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Verbraucherreport
17.10.2018

Worüber sich Verbraucher am meisten ärgern

Verspätungen und Flugausfälle: In diesem Sommer wurden viele Fluggäste mit Chaos am Flughafen konfrontiert.
Foto: Henning Kaiser, dpa

Ein Jahr nach der Wahl hinkt die Regierung aus Sicht vieler Konsumenten ihren Versprechungen hinterher. Was Verbraucherschützer fordern.

Verbraucher benötigen oft starke Nerven. Etwa im Diesel-Skandal, wo es immer noch keine Klarheit gibt, oder beim Flugchaos im Sommer mit Verspätungen und Ausfällen. Beispiele gibt es viele, betroffen sind alle – und das jeden Tag. Viele Verbraucher erhoffen sich mehr von der Politik, wie aus dem aktuellen Verbraucherreport hervorgeht, den die Verbraucherzentrale jetzt in Berlin vorgestellt hat.

Dass die Politik Verbraucherrechte ausreichend schützt, glaubt allerdings nur jeder vierte Befragte. „Es ist erschreckend, dass das Vertrauen der Befragten in die Politik sehr gering ist“, sagte Klaus Müller, Vorsitzender des Bundesverbands. Müller forderte von der Großen Koalition, die angekündigten Fortschritte auch umzusetzen: „Die Bundesregierung muss endlich die Interessen der Verbraucher in den Mittelpunkt rücken und darf nicht nur mit unzureichenden Resultaten vor sich hingipfeln.“

Verbraucherschützer Müller fordert ein Eingreifen der Kanzlerin

Für die repräsentative Studie des Instituts Emnid werden in Deutschland jährlich 1000 Menschen befragt. 93 Prozent der Befragten sagen, dass Verbraucherschutz einen entscheidenden Teil zur persönlichen Sicherheit beiträgt. In den Bereichen Telekommunikation sowie Verkehr und Reise sank der Anteil der Konsumenten, die ihre Interessen ausreichend geschützt sehen, im Vergleich zum Vorjahr zum Teil um mehr als fünf Prozentpunkte. „Die Menschen erwarten Lösungen für ihre Probleme“, sagte Verbraucherschützer Müller. Etwa für steigende Kosten für Gesundheit und Pflege. Nachbesserungsbedarf gebe es zudem beim Ausbau des schnellen Internets gerade auf dem Land.

Im Kampf gegen Fahrverbote für Diesel-Autos und zu schmutzige Luft in Städten forderte Müller ein klareres Eingreifen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Es ist mir ein Rätsel, dass sie dieses zentrale Thema, das sehr viele Menschen bewegt, der Umweltministerin und dem Verkehrsminister überlassen hat.“ Ein Druckmittel für die Autoindustrie seien etwa Bußgelder von bis zu 5000 Euro für Diesel mit manipulierter Abgastechnik. Dass die bestehenden Möglichkeiten nicht ausschöpfend genutzt werden, nannte Müller „nicht erträglich“.

Die Spitzen von Union und SPD hatten sich Anfang Oktober auf ein Paket geeinigt, das Diesel-Fahrverbote in Städten mit hoher Schadstoffbelastung verhindern soll. Es sieht neue Kaufanreize vor, um schmutzige ältere Diesel durch sauberere Wagen zu ersetzen. Für Motor-Nachrüstungen fehlen weiterhin noch grundlegende Zusagen der Autobauer, unter anderem zur Übernahme aller Kosten.

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Lob für Qualitätslabel Tierwohl

Einen hohen Stellenwert für die Befragten, egal welchen Alters und Bildungsgrades, nimmt die Nachfrage nach einer ausreichenden Altersversorgung ein. 90 Prozent der Studienteilnehmer interessieren sich dafür. Es lohne der Blick nach Schweden, erklärte Müller. Dort ist die sogenannte Prämienrente gängig, also eine kapitalbasierte Altersvorsorge für alle, verwaltet von einer staatlichen Einrichtung. „Provisionen, Vertrieb und Marketing, also alles, was den Verbraucher nicht unmittelbar betrifft, fällt somit weg“, erklärte er. Das Ergebnis sei ein „extrem renditestarkes Produkt“. Ein Solches sei bereits im Koalitionsvertrag festgehalten worden, noch aber „gab es bisher keine Schritte in die richtige Richtung“.

Lobende Worte fand Müller indes für die Arbeit am Qualitätslabel Tierwohl sowie am Konzept für weniger Zucker, Fett und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln unter Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Er begrüße, dass beschleunigt daran gearbeitet werde, sagte aber auch: „Noch haben wir keine Ergebnisse.“

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