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Finanzen

06.08.2020

Dubiose Internetportale: Vorsicht vor trügerischen Renditen

In Zeiten von Minizinsen suchen Sparer oft verzweifelt nach alternativen Anlageformen.
Bild: Eisenhans, Adobe Stock (Symbol)

Dubiose Internetportale betrügen leichtgläubige Sparer oder täuschen eine Festzins-Sicherheit vor, die es nicht gibt. Woran man seriöse Angebote erkennen kann.

Viele Sparer sind genervt von Mini- und Negativzinsen der Banken. Das macht sie anfällig für Anbieter, die Topkonditionen versprechen. Aber Vorsicht: Einige der angeblich sicheren Produkte sind hochriskant, andere sogar Betrug. "Das kann im schlechtesten Fall zum Totalverlust des Geldes führen", sagt Josephine Holzhäuser, Finanzreferentin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Wie läuft das bei Betrug?

Die Stiftung Warentest warnt etwa vor dem Internetportal Sparpiloten, das mit lukrativen Zinsen von 2,68 Prozent für ein einjähriges Festgeld bei einer schwedischen Bank warb, plus Willkommensbonus von 150 Euro. Angelockte Sparer überwiesen laut Stiftung Geld auf ein Konto bei der schwedischen Bank. Aber das Konto, von dem sie glaubten, das Sparpiloten-Portal habe es für sie eröffnet, gehörte ihnen nicht. Das Geld ging an Unbekannte.

Dubiose Internetportale: Vorsicht vor trügerischen Renditen

Wie kann ich mich schützen?

Für eine Kontoeröffnung muss sich der Anleger bei der Bank legitimieren, etwa per Post-Ident- oder Video-Ident-Verfahren. "Das geschah im Sparpiloten-Fall nicht, die Sparer hatten nur eine Kontonummer genannt bekommen", erläutert Verbraucherschützerin Holzhäuser. Den eigenen Namen als Empfänger auf den Überweisungsträger zu schreiben, bringe keine Sicherheit: "Anders als viele denken, prüft die Bank nicht, ob Kontonummer und Empfänger zusammenpassen."

Wie ist das bei Irreführung?

Im Unterschied zu den Betrugsfällen erwerben die Sparer tatsächlich ein Geldanlageprodukt. Die Verzinsung ist aber, anders als von den Verkäufern dargestellt, nicht sicher. "In Wahrheit handelt es sich um Unternehmensbeteiligungen, Anleihen oder Nachrangdarlehen", sagt Expertin Holzhäuser. Geht die Sache gut, erziele der Anleger eine hohe Rendite. "Gerät aber das Unternehmen, an das der Anlagebetrag fließt, in eine wirtschaftliche Schieflage, können die Sparer ihr Geld komplett verlieren", warnt Holzhäuser.

Um welche Versprechen geht es?

Die Stiftung Warentest hat Internetportale untersucht, die unrealistisch hohe "Festzinsen" von mehr als 3, 5 oder sogar 12 Prozent zusagen. Den Interessenten werde vorgetäuscht, dass eine Anlage bei einem Unternehmen genauso sicher sei wie bei einer Bank. "Doch anders als Banken unterliegen Unternehmen keiner Einlagensicherung", betonen die Tester. Eine Aufstellung dubioser Geldanlagen ist unter www.test.de/warnliste abrufbar.

Was ist zu tun?

Ob ein Sparer das Risiko tragen will, kann er nur selbst entscheiden. "Das sollte genau durchdacht werden. In unsere Beratungen kommen aber Leute, die manchmal gar nicht verstanden haben, was sie unterschrieben haben", sagt Expertin Holzhäuser. Ihr Tipp: Nur in Produkte investieren, die man genau durchschaut. Und nicht unter Zeitdruck setzen lassen, wenn ein Verkäufer behauptet, das angebliche Topangebot gelte nur für kurze Zeit. Auf Geschäfte, die ein unerbetener Anrufer anbietet, sollte auf keinen Fall eingegangen werden, rät die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Was bleibt mir da übrig?

"Ob die Sparer wollen oder nicht: Sie müssen sich damit abfinden, dass es für eine sichere Geldanlage keine ordentliche Verzinsung mehr gibt", sagt Finanzexpertin Holzhäuser. Zur Orientierung: Laut dem Finanzdienst Biallo liegt der Zins für ein einjähriges Festgeld aktuell bei durchschnittlich 0,25 Prozent und maximal bei 0,81 Prozent. Als Topanbieter für ein dreijähriges Festgeld führt die Frankfurter FMH-Finanzberatung eine italienische Bank mit immerhin 1,33 Prozent Rendite an. Aber: Von einer Anlage in Italien rät die Stiftung Warentest ab. Die Tester zweifeln daran, dass der italienische Einlagensicherungsfonds im Fall einer Bankenpleite die Sparer so zeitnah entschädigen könnte, wie es die EU vorschreibt.

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