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Gefahr auf Reisen

22.01.2020

Dengue-Fieber ist weltweit auf dem Vormarsch

Die Tigermücke kann Dengue-Fieber übertragen. Das Virus ist weltweit auf dem Vormarsch.
Bild: dpa

Das berüchtigte „Knochenbrecher-Fieber“ breitet sich immer weiter aus. Wie eine 65-Jährige Reisende über ein Jahr lang mit den Folgen des Dengue-Virus kämpfte

Das Gefühl war vernichtend, wie Elisabeth (Name von der Redaktion geändert) aus Hessen sagt. Es war am 20. Dezember 2018, als sie in einem Vorort von Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, die Diagnose Dengue-Fieber bekam. Vier Stunden wartete sie, bis sie endlich Gewissheit hatte. „Ich habe gebetet, dass das nicht wahr ist“, sagt die 65-Jährige. Hinzu kamen das hohe Fieber und diese unsagbaren Schmerzen einer Krankheit, die auch „Knochenbrecher-Fieber“ genannt wird.

Es geschah wohl auf einem Dschungelausflug im Süden Sri Lankas, dass eine Mücke des Typus Aedes albopictus, auch Tigermücke genannt, Elisabeth stach. Denn vier Tage danach begann der damals 64-Jährigen alles wehzutun. Ein Test brachte Gewissheit. Die Hessin hatte sich mit der gefürchteten Tropenkrankheit infiziert. Weltweit erkranken jährlich schätzungsweise 390 Millionen Menschen an dem Virus. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) steckten sich allein 2019 bis Anfang Dezember 1058 deutsche Touristen mit dem Dengue-Fieber an. Es gilt als die weltweit häufigste virale Erkrankung. Und das vor allem in beliebten Reiseländern in Süd- und Südost-Asien wie Thailand, Indien, Kuba und auch Sri Lanka.

Rund 25 Mal war Elisabeth bereits auf Sri Lanka, ohne dass etwas passierte. Ihr Mann kommt aus dem Land. Ein Jahr lang hat sie selbst dort gelebt. Das Dengue-Fieber war aber allzeit präsent. „Bei jeder Infektion, die wie eine Grippe daher kam, wurde ich getestet“, sagt die Hessin. Wie sich die Krankheit anfühlt, konnte sie sich aber nicht einmal ansatzweise vorstellen.

Dengue-Fieber ist weltweit auf dem Vormarsch

„Bis zu vier Mal kann man sich mit dem Dengue-Fieber infizieren, da es vier verschiedene Typen gibt“, sagt der Virologe Prof. Dr. Jan Felix Drexler vom Charité in Berlin. Übertragen wird die Krankheit über den Stich der Gelbfieber- oder Tigermücke. „Manche Menschen erkranken ohne Symptome, andere bekommen mildes bis schweres Fieber wie bei einer Grippe“, sagt Drexler. Das hohe Fieber, die Gelenkschmerzen und der typische Dengue-Hautausschlag: Symptome, unter denen auch Elisabeth litt. Sie wurde sofort in ein Krankenhaus überwiesen. „Dort wurde mir alle sechs Stunden Blut abgenommen“, sagt sie. Die Anzahl der Blutplättchen wurde gezählt. „Es dürfen eigentlich nicht weniger als 140000 sein“, erinnert sich Elisabeth. Bei der 64-Jährigen waren es im Laufe der Tage nur noch 50000. „Man sagte mir, dass ich nicht eher entlassen werde, bis die Zahl wieder auf 120000 steige“, sagt sie. Sieben Tage dauerte dies. Sieben Tage, in denen Elisabeth hohes Fieber hatte und vor Schmerzen nicht schlafen und nicht essen konnte.

Ein Medikament gegen das Dengue-Fieber gibt es nicht. Lediglich die Symptome können behandelt werden. Paracetamol statt Palmen, Fieber statt Sonnenbrand: „Ich habe noch nie so viel Apfelsaft getrunken“, sagt Elisabeth, für die Flüssigkeit wichtig war. Unterstützung habe sie von der Familie ihres Mannes bekommen. „Jeder konnte mir einen anderen Rat geben.“

Wie kann man sich vor Dengue-Fieber schützen?

