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Verkehr

28.06.2019

Was tun, wenn im Sommer der Automotor überhitzt?

Extreme Hitze macht bei hoher Belastung auch modernen Autos zu Schaffen. Was Autofahrer beachten müssen, erklärt ein Experte.
Bild: Armin Weigel, dpa

Die Hitzewelle bringt nicht nur Mensch und Tier ins Schwitzen. Auch Autos leiden unter den Temperaturen. Denn zu viel Hitze im Auto schadet vor allem dem Motor.

Wie erkenne ich, ob der Motor meines Autos überhitzt ist?

Auch wenn dem Fahrer keine Nachrichten aus dem digitalen Fahrerinformationssystem im Cockpit entgegenblinken: Autos haben in der Regel eine Anzeige für die Kühlwassertemperatur. Wandert diese in den roten Bereich, ist der Motor eindeutig zu warm. Außerdem haben fast alle Autos auch Warnlampen, die zu leuchten beginnen, wenn der Motor überhitzt ist.

Welche Folgen drohen meinem Auto bei Überhitzung?

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Bei Überhitzung können zunächst Bauteile wie der Kühler, Kühlschläuche oder auch die Zylinderkopfdichtung Schaden nehmen. Bei einer starken Überhitzung kann der Motorrumpf so stark beschädigt werden, dass es zu einem kapitalen Motorschaden kommt.

Was ist zu tun? Kann ich noch zur Tankstelle oder Werkstatt fahren?

Blinken die Warnleuchten im Cockpit auf oder wird auf der Kontrollanzeige der Motortemperatur der rote Bereich erreicht, sollte das Fahrzeug auf keinen Fall weiter bewegt werden. Dann lieber stehen bleiben, auf die Kontrollleuchten achten und die Betriebsanleitung des Fahrzeugs lesen. Bei Unsicherheit sollten Autofahrer in der nächsten Werkstatt anrufen.

In welchen Situationen kommt es dazu, dass der Motor zu heiß wird?

Moderne Kühlsysteme sind deutlich robuster ausgelegt als früher, erklärt ADAC-Experte Andreas Hölzl. Selbst bei hoher Belastung und hohen Temperaturen kämen die Systeme selten an ihre Grenzen. Wenn man ein Auto bei hohen Temperaturen sehr hohen Belastungen aussetzt, können die Kühlsysteme auch bei modernen Autos die übliche Betriebstemperatur nicht mehr halten.

Diese Gefahr besteht vor allem, wenn das Auto über mehrere Stunden bei hohen Temperaturen in der prallen Sonne geparkt ist. Gerade auf komplett asphaltierten Parkplätzen ohne Überdachung oder Schatten durch Bäume besteht die Gefahr, dass sich Autos auf bis zu 70 Grad aufheizen. Elektronik und Batterie werden vor allem im Stand bei geschlossenen Fenstern stark beansprucht.

Eine pauschale Temperaturgrenze, ab wann es für Autos bei Hitze problematisch wird, gibt es nicht, sagt Hölzl. "Selbst wer bei 45 Grad Celsius das Auto in üblicher und vernünftiger Fahrweise bewegt, wird kaum Probleme mit der Hitze haben." Das erkenne man an Tausenden Autos, die jeden Tag in Städten wie Dubai oder Las Vegas fahren.

Allerdings seien auch moderne Systeme nicht grenzenlos belastbar, so Hölzl: "Fährt man bei 35 Grad mit einem schweren Wohnanhänger und voll besetztem Auto mit Dachbox mit 120 Stundenkilometern den Aichelberg auf der A8 hinauf, schaltet die Klimaanlage an und absolviert noch kurze Spurts für Überholmanöver, darf man sich nicht wundern, wenn auch ein modernes Auto zu heiß wird." Daher sollte man im Zweifelsfall lieber konstant mit 80 Stundenkilometern fahren und das Auto nicht an seine Grenzen bringen.

Auch bei geparkten Autos droht an heißen Tagen Überhitzung des Motors. Besonders wenn die Fenster geschlossen sind, leiden Material und Technik.
Bild: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa (Symbolbild)

Was genau passiert bei Überhitzung im Auto?

Durch die Verbrennung des Kraftstoffs im Motor entstehen sehr hohe Temperaturen. Mit einem Kühlsystem wird die Betriebstemperatur mittels eines Wassermantels im Motor bei ungefähr 100 Grad Celsius gehalten, erklärt ADAC-Experte Hölzl: "Wenn der Motor zu heiß wird, heizt sich auch das Wasser auf und verdampft. Da es sich beim Kühlsystem um ein Drucksystem handelt, sind Temperaturen bis etwa 120 Grad Celsius noch möglich." Werden Motor und Kühlsystem aber noch heißer, wird der Druck im System irgendwann zu groß und das System bricht an der schwächsten Stelle auf. Das Wasser verdunstet und der Motor wird nicht mehr gekühlt.

Wie kann ich einer Überhitzung des Motors vorbeugen?

Wenn es möglich ist, sollten Autofahrer an extrem heißen Tagen immer im Schatten oder bestenfalls in Parkhäusern und Tiefgaragen parken - auch wenn sie vielleicht ein wenig weiter laufen oder für den Stellplatz bezahlen müssen. Um hohe Belastungen bei großer Hitze zu vermeiden, sollte man lieber ruhig und gelassen fahren, rät ADAC-Experte Hölzl.

Und auch die richtige Menge an Kühlflüssigkeit spielt eine wichtige Rolle: "Das Kühlwasser sollte in jedem Fall voll aufgefüllt sein – und aus einem Gemisch aus Kühlflüssigkeit und Wasser bestehen." Spezielle andere Zusätze seien nicht notwendig, die Herstellervorgaben für die Kühlflüssigkeit muss man aber unbedingt beachten.

So soll es sein: Steht das Kühlmittel oberhalb der Minimum-Markierung, ist alles in Ordnung.
Bild: Jens Schierenbeck/dpa-tmn

Welche anderen Risiken bestehen für das Auto bei großer Hitze?

Große Hitze kann für Reifen gefährlich werden, die in einem schlechten Zustand oder deren Mischungen und Profile für niedrigere Temperaturen ausgelegt sind. Neben Winterreifen sind auch Ganzjahresreifen durch ihre weichere Gummimischung bei Hitze weniger leistungsfähig als echte Sommerreifen. Autofahrer sollten unbedingt auf den richtigen Reifendruck achten - etwa 0,1 bis 0,2 bar mehr einzufüllen schadet nicht.

Wie wirkt sich Hitze auf die Beschleunigung aus, vor allem bei laufender Klimaanlage?

Eine eingeschaltete Klimaanlage wirkt sich negativ auf die Beschleunigung aus. Wie groß der Einfluss ist, hängt vom jeweiligen Fahrzeug ab. Bei normaler Fahrweise werden die wenigsten Autofahrer aber kaum einen Unterschied spüren, da der Einfluss meist sehr gering ist.

 

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