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Freizeitpark

26.03.2018

Platz für Geschichten - warum der Europapark so erfolgreich ist

Die Silberkugel der Eurosat-Achterbahn soll sich nach dem Umbau besser in den französischen Bereich einfügen.
Bild: Europa-Park/dpa-tmn

Vier Mal ist der Europapark zum besten Freizeitpark der Welt gekürt worden. Die Stärke des Parks liegt darin, die Attraktionen kreativ zu verpacken

Seit dem vergangenen Wochenende liegen über dem Ort Rust wieder das dumpfe Rumpeln der Achterbahnen und die spitzen Schreie der Insassen: Der Europapark hat seine Winterpause beendet. Während der zweieinhalbmonatigen Schließzeit herrschte dort aber keineswegs Ruhe. Der Park gehört den Dekorateuren und den Bauarbeitern. Sie arbeiten daran, die aufwendige Gestaltung zu perfektionieren, die dem Park-Kunstwerk der Betreiberfamilie Mack schon zum vierten Mal in Folge das „Goldene Ticket“ als bester Freizeitpark der Welt eingebracht hat. Dabei ließ man Parks wie die selbst ernannte „Hauptstadt der Achterbahnen“, Cedar Point in Ohio, oder Disneyland in Kalifornien hinter sich. Die Begründung: Mit den perfekt thematisierten Attraktionen werden den Besuchern eigene Geschichten erzählt und Welten nähergebracht.

Im Mittelpunkt der Arbeiten steht eines der Wahrzeichen des Freizeitparks: die silberne Kugel der Eurosat-Achterbahn wird aufwendig erneuert und gestaltet, sodass sie sich künftig besser in die Umgebung einfügt. Die Riesenkugel steht im französischen Themenbereich, ist umgeben von Bistros, Häusern mit verschnörkelten Fassaden, einem Teich mit Brücken und Promenaden, die zum Flanieren einladen. In dieses Flair passte der Eingangsbereich der Achterbahn mit dem übermannshohen Roboter und der Planetenbemalung wie ein Cheeseburger in eine Crêperie.

Dass Eurosat neue Schienen und Waggons brauchte, kam Chris Lange und seinen Kollegen von Mack Solutions daher gerade recht. Der Creative Director entwirft und gestaltet mit seinem Team aus Ingenieuren, Landschaftsarchitekten, Bauzeichnern und Bauleitern die Themenwelten. Etwa 30 Experten arbeiten zusammen, um den Besuchern einen möglichst realitätsgetreuen Eindruck von den verschiedenen Ländern zu vermitteln und um die Attraktionen in eigene Geschichten einzubetten.

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So wird ab Sommer die Achterbahn als „Eurosat-CanCanCoaster“ firmieren. Mit seiner Gestaltung war Eurosat aus der Zeit gefallen, sagt Lange: „Das Weltraum-Thema war ein Trend der 80er und 90er Jahre.“ Statt von einem Roboter werden die Besucher künftig von der Roten Windmühle empfangen – dem Markenzeichen des weltberühmten „Moulin Rouge“ in Paris. Der Showtanz Cancan wird in dem Amüsiertempel ebenfalls nicht fehlen. Die Europapark-Besucher werden ab dem Eingang in das Flair und den Charme des Pariser Nachtlebens entführt – allerdings ohne freizügig bekleidete Tänzerinnen. Sie erwarten Einblicke in einen verwunschenen Garten, ebenso wie in ein Künstleratelier. Während der Fahrt wird das Thema Paris aufgegriffen, sodass die Bahn keine reine Dunkelachterbahn mehr sein wird.

Für Planung und Bau braucht das Team des Parks etwa zwei Jahre, sagt Chris Lange. Intern gehen die Abläufe direkt: Lange stellte seine Idee für die Gestaltung den Mitgliedern der Betreiberfamilie Mack vor, die sie absegnete. Danach zurrte man die Partnerschaft mit dem „Moulin Rouge“ fest. „Bei uns arbeiten wir in kleinen Teams sehr effizient zusammen“, sagt Lange. Bei großen Konzernen wie Disney gingen die Abläufe deutlich langsamer, weil viel mehr Abteilungen beteiligt werden müssten: „Die sind oft ehrlich erstaunt, wie schnell wir neue Attraktionen auf die Beine stellen.“