Doch wie kann man sich gegen die Krankheit schützen? „Die beste Vorsorge ist es, sich nicht stechen zu lassen“, sagt der Virologe Drexler. Patienten werden zwar nach einer Infektion immun gegen den jeweiligen Typ. Sollten sie sich aber mit einer der drei anderen Arten infizieren, fällt die Erkrankung oftmals schlimmer aus. Es kann zu inneren Blutungen kommen und schlimmstenfalls tödlich enden. Grund dafür sind Antikörper, die bei der ersten Infektion gebildet werden. „Sie wirken bei einer zweiten Erkrankung infektionsverstärkend“, sagt Drexler. Diese Tatsache erschwere die Entwicklung von Impfstoffen.

„Es gibt einen einzigen Impfstoff, Dengvaxia. Dieser ist aber nur für Patienten zugelassen, die schon einmal am Dengue-Fieber erkrankt sind.“ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt das Vakzin Personen, die zwischen neun und 45 Jahren sind und in Risikogebieten leben. Im Moment werde an zwei weiteren Impfstoffen geforscht. „Ich bin hoffnungsvoll“, sagt Drexler. Auch Elisabeth hofft, dass es gelingt, einen Erstimpfstoff herzustellen. Dafür hat sie an einer Studie teilgenommen und Blut gespendet.

2016 kam es zu einem weltweit starken Ausbruch des Dengue-Fiebers. Besonders betroffen waren Brasilien mit 1,3 Millionen Infektionen und die Philippinen. Dort erkrankten nach Angaben der WHO über 176000 Menschen. Um dem Virus Einhalt zu gebieten, startete die Regierung 2016 eine Massenimpfung mit dem Vakzin Dengvaxia. Mehr als 830000 philippinische Kinder erhielten das Impfmittel, bis es zu den ersten Todesfällen kam und die Regierung das Impfprogramm absetzte. Diese Vorfälle hätten das Vertrauen der Bevölkerung in den Impfschutz erschüttert, sagt Drexler. „Die Menschen lassen sich nicht mehr impfen.“ Im August 2019 riefen die Philippinen den Dengue-Notstand aus. 560 Menschen waren seit Jahresbeginn an dem Virus gestorben.

Weltweit sind immer mehr vom Dengue-Virus betroffen

Nicht nur auf den Philippinen, auch weltweit sind immer mehr Menschen von dem Virus betroffen. Nach Angaben der WHO ist mittlerweile die Hälfte der Weltbevölkerung einem Infektionsrisiko ausgesetzt. Auch die Anzahl der deutschen Touristen, die sich im Ausland anstecken, hat sich nach Angaben des RKI seit 2009 nahezu vervierfacht. „Das Dengue-Fieber breitet sich bedingt durch die klimatischen Veränderungen immer mehr aus“, warnt Drexler. 2010 kam das Tropenfieber auch in Europa an. In Kroatien und Südfrankreich wurden Menschen mit dem Virus infiziert. „Es kann sein, dass das Fieber einmal nach Deutschland kommt“, sagt der Virologe.

Es ist über ein Jahr her, dass Elisabeth an dem Dengue-Fieber erkrankte. Heute noch leidet die 65-Jährige unter den Folgen des Virus. „Fünf Monate nach dem Dengue-Fieber sind mir die Haare ausgefallen – büschelweise“, erzählt sie. Ihr Immunsystem sei extrem geschwächt. „Mein Hausarzt kontrolliert meine Laborwerte regelmäßig“ – auch um zu schauen, ob es zu inneren Blutungen gekommen ist. Innere Blutungen: eine gefürchtete Komplikation beim Dengue-Virus, besonders wenn man sich ein zweites Mal infiziert.

Obwohl Elisabeth bereits ein Mal an dem Virus erkrankte, kann sie sich nicht impfen lassen. Sie fällt aus der zugelassenen Altersgruppe. Trotzdem lässt sich die 65-Jährige nicht davon abhalten, nach Sri Lanka zu reisen. „Einige Freundinnen waren entsetzt, als ich beschloss, erneut hinzufliegen“, sagt sie. Umso systematischer versuche sie, sich t vor einer weiteren Ansteckung zu schützen.

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