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13.10.2009

Soja, die große Alternative

Aichach-Friedberg Zwei gute Erntejahre in Folge haben die rosige Preissituation des Jahres 2007 nicht nur für die Bauern im Wittelsbacher Land ins Negative gedreht. Der Doppelzentner (Dezitonne) Weizen muss derzeit nicht selten unter zehn Euro verkauft werden. "Da bleibt nichts, wir bringen sogar noch Geld mit", sagt Jakob Koppold, Landwirt aus Gachenbach, gleich hinter der Landkreisgrenze bei Kühbach. Er war Organisator des BSV-Maisfeldtages, bei dem neben Maissorten, Landtechnik und Holzfeuerungstechnik auch eine echte Anbau-Alternative vorgestellt wurde: Soja.

Martin golling

Bei einem Hektarertrag von 80 bis 100 Dezitonnen haben die Weizenbauern vom Bruttoertrag von 800 bis 1000 Euro die gesamten Kosten zu decken: Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz, Kraftstoff und eventuell sogar noch die Pacht. Ganz zu schweigen vom Zeitaufwand, den der Landwirt hat.

"Wir wollen irgendwann 80 Dezitonnen (Kornfeuchte 14 bis 16 Prozent) je Hektar ernten", verkündete Thomas Nagel, Vertreter der österreichischen "Burgenland Pflanzenzucht GmbH", auf Koppolds Soja-Acker. Im Moment liegen die durchschnittlichen Erntemengen zwar noch bei 30 Doppelzentnern. Mit den angestrebten 80 wäre die mögliche Erntemenge von Weizen erreicht. Doch bei den Sojabohnen hatte Bauer Jakob Koppold im Gegensatz zu dem Getreide keine Düngerkosten, musste kaum Pflanzenschutz aufwenden und kann mit 40 Euro für die Dezitonne rechnen. Schöne Zukunftsmusik mit sattem Unterschied: gleiche Erntemenge, doch anstelle von 800 Euro für das Weizenkorn 3200 Euro für die Sojabohne vom selben Hektar.

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Bodenverbesserung durch den Anbau der Bohne

Dass bei Soja keine Düngerkosten anfallen, ist logisch. Denn diese Pflanze zählt zu den Leguminosen. Das heißt: Der Schmetterlingsblütler kann über eine Symbiose mit Stickstoff sammelnden Bakterien den Stickstoff aus der Luft nutzen. Weiterer Vorteil: Durch den Anbau der Bohne tritt eben aus diesem Grund eine Bodenverbesserung ein. Übrigens: Bei der Erstanpflanzung müssen die Bakterien als "Rhizobien-Impfung" dem Saatgut mit der Beize mitgegeben werden.

Für den Wechsel zu Soja spricht auch, dass der Rohstoff begehrt ist. Das liegt am Eiweiß, das die Bohne reichlich in sich trägt. Rinder- und Schweinemast, Milchviehhaltung und Eierproduktion sind darauf angewiesen. Doch genau hier klafft eine riesige Selbstversorgungslücke. Denn zu 99,8 Prozent kommt das benötigte Soja-Eiweiß aus Nord- und Südamerika. "Wenn es uns gelänge, auch nur fünf Prozent dieses Eiweißbedarfs (. . .) selbst zu erzeugen, dann wäre uns allen sehr geholfen", erklärte Koppold den Bauern auf seinem Versuchsacker. Derzeit decken die Landwirte ihren Eiweißbedarf lediglich zu 0,2 Prozent mit heimischer Soja.

Doch inzwischen tut sich etwas. 600 Hektar Ackerfläche mit Soja werden im Landkreis heuer abgeerntet. Tendenz steigend, wie der Aichach-Friedberger Soja-Pionier, Josef Asam aus Kissing, bestätigt. Er betreibt eine sogenannte Toastanlage, in der die Bohne erhitzt wird (wir berichteten). Das ist nötig. Denn sie trägt Inhibitoren in sich, "die die Verdauungstätigkeit beeinträchtigen", wie Konrad Hörl vom Amt für Landwirtschaft erläutert. Durch die Erhitzung auf über 180 Grad Celsius werden die Inhibitoren neutralisiert und weitere wichtige Bestandteile aufgeschlossen. Zum Beispiel Lysin, eine essenzielle Aminosäure, unerlässlich in der Schweinemast. Zudem probieren Landwirte Alternativen aus: "Ich werde die Soja von meinem Acker in der Ölmühle in Weitenwinterried behandeln lassen", kündigte Koppold an.

Neben optimalen Vermarktungschancen, Bodenverbesserung und Einsparpotenzialen bei Dünger und Pflanzenschutz sprechen weitere Gründe für die Sojabohne. Sie habe den Wärmebedarf wie ein Körnermais der Reifezahl 240 bis 300 und benötige ständig Wasser, so Konrad Hörl. Also herrschte heuer Idealwetter für den Eiweißlieferanten Soja. Es könne durchaus sein, das die Soja bei den zu erwartenden Klimaveränderungen auf bayerischer Scholle zum Gewinner wird.

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