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Prozess

13.07.2018

Wildfremder greift willkürlich Passanten an

Bild: Yvonne Salvamoser

Mann bezeichnet Vorwürfe als „wirres Zeug“. Doch ganz so war es offenbar nicht.

 Passieren könnte das jedem. Da läuft man durch die Stadt – und wird plötzlich angerempelt, geschlagen beleidigt. Aus heiterem Himmel am helllichten Tag. Von einem Wildfremden. Zwei Passanten in Aichach ist das widerfahren. Zumindest wenn man glaubt, was beide einem 51-Jährigen aus dem Landkreis vorwerfen. Richter Walter Hell hat dies getan und den Mann am Amtsgericht Aichach für schuldig erklärt. Schuldig der Körperverletzung, versuchten Körperverletzung und der Beleidigung.

Der Angeklagte wollte allerdings nichts von alledem wissen. Er beteuerte nicht nur mehrfach seine Unschuld, sondern griff auch das Gericht an: „Ich bin nicht einverstanden mit der ganzen Gerichtsverhandlung.“ Er kritisierte, dass er keinen Pflichtverteidiger angeboten bekommen habe, denn einen Rechtsanwalt könne er sich nicht leisten. Und er fiel Richter Hell wie auch dem Staatsanwalt, der Nebenklagevertreterin und den Betroffenen, die als Zeugen aussagten, permanent ins Wort.

Der 51-Jährige, der sich während der gesamten Verhandlung nicht hinsetzen wollte, war erregt. Erregt waren auch die Betroffenen, die schilderten, was sie erlebt hatten. Als Erstes eine 49-jährige Frau, die auf dem Gehweg unterwegs war. Als ihr ein Mann – der Angeklagte, beteuerte sie – entgegenkam, wich sie ihm aus. „Er hat so aggressiv ausgesehen.“ Dennoch sei er „mit einem Satz“ da gewesen, habe sie gegen den Oberschenkel getreten und mit den Worten „Geh weg, du blöde Kuh“ beleidigt. Die 49-Jährige erlitt nicht nur einen Schock, sondern auch einen Bluterguss. Zunächst sei sie perplex gewesen, habe aber gleich darauf eine alte Frau auf Krücken gesehen, die ihr gesagt habe, sie sei ebenfalls gerade auf der Straße gestoßen worden.

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Da lief die 49-Jährige dem Mann hinterher und machte ein Handyfoto von ihm. Dieses zog Hell aus der Aktenmappe: „Sind Sie das?“, fragte er den 51-Jährigen. „Ja.“ Weshalb er aber einfach fotografiert werde auf der Straße, die er täglich auf und ab laufe, „ohne jemanden zu schlagen“, das wisse er nicht, sagte er.

Auf die Fahrbahn gestoßen

Ein zweiter Zeuge schilderte allerdings eine ähnliche Begegnung, die etwa eine Woche vorher stattgefunden habe. Er meldete sich erst später bei der Polizei, als er vom Vorfall mit der 49-Jährigen in der Zeitung gelesen hatte. Dieser zweite Betroffene, der keine Anzeige gestellt hat, wollte eine Straße überqueren und wartete deshalb am Straßenrand. Da sei er plötzlich von hinten auf die Fahrbahn gestoßen worden. „Wenn in dem Moment ein Auto gekommen wäre, dann wäre ich jetzt vielleicht tot.“ Ein Fremder – der Angeklagte, bestätigte er – habe ihn dann auch noch angeschrien, warum er sich ihm in den Weg stellen würde, habe ihm Schläge angedroht und ihn beschimpft.

Als „wirres Zeug“ bezeichnete der 51-Jährige die Vorwürfe. Dass zwei ihm völlig Unbekannte hier falsch gegen den Angeklagten aussagen sollten, das glaubte Richter Walter Hell aber nicht. Er verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu je 15 Euro. Außerdem muss er 1000 Euro Schmerzensgeld an die 49-Jährige zahlen.

Obendrauf gab’s noch eine deutliche Warnung vom Richter, der während der ganzen Verhandlung ruhig geblieben war: „Wenn Sie noch mal zuschlagen, dann sperr ich Sie ein.“ Doch bereits vor der Verkündung war für den 51-Jährigen klar: „Ich nehme das Urteil sowieso nicht an. Und ich bestehe auf einen Pflichtverteidiger.“

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