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Günzburg

24.07.2020

DGB-Biergartentreff in Günzburg: Klimaschutz und Jobs kein Widerspruch

Die Akteure beim DGB-Biergartentreff (von links): Lukas Neudeck („Fridays for Future“), Timo Günther (IG Metall), Liedermacher Sepp Raith, Werner Gloning (DGB-Kreisvorsitzender) und Helga Springer-Gloning (DGB-Ortsvorsitzende).
Bild: Greta Kaiser

Bei der Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Günzburg geht es auch um die Finanzierung der Corona-Kosten.

Das Wetter war optimal. Doch wegen eines Missverständnisses bei der Platzreservierung fand der Biergartentreff des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) nicht unter lauschigen Kastanien im Freien, sondern im etwas wärmeren Forum am Hofgarten statt. Den Inhalten des Abends tat das keinen Abbruch, auch nicht den teils heiteren, teils sozialkritischen musikalischen Beiträgen des Liedermachers Sepp Raith. Schwerpunktthema der von der DGB-Ortsvorsitzenden Helga Springer-Gloning eröffneten, gut zweistündigen Veranstaltung war die Frage: Wie können der Klimaschutz und der Erhalt von Arbeitsplätzen unter einen Hut gebracht werden? Die Corona-Krise dürfe nicht als Vorwand dienen, in großem Stil Arbeitsplätze abzubauen, bei der Finanzierung der Pandemiekosten müsse es „sozial und gerecht zugehen“, forderte der DGB-Kreisvorsitzende Werner Gloning.

Die Corona-Krise mache deutlich, dass nicht der schwache, sondern der starke Staat vonnöten sei. Gloning: „Eine alte Forderung des DGB.“ Insoweit sei es im Grundsatz richtig, die leidende Wirtschaft mit Staatshilfen zu stützen. Dass die Milliarden aber ohne Auflagen vergeben würden, sei ein Unding. Die Hilfen müssten vielmehr an Voraussetzungen wie Tariftreue, Aus- und Fortbildung oder die Wahl von Betriebsräten gekoppelt werden.

Gloning: Gespräche mit Verschwörungstheoretikern ist Zeitverschwendung"

Die Finanzierung der Corona-Kosten dürfe nicht so gehandhabt werden, „dass wieder die breite Masse die Lackierten sind“, erklärte Gloning weiter. „Es muss gerecht zugehen“ – etwa über Vermögens-, Digital-, Transaktions- und Erbschaftssteuern sowie einen höheren Spitzensteuersatz. Applaus und Lobreden für die Corona-Helden seien aller Ehren wert. Doch etwa Pflegekräfte müssten endlich besser bezahlt werden. Darauf würden die Gewerkschaften bei den anstehenden Tarifverhandlungen beharren, sagte Gloning unter Beifall. Kliniken müssten nicht ab-, sondern ausgebaut werden.

Dass in einer Demokratie kontrovers diskutiert werde, sei eine Selbstverständlichkeit – auch wenn es um die eine oder andere Maßnahme im Kampf gegen Corona gehe. Gespräche mit Verschwörungstheoretikern aber seien Zeitverschwendung, „dass die AfD und andere Rechtspopulisten“ Kundgebungen wie in Krumbach instrumentalisierten, sei für den DGB nicht hinnehmbar.

"Ich bin überrascht, wie viele Gemeinsamkeiten wir haben"

In entwaffnender Offenheit erklärte Lukas Neudeck aus Günzburg: „Ich bin überrascht, wie viele Gemeinsamkeiten wir haben.“ Er hatte soeben die Rede des IG-Metall-Vertreters Timo Günther gehört. Der junge Mann hatte vorab in einem kurzen Vortrag die Ziele der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ erläutert. Der Schutz von Klima und Natur werde sich „auf viele Branchen der Wirtschaft negativ auswirken“. Doch er sei überzeugt, dass durch neue, grüne Technologien unter dem Strich mehr Arbeitsplätze geschaffen würden. In manchen Bereichen sei Deutschland mit an der Weltspitze, in anderen nicht. Das Fazit von Lukas Neudeck: „Wir dürfen unsere Chancen nicht verspielen.“

Das sah auch Timo Günther von der Bezirksleitung der IG Metall Bayern so. „Klimaschutz und Arbeitsplätze sind kein Widerspruch, sie gehören zusammen.“ Der notwendige Wandel sei aber nicht von jetzt auf nachher zu vollziehen. Nicht nur für Beschäftigte der Autoindustrie und deren Zulieferer sei „ein Übergang“ nötig – über den Ausbau des Sozialstaats, Beschäftigungsgarantien, die gesetzliche Verankerung von Home-Office oder ein Lieferkettengesetz, um die unwürdigen Produktionsstandards in Billiglohnländern zu verbessern, sprich: zu verteuern. Parallel müsse mit aller Macht an Zukunftstechnologien oder neuen Formen der Mobilität gearbeitet werden. Timo Günther und Lukas Neudeck waren sich einig: „Der Klimaschutz ist ohne Alternative.“

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