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Hofhegnenberg

28.01.2021

So hat Hofhegnenbergs Schlossherr sein Vermögen gemacht

Hofhegnenbergs Schlossherr Peter Löw hat seine Autobiografie veröffentlicht.
Foto: Eva Weizenegger (Archiv)

Plus Hofhegnenbergs Schlossherr Peter Löw schreibt in seinem Buch über seine Erfolge als Firmensanierer. Und über Abenteuer - nicht nur im Geschäftsleben.

In Hofhegnenberg kennt man Peter Löw als Eigentümer des denkmalgeschützten Schlosses, das er seit dem Kauf vor über zehn Jahren aufwendig herrichtet. Als Nächstes plant er, wie berichtet, auf dem Wirtschaftshof ein eigenes Restaurant. Manch einer hat sich vielleicht gefragt, wie sich ein Mensch das leisten kann. Wie der Starnberger Unternehmer zu seinem Vermögen gekommen ist - laut Schätzung des Manager Magazins 2020 rund eine halbe Milliarde Euro-, schildert der 60-Jährige nun in seiner Autobiografie "Flusenflug. Die Bekenntnisse eines Firmenjägers". Unterhaltsam, amüsant und spannend lesen sich die Erlebnisse des äußerst erfolgreichen Firmensanierers. Und auch wenn der Schwerpunkt des Werkes auf den beruflichen Tätigkeiten Löws liegt, erfährt der aufmerksame Leser doch auch das ein oder andere Detail aus dem Privatleben des Hofhegnenberger Schlossherren.

Löw setzt bei seinem 418 Seiten starken Werk im Jahr 1992 bei einem Besuch am Nockherberg ein. Beim süffigen Starkbier beschließt er gemeinsam mit einem Freund aus Studienzeiten, sich mit einem eigenen Unternehmen selbstständig zu machen. Praktisch ohne eigenes Kapital starten die beiden durch, indem Löw, der bei der renommierten Unternehmensberatung McKinsey arbeitet, bei mehreren Banken - mit seinem Gehalt als Sicherheit - Kredite aufnimmt.

Die beiden Freunde erwerben in Espelkamp (Ostwestfalen) einen kleinen Büromaschinenhändler für sieben Millionen Mark. Nach einigen Verwicklungen - die beiden Jungunternehmer müssen beispielsweise feststellen, dass ihre beiden Geschäftsführer in die eigene Tasche wirtschaften - können sie die Firma nach nur 13 Monaten für acht Millionen Mark wieder verkaufen.

Weitere und immer größere Firmen folgen. In der digitalen Vorstellung des Buches resümiert der Autor, dass er in den vergangenen 30 Jahren Unternehmen aus über 150 Branchen erworben hat. Das Grundprinzip war dabei immer dasselbe. Peter Löw und seine Mitstreiter suchten vielversprechende Firmen, die jedoch in Schieflage geraten waren. Diese brachten sie wieder auf Erfolgskurs, um sie dann mit zum Teil enormen Gewinnen wieder zu verkaufen.

Schloss Hofhegnenberg: Peter Löw scheut die Langeweile

Der Leser stößt dabei auf viele bekannte Namen - von den Teutonia-Kinderwagen über die Pitstop-Autowerkstätten bis hin zu den Adler-Modemärkten. Und auch den Crash mit der DAPD-Nachrichtenagentur spart Löw nicht aus. Die Autobiografie zeigt einen Unternehmer, der glasklar analysiert und strategisch die Firmen ausfindig macht, die für den Sanierer die größten Gewinnchancen versprechen.

Doch daneben ist in allen Schilderungen auch eine große Abenteuerlust bei dem Geschäftsmann herauszulesen, der eine Investition schon mal mit der Begründung "zu langwierig und zu langweilig" verwirft. Eine fast kindliche Freude scheint es ihm zu bereiten, mit dem Kauf einer Firma wieder in ein ganz neues Fachgebiet einzutauchen - und am besten mit gesundem Menschenverstand Lösungen zu finden, auf die all die langjährigen Fachleute noch nicht gekommen sind.

Autor Peter Löw: Das hat es mit dem Titel "Flusenflug" auf sich

Ein solches Erlebnis beim Textilhersteller Langheinrich hat der Autobiografie letztendlich sogar den Titel gegeben. Der Produzent von Tischwäsche hatte ein Verfahren, bei dem zunächst alle Stoffe weiß gewebt, dann in eine Schweizer Färberei gefahren und hernach wieder zurücktransportiert wurden. Sechs Wochen Zeit gingen auf diese Weise verloren.

Auf die Frage Löws, warum man nicht einfach mit gefärbtem Garn webe, antwortete der entsetzte Betriebsleiter "Flusenflug!". Das Problem: Farbige Partikel des einen Webstuhls könnten andersfarbige Textilien nebenan verunreinigen. Löw fuhr in den nächsten Baumarkt, hängte zwischen die Webstühle Plastikfolien von der Rolle und ließ künftig nur noch gefärbte Garne verweben.

Das Abenteuer sucht der Autor, wie er im Buch beschreibt, auch in der Freizeit. Zwischen größeren Geschäftsprojekten nimmt er sich immer wieder Auszeiten, um den Kopf freizukriegen. Beim ersten Sabbatical, wie er es nennt, schippert er beispielsweise mit einem gemieteten Segelboot vor Australien und gerät prompt in einen schweren Sturm. Bei seiner zweiten großen Geschäftspause unternimmt er eine Motorrad-Pilgerreise nach Jerusalem und bei einer späteren Auszeit wandert er 330 Kilometer auf dem Jakobsweg. Als Pilot einer Cessna überlebt er in Florida eine spektakuläre Bruchlandung.

Clara und Peter Löw, im Bild mit ihrer damals einjährigen Tochter. Das Paar erwartet bald das zweite gemeinsame Kind.
Foto: Gönül Frey (Archiv)

Schlossherr von Hofhegnenberg: Die Rolle von Ehefrau Clara Löw

Von echtem Müßiggang hält der Autor nichts, das ist offensichtlich. Genau diese Eigenschaft hat auch zur Entstehung des Buches geführt. Wie Löw im Vorwort berichtet, hatte seine Frau Clara nämlich für einen Strandurlaub eine Villa auf Mallorca angemietet. Dem rastlosen Gatten schlug sie vor, doch mal wieder ein Buch zu schreiben. Entsprechend widmet der Verfasser ihr auch ein besonderes Dankeschön und verrät ein süßes Geheimnis: Auf Schloss Hofhegnenberg gibt es bald wieder Nachwuchs. Das Paar erwartet das zweite gemeinsame Kind. Peter Löw ist dann siebenfacher Vater.

Info: "Flusenflug. Die Bekenntnisse eines Firmenjägers" von Peter Maria Löw ist im Osburg Verlag erschienen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

28.01.2021

Eine schöne blankgeschliffene Story. Es sei Herrn Löw gegönnt!
Frei nach Bert Brecht "Wer baute das siebentorige Theben? - Fragen eines lesenden Arbeiters" frage ich mich, welchen Preis die Beschäftigten bzw. die dann Nicht-mehr-Beschäftigten in den jeweiligen Unternehmen zahlten.

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