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Jubiläum

28.10.2013

Der Kindheitstraum vom Fliegen wurde wahr

Bilder und Erinnerungen hat Josef Schedel in seinem Lebensbuch festgehalten. Heute feiert der Burgauer seinen 90. Geburtstag.
Bild: Peter Wieser

Der ehemalige Burgauer Tierarzt Josef Schedel feiert heute seinen 90. Geburtstag

Burgau „Ich wollte fliegen! Nicht Offizier werden!“ So heißt das Lebensbuch, das Josef Schedel geschrieben hat. Bilder und Erinnerungen, seine Liebe zur Fliegerei, die Erlebnisse während des Kriegs, aber vor allem seine Familie hat er darin festgehalten. Seine Kinder Roswitha und Bernhard, besonders Tochter Margreth „Molli“ waren es, die ihn zum Verfassen dieses Buch gedrängt hatten. „Ja, um Gottes willen, dann fang’ ich halt damit an“, hatte Josef Schedel damals gesagt. Heute feiert der ehemalige Burgauer Tierarzt seinen 90. Geburtstag.

Es war ein kleines Sportflugzeug, dessen Notlandung er irgendwann zwischen 1929 und 1930 im „Scheckenwanger Ried“ nahe seines Heimatortes Pless im Unterallgäu beobachtet hatte. Mit fünf Geschwistern war er dort auf dem großen elterlichen Hof aufgewachsen. Die Begeisterung und der Traum vom Fliegen hatten ihn seitdem nicht mehr losgelassen. Aus den ersten Begegnungen mit Segelflugzeugen entwickelte sich bald eine große Leidenschaft. „Ich hatte immer meinen Schutzengel dabei“, erzählt Josef Schedel – beim Sturzflug mit einer ME 109 aus 11000 Metern Höhe, als er die Maschine bei 2000 Metern gerade noch abfangen konnte, nachdem das Höhenruder nicht funktioniert hatte, und bei der Landung in einem Heuhaufen mit einer Bücker 131, als während des Krieges feindliche Flugzeuge aufgetaucht waren. Als er in der Silvesternacht 1947 aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, hieß es in seiner Familie: „Der Sepp ist wieder da.“

Josef Schedel hatte die Oberrealschule in Illertissen – es war die einzige, die er, wie er sagt, nicht in Brand habe stecken wollen – und die in Kempten besucht. Nach dem Studium der Tiermedizin in München hat er sich im Jahr 1959 als Tierarzt in Lauben bei Memmingen niedergelassen. „Am ersten Praxistag hat es bis zum Abend gedauert, bis endlich ein Landwirt wegen einer Kuh mit einem entzündeten Euter gekommen ist“, erinnert er sich.

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Drei Jahre später übernahm er die Tierarztpraxis in Burgau. Vielen war er bekannt – mit Kniebundhose, Gummistiefeln und Hut. Von in der Früh bis in den Abend war er bei den ansässigen Landwirten unterwegs. Anschließend hat er dann noch die Kleintierpraxis geöffnet, wo ihm seine Frau Vevi immer eine große Hilfe war. „Sieben Tage in der Woche war ich immer im Dienst“, erzählt er. „Lediglich drei Wochen im Jahr hatten wir uns einen Urlaub gegönnt.“ Seit 1988 ist Josef Schedel im Ruhestand.

„Mir geht es bestens“, sagt er heute; vor allem, seit ihm seine Haushaltshilfe Eva zur Seite steht. Lange Spaziergänge rund um den Silbersee oder entlang der Mindel bis nach Mindelaltheim und wieder zurück genießt er. In der Garage steht sein Mercedes, mit dem er immer noch ab und zu unterwegs ist. Im Sommer hält er sich oft im Garten auf und mäht zwischendurch sogar den Rasen. Am Sonntag hat Tochter Roswitha eine Feier zu seinem 90. Geburtstag arrangiert, dann kommen seine Kinder, seine drei Enkelinnen und seine Verwandten zusammen.

Eines jedoch ist über die Jahre geblieben: die Erinnerung und der Traum vom Fliegen.

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