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Günzburg

16.05.2019

Attest vom Arzt verhindert Strafe nicht

Mit einem Attest vom Arzt hatte sich ein Angeklagter beim Amtsgericht krank gemeldet. Ein Urteil fiel trotzdem
Bild: Stockfotos-MG - stock.adobe.com (Symbolfoto)

Ein 38-Jähriger soll sich wegen eines Verkehrsdelikts vor dem Amtsgericht Günzburg verantworten. Er erscheint nicht. Ein Urteil gibt es trotzdem.

Vielleicht hat der Angeklagte ja geahnt, was ihn erwartet. Jedenfalls zog der Fürstenfeldbrucker es vor, nicht zum Amtsgericht Günzburg zu kommen, wo er sich wegen eines Verkehrsdeliktes verantworten sollte. Zumindest hat er sich damit einen Auftritt vor reichlich Publikum erspart. Denn die Zuschauerplätze im Gerichtssaal wurden sämtlich von einer Schulklasse des Günzburger Dossenberger Gymnasiums belegt. Um seine Verurteilung kam der Angeklagte doch nicht herum, denn sein Einspruch gegen einen Strafbefehl wegen Straßenverkehrsgefährdung, versuchte Nötigung und Unfallflucht wurde verworfen.

Fahrer bedrängt vorausfahrendes Auto

Der 38-Jährige hatte Ende September vergangenen Jahres die Rücksichtnahme im Straßenverkehr offenbar völlig aus den Augen verloren. Weil ihm ein vorausfahrender Mercedes-Lenker auf der Staatsstraße 2025 zwischen Röfingen und Jettingen zu langsam unterwegs war, drängelte der Fürstenfeldbrucker mit seinem stark motorisierten Kompaktwagen bis auf einen Meter Abstand, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, um den Vordermann zu schnellerer Fahrweise zu nötigen. Dann wurde es noch heftiger: Auf der Tangente zum Autobahnanschluss überholte der 38-Jährige und scherte anschließend so knapp ein, dass es krachte. Nach der Kollision mit den Kotflügeln blieb der Unfallverursacher jedoch nicht stehen, sondern flüchtete.

Das Argument des Angeklagten: Es kam zu gar keinem Unfall

Zur ersten Verhandlung beim Amtsgericht wegen der massiven Verkehrsverstöße kam der Angeklagte nicht. Gegen den darauf ergangenen Strafbefehl legte der Fürstenfeldbrucker Einspruch ein. Mit überraschenden Argumenten, die aber bei Amtsgerichtsdirektor Walter Henle wenig Eindruck machten: Da werde der Täter zum Opfer gemacht, meinte der Angeklagte über den Autolenker, der vor ihm war. Einen Unfall habe er ebenfalls nicht verursacht, denn bei seinem hochwertigen Auto wäre er dann ja nicht davon gefahren.

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Das Attest reicht dem Gericht nicht aus

Seine Abwesenheit bei der Verhandlung versucht der 38-Jährige erfolglos mit einem ärztlichen Attest zu belegen. „Es handelt sich um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wegen einer ansteckenden Erkrankung“, informierte Richter Henle. Doch dieses Attest sei ungeeignet. Sein Einspruch wurde auf Antrag der Staatsanwältin vom Richter verworfen. Wegen Straßenverkehrsgefährdung, versuchter Nötigung und Unfallflucht verhängte Richter Henle eine Geldstrafe in Höhe von 180 Tagessätzen zu 70 Euro und dazu noch sechs Monate Fahrverbot. Das Urteil fiel relativ drastisch aus, weil der Angeklagte bereits einige Vorstrafen kassiert hatte.

Nach dem raschen Verhandlungsende löcherten Schülerinnen und Schüler des Dossenberger Gymnasiums den Amtsgerichtsdirektor mit Fragen. Zum Beispiel, ob der Angeklagte das Urteil anfechten könne: Kann der Mann jetzt mit einer Berufung beim Landgericht gehen? Reicht er ein korrektes ärztliches Attest nach, könnte das Urteil aufgehoben und zur weiteren Verhandlung ans Amtsgericht zurück verwiesen werden. Sollte der Verurteilte die Geldstrafe nicht zahlen, müsste er die Anzahl der Tagessätze in Haft verbüßen, so die Antwort des Richters. Am Schluss gab es Beifall im Gerichtssaal – von den Gymnasiasten für Amtsgerichtsdirektor Henle und seine ausführliche Beantwortung ihrer Fragen.

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