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Rieden

11.02.2017

Das Schmuckstück glänzt wieder

Unter dem barocken Zwiebelturm verbirgt sich in Rieden an der Kötz eine einzigartige Jugendstilkirche. Ihr Innenraum wurde etwa 250000  Euro saniert.
Bild: Sandra Kraus

Die Pfarrkirche St. Mauritius in Rieden ist für eine Viertelmillion Euro saniert worden.

Ein wahres Schmuckstück ist die Pfarrkirche St. Mauritius und Gefährten in Rieden nach der umfangreichen Sanierung des Innenraums geworden. Die strahlend weiß getünchten Wände des Kirchenschiffs verstärken die edle Leichtigkeit des Jugendstils. „Im Bistum Augsburg gibt es nur zwei Jugendstilkirchen, eine in Augsburg-Pfersee und eine bei uns in Rieden“, betont Kirchenpfleger Anton Miller.

Der Jugendstil zog in die Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Kirche im Jahr 1913 ein, als der Augsburger Architekt Professor Michael Kurz den Auftrag bekommen hatte, den Innenraum komplett neu zu gestalten. Feuchtigkeit machte jetzt gut einhundert Jahre später eine Sanierung unumgänglich. Vor allem die Kirchenbänke waren von unten her morsch geworden und mussten im Mai vergangenen Jahres komplett ausgebaut werden. Der Untergrund wurde abgedichtet und das Podest aus Fichtenholz, geschlagen im Allgäuer Bergwald in einer Höhe von über 1200 Metern, soll jetzt wieder für die nächsten Generationen halten. Die Kirchenbänke wurden restauriert, lediglich mit der Holzwurmbekämpfung muss auf das wärmere Frühjahr gewartet werden. Die Begasung der kompletten Kirche benötigt eine Außentemperatur von knapp zehn Grad, eine Woche wird die Kirche deshalb Ende Mai noch einmal geschlossen werden müssen.

Man nutzte die Sanierung für eine Neuaufteilung des Gestühls, schuf erstmals entlang der Außenmauer einen Gang, rückte die Kinderbänke zurück, um freien Zugang zu den Seitenaltären zu schaffen. Noch fehlt die Sitzheizung, doch für Licht und Ton sorgt die neue Elektroanlage schon tadellos. Die vielen Goldornamente funkeln und glitzern, heben sich vom schwarzen Holz ab, florale Jugendstilornamente laden zum Inne halten und schauen ein. Die Seitenaltäre, links der des Heiligen Mauritius und rechts der der Heiligen Familie, sowie die zum Teil spätgotischen Figuren wurden vom Kirchenmaler sorgsam restauriert.

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Früher gab es mehr Kirchenbänke 

An der Langhausdecke mit den großen Fresken musste nichts gemacht werden, sie wurde auch innen in Zusammenhang mit der Kirchendachrenovierung 2012 saniert. Im Altarraum wurde das Gestühl für die Ministranten nach hinten geschoben und über den Beichtstuhl ein komfortablerer Zugang zur Treppe in das Oratorium geschaffen. Im Zentrum der Pfarrkirche mit dem barocken Zwiebelturm steht der Jugendstil-Hochaltar, dessen goldene Säulen dem Bildnis des „Thronenden Christus“ zustreben. Der Chorraum zeichnet sich durch luftige Weite aus, zumal der Bereich zwischen Turm (Südseite) und Oratorium (Nordseite) heute zum Altarbereich gehört. Vor dem 2. Vatikanischen Konzil in den 1960ern standen hier noch Kirchenbänke. Und jetzt wurden es noch einmal weniger. Doch Anton Miller ist sich sicher: „Für die Gottesdienstbesucher heutzutage reicht es allemal.“

Eng könnte es am Sonntag werden, wenn um 10 Uhr der Festgottesdienst zur Einweihung stattfindet. Abt des Prämonstratenser Klosters Roggenburg Hermann Josef Kugler wird ihn mit Ichenhausens Stadtpfarrer Pater Jonas Schreyer (OPraem) und anderen der Gemeinde verbundenen Geistlichen zelebrieren. Orgel und Musikverein Rieden werden ihn musikalisch umrahmen. Die Riedener Vereine sollen mit ihren Fahnen kommen, Landrat und Bürgermeister werden erwartet.

Die Pfarrgemeinde muss 100000 Euro bezahlen 

Bei aller Schönheit, die durch die Sanierung wieder uneingeschränkt zutage tritt, hat Kirchenpfleger Miller die Kosten fest im Blick. „Wir sind im Kostenrahmen der eingeplanten 250000 Euro geblieben“, freut er sich. Mit 85000 Euro beteiligt sich die Diözese, aber nach Abzug weiterer Zuschüsse aus der Region und von Stiftungen wird die kleine Pfarrgemeinde rund 100 000 Euro beisteuern müssen. Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat unter der Vorsitzenden Brigitte Wöhrle hoffen auf Spenden. „Sparen und Spenden sammeln“, heißt es bei Anton Miller, der mit einer Unterbrechung schon über 20 Jahre Kirchenpfleger ist. Und Miller hat mit der Orgel ein nächstes Projekt im Blick. Ganz zu schweigen von Sanierungsarbeiten in der für Trauungen und Taufen so beliebten Dreifaltigkeits-Kapelle. Schließlich hat Rieden, das mit seinen rund 650 Einwohner kommunal und pfarreimäßig zu Ichenhausen gehört, gleich ein zweites kirchliches Kleinod, das unterhalten werden will. Für Besucher ist die Pfarrkirche St. Mauritius sonntags nach dem Gottesdienst bis in die Abenddämmerung geöffnet.

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