekt oder Angst vor Schäferhunden, weil sie so groß und kräftig sind. Das sind aber andere Rassen auch. Bei Leuten, die Angst vor Hunden haben, ist es egal, welche Rasse es ist. Man sollte als Hundehalter ein Gespür dafür bekommen, wer Angst hat und seinen Hund vorsichtshalber ablegen oder anleinen und schon entspannt sich die Lage. So geht man dem Problem ohne großem Aufwand aus dem Weg.

Frage: Wenn ich mir einen Hund zulegen will, sollte ich auch darauf achten, welches Naturell der Hund hat?

Jahn: Bei der Auswahl des Hundes sollte man auch auf die Bedürfnisse des Hundes eingehen und überlegen, ob man diesen gerecht wird. Einen Hund zu kaufen, nur weil er mich äußerlich anspricht, geht oft in die Hose und der Leidtragende ist dann der Hund. Zudem ist es wichtig, vom ersten Tag an mit der Erziehung des Hundes zu beginnen. Die ersten Wochen sind besonders prägend. Auch wenn der Hund noch ein süßer Welpe ist. In dieser Zeit stelle ich die Weichen für das spätere Verhältnis zwischen Hund und Mensch.

Frage: Helfen Erziehungskurse, dass der Hund aufs Wort hört und nicht auf Spaziergänger losläuft und sie beißt?

Jahn: Ein Hund, der ohne Grund auf einen Menschen zuläuft und diesen beißt, der hat ein großes Problem. Das ist nicht normal. Erziehungskurse helfen natürlich, dass es soweit gar nicht kommt. Es gibt Welpenspielkurse, dort lernt der Hund Sozialkontakte zu anderen Hunden. Mit etwa einem halben Jahr starten bei unserem Verein die Erziehungskurse. Doch damit hat noch niemand den perfekten Hund. Das ist viel Arbeit, braucht jede Menge Konsequenz und zwar jeden Tag.

Frage: Wie sollte sich der Spaziergänger oder Jogger denn verhalten, wenn ein Hund auf ihn zuläuft?

Jahn: Auf keinen Fall wegrennen und laut schreien. Ich weiß, dass das nicht leicht ist, aber das Beste ist, Ruhe zu bewahren, versuchen locker zu bleiben und einfach so zu tun, als wäre da gar kein Hund. Denken Sie an etwas Schönes und laufen Sie in gleicher Geschwindigkeit weiter. Wenn Sie ihn ignorieren, verlieren Sie sein Interesse.

Frage: Und was kann der Hundehalter tun?

Jahn: Eines vorneweg: Wer sich nicht sicher ist, dass sein Hund hört oder in bestimmten Situationen kritisch reagieren kann, sollte sein Tier anleinen. Auch wenn ein Spaziergänger sagt, dass er sich vor Hunden fürchtet, ist es keine große Sache sein Tier anzuleinen. Mich ärgert das, wenn ich höre „Der tut doch nichts“. Wer Angst hat, dem reicht das nicht. Außerdem appelliere ich an die Verantwortung jedes Hundebesitzers. Wenn der Hund etwas „anstellt“, sollte ich dafür gerade stehen und mir gegebenenfalls Hilfe bei einem Hundetrainer holen, denn jeder Hund stammt vom Wolf ab, auch der noch so kleinste Chihuahua.

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