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Friedberg

26.10.2016

Wie Asylbewerber Arbeit finden

Zakarya Hossaini ist als Flüchtling nach Deutschland gekommen und hat eine Ausbildungsstelle als Polsterer beim Möbelhaus Segmüller in Friedberg gefunden.
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Zakarya Hossaini ist als Flüchtling nach Deutschland gekommen und hat eine Ausbildungsstelle als Polsterer beim Möbelhaus Segmüller in Friedberg gefunden.
Bild: Sebastian Mayr

Die Arbeitsagentur hilft bei der Vermittlung und hat insbesondere Ausbildungsstellen ins Auge gefasst. Die Sorgen der Unternehmen haben nichts mit der Herkunft der Flüchtlinge zu tun.

Wer eine Ausbildung beginnt, kommt meistens direkt von der Schule. Ibrahima Jalloh dagegen ist 36 Jahre alt und lässt sich seit Anfang September in der Friedberger Haustechnik-Fachhgroßhandel Franz Silberhorn zum Fachlageristen ausbilden. Nicht nur Jallohs Alter ist für einen Azubi ungewöhnlich. Jalloh ist als Flüchtling aus Sierra Leone nach Deutschland gekommen.

Wer nach Deutschland geflohen ist, darf dort in der Regel auch arbeiten. Für die Zeit der Ausbildung und zwei weitere Jahre dürfen viele Flüchtlinge bleiben. Die Suche nach einer Stelle fällt ihnen aber oft schwer. Hilfe für Firmen und Flüchtlinge kommt von der Arbeitsagentur. Die Berufsberaterin Claudia Eser-Schuberth versucht in Gesprächen zu ermitteln, welche Berufe für einen Asylbewerber in Frage kommen. „Viele bringen Qualifikationen mit. Die Frage ist, was ist verwertbar und wo muss man was draufsatteln“, erklärt sie. Der Wissensstand ist nach Eser-Schuberths Erfahrung sehr unterschiedlich: „Manche bringen Abitur mit, andere waren nur drei Jahre lang in der Schule.“

Firmen fürchten sich vor zusätzlicher Bürokratie

Wie Asylbewerber Arbeit finden

Der Arbeitsvermittler Thomas Schubert hält vor allem den Kontakt zu den Unternehmen. Er kennt die Sorgen der Firmen, wenn es darum geht, Flüchtlinge einzustellen. „Die Hauptangst ist die vor zusätzlicher Bürokratie“, sagt Schubert. Deswegen bräuchten manche Flüchtlinge bei Bewerbungen die Fürsprache der Agentur.

Ibrahima Jallohs Arbeitgeber findet lobende Worte für die Hilfe des Arbeitsamts und der IHK, die sich ebenfalls stark engagiere. „Die Unterstützung ist klasse“, betont die Ausbildungsleiterin Susanne Ungerbühler. Jalloh hat über einen Volkshochschulkurs ein Praktikum gesucht und so zu Silberhorn gefunden.

Zwei Mal probierte er sich dort für insgesamt neun Wochen im Lager aus, dann fragte er nach, ob er einen Ausbildungsplatz bekommen könnte. Auch andere Flüchtlinge hatten sich beworben. Jalloh hatte die besten Deutschkenntnisse und überzeugte im Praktikum. „Er ist eine große Hilfe“, lobt Susanne Ungerbühler. Sie glaubt, dass Jallohs Chancen für eine Übernahme am Ende der Ausbildung gut stehen, wenn er weiter so engagiert arbeitet.

Die Ausbildung ist der richtige Weg

Andere Flüchtlinge in diesem Alter suchen direkt nach einer Arbeitsstelle, oft sind das Helfertätigkeiten. Diese Asylbewerber möchten sich in dem Beruf weiter qualifizieren, in dem sie schon in ihrer Heimat gearbeitet haben. Jalloh sagt aber: „Ich will die Ausbildung machen, weil es besser ist für die Zukunft. Sonst kann ich zwar eine Arbeit finden, aber keine richtige.“

Aus Sicht von Claudia Eser-Schuberth ist das der richtige Weg, weil er langfristigen Erfolg verspreche. Es gebe etwa 350 Ausbildungsberufe, da sei für jeden etwas dabei. So hat sie auch Zakarya Hossaini eine Stelle vorgeschlagen. Der Afghane hat im Iran als Schneider gearbeitet, bevor er nach Deutschland kam. Nun hat er ein Einstiegsqualifikationsjahr zum Polsterer in der Friedberger Möbelfabrik Segmüller begonnen.

„Fachlich wird er sehr gut beurteilt“, berichtet der Ausbildungsleiter Jürgen Jäger. Weil Hossaini Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hat, hat sich das Unternehmen dagegen entschieden, direkt mit der Ausbildung zu beginnen. Denn auch die Noten in der Berufsschule müssen stimmen. Nach einem Jahr entscheidet die Firma, ob Hossaini ins zweite Ausbildungsjahr wechselt oder das erste Jahr wiederholt.

Für die Flüchtlinge gibt es Fördermöglichkeiten

Der Afghane fühlt sich in der Firma wohl, er schätzt seine Kollegen und die Arbeit. „Ich will etwas lernen“, sagt Hossaini. Den Weg des Einstiegsqualifikationsjahrs ist Segmüller schon im vergangenen Jahr gegangen. Bei einem anderen Flüchtling stimmten Noten und Sprachkenntnisse schnell, der Wechsel klappte. Für Flüchtlinge ist die Berufsschule für Polsterer besonders schwierig, weil es Blockunterricht gibt. Nach 14 Tagen Schule wird eine Prüfung geschrieben, für Lernen und Nachhilfe ist wenig Zeit.

Die Nachhilfe wird staatlich gefördert. Seit August können Flüchtlinge die sogenannten Assistierte Ausbildung und Ausbildungsbegleitende Hilfen bekommen. Für andere Berufseinsteiger gibt es diese schon länger. Auch Deutsch wird unterrichtet. Claudia Eser-Schuberth findet das nicht nur für Flüchtlinge richtig. Sie sagt: „Wenn ich aus Spanien mit meinen Eltern einwandere, kann ich auch kein Deutsch.“

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