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Verbraucherschutz

22.01.2019

Staubsauger stehen jetzt ohne Energielabel im Geschäft

Staubsauger brauchen vorerst keine EU-Energielabel mehr im Handel.
Bild: Tobias Hase, dpa

Der Hersteller Dyson hat die EU verklagt und gewonnen. Die Tests zum Energieverbrauch sind irreführend. Die EU will nun das Label-System überdenken.

Verbraucher haben sich längst an die bunten Aufkleber gewöhnt: Beim Kauf eines neuen Elektrogerätes wie Geschirrspüler oder Kühlschrank zeigen die Etiketten den Stromverbrauch an – von grün (A) bis tiefrot (G). Doch nun stehen viele Staubsauger wieder ohne Aufkleber bei den Händlern.

Die Brüsseler EU-Kommission hat die Berufungsfrist gegen ein höchstrichterliches Urteil verstreichen lassen – und damit dem britischen Hersteller Dyson einen Sieg beschert.

Kritik: Mit leeren Beuteln verbrauchen Staubsauger weniger Energie

Der hatte 2015 gegen die entsprechende EU-Vorgabe geklagt, weil die benutzten Prüfverfahren falsche Ergebnisse bringen würden. Dyson hatte vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) argumentiert, dass die vorgeschriebenen Testverfahren zur Ermittlung des Stromverbrauchs mit leeren Beuteln durchgeführt werden. Und selbst die Richter in Luxemburg konnten nachvollziehen, dass dies selten der Fall ist.

Solche Tests entsprächen nicht den Voraussetzungen, „die den tatsächlichen Bedingungen des Gebrauchs so nah wie möglich kommen“, urteilten die Richter. Hintergrund: Der Energieverbrauch liegt bei halb vollen oder vollen Beuteln deutlich höher.

Da die Kennzeichnung für den Verbraucher aber verlässlich sein müsse, liege tatsächlich eine Irreführung der Kunden vor, urteilten die Juristen. Die Europäische Kommission hätte gegen das Urteil Einspruch einlegen können, unterließ das aber. Stattdessen überarbeiten Technik-Fachleute die Richtlinie.

Auch die Tests bei andere Energielabeln sind fragwürdig

Der Fall würde wohl keine Wellen schlagen, wenn die Zweifel an den Verfahren zur Ermittlung der Verbrauchswerte nicht schon mehrfach Gegenstand heftiger Diskussionen gewesen wären. So ermittelte die Stiftung Warentest, dass Hersteller von Kühlschränken lange den Strombedarf am Beispiel eines Junggesellen-Haushaltes testeten: wenig drin und nur selten benutzt. Dass dabei vergleichsweise niedrige Energiewerte herauskamen, konnte kaum überraschen.

Auch bei Waschmaschinen gab es offenbar lange Jahre diverse Tricks, um den Verbrauch zu schönen. In einigen Laboren wurde der Stromverbrauch bei einem 60-Grad-Öko-Programm gemessen, das die Hersteller entsprechend optimiert hatten. Dass die Wäsche bei einer solchen Einstellung aber bis zu vier oder fünf Stunden rotiert und unterm Strich entsprechend mehr Energie verbraucht wird, merkten viele Kunden erst nach dem Kauf.

Hinter den Kulissen der Kommission wird deshalb darüber nachgedacht, die komplette Richtlinien von 2012 auf den Prüfstand zu stellen, um sicher zu sein, dass die vorgeschriebenen Testverfahren auch wirklich den Herausforderungen im Alltag entsprechen. Der jetzige Vorfall könnte allerdings, sollten auch andere Hersteller von der Dyson-Klage angesteckt werden, eines der Kernvorhaben der EU im Bereich der Energieeffizienz in Frage stellen – und aus den Labels lediglich nichtssagende Aufkleber machen.

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