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Gemeinschaft

18.06.2015

Vielen Dank für eine neue Zukunft

Die Flagge von Kurdistan. Hier in Deutschland kann Nawras Hussein sie herumzeigen.

Friedberger Asylbewerber revanchieren sich bei ihren Helfern mit Musik, Kunst und Kulinarischem

Hier fühlt er sich wohl. Der 25-jährige Nawras Hussein kommt aus Syrien. Hier in Deutschland möchte er sein Studium wieder aufnehmen, an der Universität in Allepo hat er Business Administration studiert. „Der Krieg hat meine Zukunft zerstört, dieses Land gibt sie mir wieder.“ In der Friedberger Asylunterkunft in der früheren Firma Autefa kann er auch seine Flagge aufhängen. Keine Selbstverständlichkeit für den jungen Kurden. „In meinem Land darf ich das nicht. Sie würden mich einsperren.“

Ein Grund mehr, um Danke zu sagen. Johannes Sasse, einer der zehn Helfer, fing damit an: „Im Mittelpunkt stehen heute unsere Jungs. Sie wollen sich mit Kunst, Essen und Musik bei allen bedanken, die ihnen geholfen haben.“ Seine Jungs, damit sind die 36 Flüchtlinge gemeint, die das Autefa-Haus in der Röntgenstraße bewohnen. Gedankt wird den Ärzten, welche die Flüchtlinge, die teilweise mit Kriegsverletzungen ankamen, wieder gesund gemacht haben. Den Politikern und Ehrenamtlichen, die sich für ihr Wohl eingesetzt haben und der Tafel, die dafür gesorgt hat, dass die Jungs wieder ein „gut genährtes Gesicht“ haben.

Nicht zu vergessen sind die freiwilligen Helfer wie Alfred Aigner, einer der mittlerweile fünf Lehrer, die Deutschunterricht geben. „Über das Malen und die Musik haben wir mit der Kommunikation begonnen. Zwei der Jungs machen jetzt sogar Kurse bei der freien Kunstakademie in Augsburg.“ Ein Projekt, das Früchte trägt. „Sie sehen, die Bilder sind relativ bunt“, sagt Alfred Aigner und zeigt auf die Wände. Bunte Farben, die eigentlich für Freude stehen. Was für ein Kontrast zu den Geschichten, welche die Flüchtlinge über ihre Reise und den Krieg erzählen.

Vielen Dank für eine neue Zukunft

„Der Abend ist auch dafür gedacht, die Jungs besser kennenzulernen“, sagt der Papa der Jungs, wie Jürgen Pfennig im Team der zehn Helfer bezeichnet wird. Da fängt man am besten mit der Herkunft an. Warum viele der Bewohner aus dem Senegal geflüchtet sind, erklärt Jochen Wagner aus dem Helferteam, der zu Studienzeiten selbst das Land bereist hat. Für die Gäste sind es Bilder aus einem fremden Land, für viele Bewohner Fotos aus der fernen Heimat. Ein Land, in dem Krieg herrscht und Hunger, das trotz alledem als sicheres Herkunftsland eingestuft ist. Anders als Syrien, aus dem der andere Teil der Bewohner stammt.

Der Gemeinschaftsraum soll ein Ort sein, an dem man sich wohlfühlt. Damit es auch die Gäste tun, dafür sorgen an diesem Abend die Bewohner und Helfer. Chefkoch Bamba Diaw und sein Kochteam versorgen die Besucher mit Speisen aus ihrem Herkunftsland – „sehr scharf, aber sensationell gut“ – , wie Bürgermeister Roland Eichmann betont, der noch zu später Stunde im Autefa-Haus vorbeischaut. In „eines der schönsten Häuser in Friedberg“, wie es der stellvertretende Landrat Manfred Losinger nennt. Eine Unterkunft, wie man sie sich auch für die Neuankömmlinge wünscht. „Im Moment haben wir 875 Asylbewerber im Landkreis“, so Bürgermeister Roland Eichmann. Er weiß, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Umso schöner findet er es, dass es mit dem Zusammenleben klappt. „Unsere Flüchtlinge werden immer als sehr freundlich und höflich geschildert. Die Hilfsbereitschaft in den Nachbarschaften ist teilweise enorm.“ So wünscht es sich Roland Eichmann auch für die Zukunft. Damit es noch viel öfter heißt: „Jeredief“ – Vielen Dank und „Ba bennen“ – Ciao bis bald, wie man es im Senegal sagt.

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