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Offene Türen in Mering

04.09.2017

So kommt Merings Wasser trinkbar ins Haus

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4 Bilder
Beim Tag der offenen Türe gewährt Wassermeister Norbert Gerlsblick auch Einblicke in die Wasseraufbereitungsanlage. Denn bevor das Grundwasser aus über 100 Metern Tiefe an die Haushalte gehen kann, passiert damit noch einiges.
Bild: Gönül Frey

Für 3, 2 Millionen Euro hat die Marktgemeinde einen neuen Hochbehälter errichtet. Bald dürfen sich die Verbraucher alles genau ansehen – auch die umstrittene Druckerhöhungsanlage.

Kalt und kristallklar schimmert das Meringer Trinkwasser in den riesigen Edelstahl-Tanks des neuen Hochbehälters. November vergangenen Jahres ging die Anlage auf einer Anhöhe bei Meringerzell nach über zwei Jahren Bauzeit in Betrieb. Am Samstag, 16. September, feiert die Gemeinde nachträglich den Abschluss mit einem Tag der offenen Türe. Dabei erhalten alle Interessierten Einblick in den neuen Hochbehälter, aber auch in die anderen Bereiche des Wasserwerks, die dafür sorgen, dass in ganz Mering trinkbares Wasser aus den Hähnen fließt.

Zwei Brunnen sind 160 Meter in die Tiefe gebohrt und fördern von dort Grundwasser an die Oberfläche. An einem Durchschnittstag sind es rund 1800 Kubikmeter, an einem Hochsommertag kann der Bedarf jedoch auf bis zu 2500 Kubikmeter ansteigen. „Unser verbrauchreichster Tag ist immer der Samstag, weil da die Leute zu Hause sind und in ihren Gärten arbeiten“, ist die Erfahrung von Wassermeister Norbert Gerlsbeck. Gerne bietet er Neugierigen ein Schlückchen an: Es schmeckt lack und intensiv nach Eisen – ein spezielles Aroma, das die Aufbereitungsanlage erst beseitigen muss.

Auf dem Weg aus der Tiefe geht Sauerstoff verloren

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Sie befindet sich in einem Gebäude einige Meter abseits des neuen Hochbehälters und ist seit 1985 in Betrieb, als auch der ältere der beiden Brunnen seine Arbeit aufgenommen hat. Das Wasser hat auf seinem Weg in die Tiefe nämlich Sauerstoff verloren und zugleich Eisen und Mangan gelöst. Große Kompressoren blasen röhrend den Sauerstoff in das geförderte Grundwasser. „Dadurch fällt in einer physikalischen Reaktion Eisen und Mangan aus und wir können es mit speziellem Kies aus dem Wasser filtern“, erklärt Gerlsbeck.

Anschließend fließt das Wasser in die beiden Tanks des neuen Hochbehälters. Futuristisch schimmern sie in der fensterlosen Halle. Sie ersetzen den früheren Betontank, der nach 50 Gebrauchsjahren sanierungsbedürftig und außerdem für den Bedarf der wachsenden Marktgemeinde zu klein geworden war. Der alte Hochbehälter konnten 1000 Kubikmeter aufnehmen, in die beiden neuen Edelstahltanks passen insgesamt 3000 Kubikmeter. Sie sind 7,72 Meter hoch und haben einen Durchmesser von 16 Metern. Die Fotovoltaikanlage auf dem Dach kann an sonnigen Tagen einen Großteil des nötigen Stroms für den Betrieb des Wasserwerks liefern.

Mit der Bauweise der großen Wassertanks in Edelstahl hat die Gemeinde einen neuen Weg beschritten. Es ist der einzige Hochbehälter dieser Art im Landkreis. Das System an sich sei jedoch schon viele Jahre erprobt und biete technisch etliche Vorteile, sagt der Wassermeister. „Es waren schon einige andere Gemeinden hier, um sich das mal anzuschauen“, erzählt er.

Anschauen können sich die Besucher beim Tag der offenen Türe auch die Druckerhöhungsanlage, die im Vorfeld für einige Unruhe gesorgt hat. Sie legt beim ausgehenden Wasser noch mal künstlich ein Bar Druck drauf. Maximal wären 1,5 Bar Zusatzdruck möglich. Damit die Hausleitungen nicht Schaden nehmen, mussten die Meringer ihre Gebäude mit einem Druckminderer ausstatten. Wie Wassermeister Gerlsbeck erläutert, war die Entscheidung wegen der Größe Merings und des starken Wachstums nötig. „Je mehr Zugänge sich an das Leitungsnetz anschließen, desto schwächer wird der Druck“, erklärt er. Und dieser war zuvor in den höher gelegenen Gebieten Merings wie etwa der Meringerzeller Straße oder dem Unterfeld eh grenzwertig.

Das hätte bei einem größeren Löscheinsatz der Feuerwehr zu einer echten Gefahr werden können und hatte auch im Alltag einige äußerst lästige Auswirkungen. Denn wie Gerlsbeck nun weiß, haben moderne Waschmaschinen eine Automatik, die das Gerät abschaltet, wenn das Wasser nicht in einer bestimmten Zeit in die Trommel eingelaufen ist.

So hat in einem der höher gelegenen Meringer Gebiete eine sich ständig wieder abschaltenden Waschmaschine die Besitzer schier in den Wahnsinn getrieben, erzählt Gerlsbeck. Solche Probleme gibt es seit der Umstellung auf den höheren Druck nicht mehr. Für das in die Jahre gekommenen Meringer Leitungsnetz war es jedoch eine Herausforderung „Einige Rohrbrüche hat es am Anfang schon gegeben, aber ich denke, jetzt ist es so, dass es passt“, sagt der Wassermeister.

Betreut wird die gesamte Anlage bei Meringerzell von den insgesamt sechs Mitarbeitern des Wasserwerks. Diese verlegen außerdem noch alle Hausanschlüsse in Mering selbst und reparieren auftretende Wasserrohrbrüche. Der Bau des neuen Hochbehälters war das größte Projekt der vergangenen Jahrzehnte. 3,2 Millionen Euro hat der Bau gekostet. Die Investition wird durch die Gebühren der Verbraucher refinanziert. „Es ist insgesamt gut gelaufen. Wir sind im Kostenrahmen geblieben und einigermaßen auch in der Zeit und vor allem hat es keine Unfälle gegeben“, sagt Norbert Gerlsbeck.

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