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Ichenhausen

28.12.2014

100 Mal im Jahr Hilfe für Menschen in Not

Ulrike Förster hat nach dem Tod ihrer Großmutter den Vorsitz in der Ernst und Martha Ott-Stiftung übernommen. Die Stiftung besteht seit 20 Jahren und hat in dieser Zeit mit knapp 1,6 Millionen Euro Menschen im Landkreis geholfen, die unverschuldet in Not geraten sind.
Bild: Irmgard Lorenz

Die Ernst und Martha Ott-Stiftung arbeitete bisher im Verborgenen. Warum sich das jetzt ändert

Rund 100 Mal jährlich Hilfe für Menschen in Notlagen, und das seit 20 Jahren: Die Ernst und Martha Ott-Stiftung hilft seit 1994 Menschen im Landkreis Günzburg, die unverschuldet in Not geraten sind. Seit ihrem Bestehen hat die Stiftung nahezu 1,6 Millionen Euro ausgeschüttet. Das geschah bisher im Verborgenen. „Wir haben uns bewusst gegen die Öffentlichkeit entschieden“, sagt Ulrike Förster, Enkeltochter von Martha Ott, die seit dem Tod Martha Otts 2007 der Stiftung vorsteht. Und sie erklärt, warum sie jetzt das Anliegen ihrer Großeltern doch an die Öffentlichkeit trägt.

Als „sehr, sehr christliche Menschen“ haben Ulrike Försters Großeltern Ernst und Martha Ott beispielsweise die Renovierung der Autenrieder Kirche Sankt Stephan großzügig unterstützt, auch die Sing- und Musikschule der Stadt Ichenhausen verdankt dem Ehepaar viel. Mit einer namhaften Spende machte Martha Ott 1994 den Bau der nach ihrem 1987 verstorbenen Ehemann benannten gerontopsychiatrischen Pflegeeinrichtung Ernst-Ott-Sozialzentrum möglich. Vereine unterstützte das Ehepaar ebenso wie Mitarbeiter des 1941 von Ernst Ott in Autenried gegründeten Ziegelwerks. Oft geschah die Hilfe direkt, ohne öffentliche Aufmerksamkeit. Ihre Großeltern, sagt Ulrike Förster, „waren beide sehr bescheiden mit Lob und Ruhm.“

Um Lob und Ruhm geht es auch Förster 20 Jahre nach Gründung der Stiftung ebenso wenig wie damals ihren Großeltern. Aber die Zeiten haben sich gewandelt, die Ernst und Martha Ott-Stiftung „leidet wie alle anderen darunter, dass wir keine Zinsen mehr kriegen“, sagt Ulrike Förster, die 2007 nach dem Tod ihrer Oma den Vorsitz übernommen hat, „von sechseinhalb Prozent kann man nur träumen.“

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Im Gegensatz zu den Zinssätzen wird allerdings auch im Landkreis Günzburg die Not nicht kleiner. Oft geht es nur um eine Brille, für die das Geld fehlt, um eine unerwartet hohe Heizkostenabrechnung oder womöglich gar um eine drohende Zwangsräumung, um die Kosten für die Mittagsbetreuung eines Kindes oder auch um Zuzahlungen schwer oder chronisch Kranker, die dringend orthopädische Hilfsmittel brauchen oder das Krankenhaustagegeld nicht aufbringen können.

Auch die Altersarmut begegnet der Stiftungsvorsitzenden immer wieder. Vor allem Frauen sind davon betroffen, „die halt grad so über die Runden kommen“, sagt Ulrike Förster. Sie berichtet von einem Landkreisbewohner, der Maiskörner sammelte, zu Mehl zermahlte und daraus Brot buk. Oder von einem Menschen, der zwei Jahre ohne Strom und warmes Wasser hausen musste, bis ihm die Ernst und Martha Ott-Stiftung finanziell unter die Arme griff.

„Es ist unglaublich, wie groß die Not ist“, sagt die 42-jährige Mutter von vier Kindern, „man sieht, wie viel Armut es gibt.“ Das verleihe ihr „Dankbarkeit und Demut für das eigene Wohlergehen“. Dass sie ehrenamtlich für die Stiftung arbeitet, ist für Ulrike Förster eine Ehren- und Herzenssache zugleich. So kommen Zinserträge der Stiftung und auch Spenden zu fast 100 Prozent den Menschen zugute, die unverschuldet in Not geraten sind und Hilfe brauchen. „Außer Porto haben wir keinerlei Verwaltungskosten“, sagt sie, die Arbeit für die Stiftung erledigt sie im Büro in ihrem Wohnhaus.

Wer Hilfe von der Ernst und Martha Ott-Stiftung erbittet, muss einen umfangreichen Antrag ausfüllen „und sich wirklich offen legen“, sagt Förster, denn das Geld soll dort ankommen, wo es tatsächlich dringend gebraucht wird. Freizeitmaßnahmen und Urlaube werden nicht bezuschusst, alte Schulden nicht abgelöst, und auch eine Dauerbegleitung gewährt die Stiftung nicht. Geld gibt es erst, wenn wirklich alle staatlichen Hilfen ausgeschöpft sind, und es fließen keine Barzahlungen an die Bedürftigen.

„Wir denken gleich wie die Kartei der Not, wir stopfen nicht einfach Löcher“, sagt Ulrike Förster, aber oft könne die Stiftung mit einer kleinen Unterstützung eine größere Not abwenden. Sie rät oft auch zur Schuldnerberatung oder zu einer Betreuung und sagt: „Es ist schön, wenn man einen Impuls setzen kann, der dann weiter führt.“ Damit die Ernst und Martha Ott-Stiftung auch in Zeiten rückläufiger Zinserträge weiter eine wichtige Säule im sozialen Auffangnetz der Region bleiben kann, hofft Ulrike Förster auf Spender, die ebenso wie ihre Großeltern Ernst und Martha Ott ein Herz für unverschuldet in Not geratene Menschen im Landkreis haben.

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