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Friedberg-Rohrbach

08.01.2020

Zwei Rohrbacher auf Flitterwochen im brennenden Australien

Auf ihrem Weg durch Australien sahen Gerhard Straßer und Anna Baumüller die verheerenden Schäden, die die Brände angerichtet haben. 
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Auf ihrem Weg durch Australien sahen Gerhard Straßer und Anna Baumüller die verheerenden Schäden, die die Brände angerichtet haben. 
Bild: Gerhard Straßer

Plus Anna Baumüller und Gerhard Straßer aus Rohrbach sind für ihre Flitterwochen nach Australien gereist. Das Paar schildert von dort seine Erlebnisse.

Auf ihre Hochzeitsreise nach Australien hatten sich Anna Baumüller und Gerhard Straßer aus Rohrbach seit Monaten gefreut. Vor Weihnachten brachen sie auf und erleben nun, wie große Teile ihres Traumziels in Flammen stehen.

„Rekordtemperaturen von 45 Grad und starke Winde wie ein Heißluftföhn lassen einen schnell verstehen, dass einmal angefachte Feuer unter diesen Umständen kaum zu kontrollieren sind“, so Straßer, der selbst bei der Feuerwehr aktiv ist.

Auf flexibler Route durch Australien

Unsere Redaktion hatte Urlauber aufgerufen, sich zu melden und ihre Erlebnisse zu schildern. Das Hochzeitspaar aus dem Friedberger Stadtteil nahm per Mail mit uns Kontakt auf und berichtet: „Die ersten Brände gab es schon bei unserer Abreise Mitte Dezember, deshalb haben wir unsere Reiseroute flexibel gehalten – allein schon aus Respekt vor den Einsatzkräften, den Einwohnern und aus Vorsicht wollten wir Abstand halten“, erzählt Gerhard Straßer.

Zwei Rohrbacher auf Flitterwochen im brennenden Australien

Nach einigen Tagen in Sydney, dort waren die Brände schon durch den trüben Himmel zu erahnen, reisten die beiden Urlauber mit einem Camper südlich der Feuer an der Küste entlang nach Melbourne. Das Naturschutzgebiet „Blue Mountains“ war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zugänglich. Dort brannten bereits 400 Hektar. „Anfangs dachten wir noch, wir hätten uns verlesen, doch im Radio wurden wir darüber aufgeklärt.“

Auf dem Weg nach Melbourne fuhr das Paar kilometerlang an in den vergangenen Jahren abgebrannten Wäldern vorbei und bekam langsam ein Gefühl für die Dimensionen der Brände. Kurz vor Weihnachten verschärfte sich die Lage deutlich. Die Brände in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales nahmen bedrohliche Ausmaße an.

Rohrbacher fahren 1000 Kilometer an einem Tag

„Um von Melbourne wieder nach Sydney zu gelangen, von wo wir weiter nach Norden wollten, haben wir uns entschieden, den Inlands-Highway zu nehmen und die 1000-Kilometer-Tour in einem Tag zu fahren“, schildert er. An diesem Tag fuhren sie rund um Canberra stundenlang im Rauch und kamen südwestlich von Sydney an dem riesigen Gospers-Mountain-Feuer vorbei. Dort brennen mehr als 500.000 Hektar. „Ich komme aus einer Landwirtschaft, diese Dimensionen sind für mich schlichtweg unvorstellbar“, sagt Straßer.

Von Sydney aus ging es immer weiter von den Flammen weg Richtung Brisbane, wo der 39-Jährige und seine 27-jährige Ehefrau mittlerweile angekommen sind. „Hier ist von den Feuern wenig zu spüren, aber die mediale Aufmerksamkeit hat stark zugenommen und Spendenaufrufe häufen sich.“

Ganze Dörfer sind evakuiert

Die Region südlich von Sydney war zwischenzeitlich Sperrgebiet und ganze Dörfer an der Küste sind evakuiert.

„Wir haben auf dem Weg nach Melbourne in dem Küstendorf Eden übernachtet – ein Dorf, das laut Medienberichten nun zum Teil abgebrannt ist. Da läuft es dir dann schon kalt den Rücken runter“, erzählen die beiden.

Sie hatten sich dort mit einer älteren Frau, die mit ihrem Hund unterwegs war, längere Zeit unterhalten. „Wahrscheinlich gibt es ihr Zuhause nicht mehr. Das macht einen sehr betroffen und wir haben mittlerweile auch was gespendet, weil es unser Urlaubsland gerade so hart trifft.“

Trotz allem ein wunderschönes Land

Die beiden hoffen für die Menschen, die Tiere und die Natur sehr, dass das Wetter für Entlastung sorgt und die unermüdlichen Feuerwehrleute so die Brände in den Griff bekommen. Noch ein paar Tage sind die beiden unterwegs. Und trotz allem bleibt für sie Australien als „wunderschönes Land“ in ihrem Herzen.

Doch wie sieht es bei anderen Australien-Urlaubern aus dem Landkreis aus? „Wir haben einige Leute da unten. Gegebenenfalls werden sie ihre Reise abbrechen“, sagt Verena David vom Tui-Reisecenter in Kissing. Für mögliche Ansprüche von Kunden sei in der Regel die Einschätzung des Auswärtigen Amtes maßgeblich. „Gibt es eine Reisewarnung, prescht meist ein Veranstalter mit dem Angebot zur kostenfreien Stornierung vor und der Rest zieht nach“, teilt David mit.

Was Individualreisende beachten müssen

Sie gibt aber auch zu bedenken, dass Australien riesig sei. Nicht alle Regionen seien betroffen, insofern komme es auf den Einzelfall an. „Rundreisen in kritische Gebiete werden mit Sicherheit geändert oder ganz gestrichen“, so David. Bei gebuchten Reisen für die kommende Zeit hänge das Vorgehen auch von der Kulanz des Reiseveranstalters ab. Die vielen Individualreisenden jedoch hätten in der Regel keine Versicherung und keinen Veranstalter, an den sie sich wenden können.

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