Für die Gestaltung des CanCan-Coaster waren Lange und seine Mitarbeiter nicht nur im Moulin Rouge unterwegs, sondern in der ganzen Stadt Paris: „Wir sind viel durch den Künstlerstadtteil Montmartre gelaufen, um uns Inspirationen zu holen – das Lebensgefühl, die Fassaden. Unser französischer Themenbereich ist einer der ältesten im Park, da soll es perfekt passen.“ Für die Achterbahnfans gibt es neben der normalen Bahn auch noch eine Version mit Virtual-Reality-Brillen. Im Spätsommer sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Zum Saisonstart fertig ist ein neues Fahrgeschäft im deutschen Bereich: Passend zum jetzt gestarteten Kinofilm „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ können die Besucher nun selbst in einen Waggon einsteigen und eine Runde mit Lokomotive Emma durch Lummerland drehen. Die Bahn schlängelt sich nun zwischen den alten Bäumen im Park von Schloss Balthasar hindurch. Und eine weitere Umgestaltung hat die Kreativabteilung in den vergangenen drei Monaten durchgezogen: Das „Historama“, wo sonst die Geschichte des Parks und die Anfänge der Familie Mack im Unterhaltungsgewerbe präsentiert werden, erlaubt jetzt einen Blick in die Zukunft. Dort werden die Modelle des neuen Wasserparks „Rulantica“ und des zugehörigen Hotels „Kronasar“ präsentiert, die derzeit auf einer Fläche von 450000 Quadratmetern zwischen Europapark und Autobahn gebaut werden.

Auf Chris Lange und seine Kollegen von der Kreativabteilung kommen mit dem Wasserpark große Herausforderungen zu. An dem Großprojekt arbeitet ein eigenes Team. Die Wasserwelt bekommt eine nordische Thematisierung, sagt Chris Lange: „Wir sollten ohne Palmen auskommen. Da wir im Park zum Beispiel mit der Holzachterbahn ,Wodan‘ schon ein nordisches Thema haben, konnten wir daran anknüpfen und haben die fiktive Insel Rulantica erfunden.“

Die Geschichte um die geheimnisvolle Insel fließt in die Architektur ein: So haben die Bewohner Rulanticas in ihren Gletscher einen riesigen Tempel gekratzt. Anregungen für die Gestaltung dieses Parkteils haben sich die Planer bei antiken Monumentalbauten wie der Tempelanlage von Angkor Wat in Kambodscha oder den riesigen Felsentempeln von Petra in Jordanien geholt. In die Grundidee lassen sich auch Wünsche der Betreiber integrieren: Eine Vorgabe war etwa, dass von außen keine Plastikrutschen zu sehen sein sollen. Deshalb wurden die Rutschen in einen riesigen Gletscher integriert und konnten so versteckt werden, sagt Lange.

Die Abteilungen der Betreiberfirma Mack arbeiten bei allen Neuerungen eng zusammen: Gestalter und Achterbahn- oder Rutschenbauer, aber auch die Marketingexperten sprechen sich immer wieder ab, damit am Ende eine stimmige Geschichte erzählt werden kann. Zu „Rulantica“ gibt es ab April ein eigenes Musical, das die Geschehnisse auf der Insel erzählt und den Gästen noch mehr Appetit auf den neuen Wasserpark machen soll, sagt Lange: „In die Entstehung sind wir nicht ständig eingebunden. Aber wir schauen immer mal drüber, damit am Ende alles perfekt zusammenpasst.“ Gleiches gilt für die Fanartikel, die im Park verkauft werden, oder Filme und Computerspiele, die zu den Erlebnissen entstehen, die die Besucher im Park haben.

Das Besondere am Europapark ist für Chris Lange, dass dort viele eigene Geschichten entstehen. Dort setzt man nicht nur bestehende Konzepte wie „Artur und die Minimoys“ um, sondern schafft eigene Welten – wie bei Rulantica oder dem Flying Theater „Voletarium“. Im Wartebereich tauchen die Besucher ein in die Welt der Flugpioniere Eulenstein. „Die Idee kam mir bei der Zugfahrt von Offenburg nach Berlin, als ich schöne Gebäude an der Strecke gesehen habe“, sagt Chris Lange. Die besten Ideen habe er bei Fahrten über Land. Dabei spielt für ihn keine Rolle, wie groß das Projekt ist: „Manchmal ist es viel spannender, in einem begrenzten Raum etwas Kreatives zu schaffen.“ Spätestens bei der Eröffnung des CanCan-Coaster können sich die Besucher davon überzeugen.

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