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Unvergessliche Spiele

17.06.2020

Der SC Bubesheim feiert einen Triumph des Teamgeists

Welchen Stellenwert der Hallenfußball damals in Schwaben hatte, verdeutlicht die Ausgabe unserer Zeitung vom 13. Januar 1997. Gerhard Just, Sedat Cakmak und Jürgen Staiger bejubeln auf der Titelseite den Triumph des SC Bubesheim in der Augsburger Sporthalle. Das Foto schoss Fred Schöllhorn.
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Welchen Stellenwert der Hallenfußball damals in Schwaben hatte, verdeutlicht die Ausgabe unserer Zeitung vom 13. Januar 1997. Gerhard Just, Sedat Cakmak und Jürgen Staiger bejubeln auf der Titelseite den Triumph des SC Bubesheim in der Augsburger Sporthalle. Das Foto schoss Fred Schöllhorn.
Bild: Jan Kubica

Plus 1997 wurde der SC Bubesheim schwäbischer Meister im Hallenfußball. Karl Dirr und Christian Poppel waren am atmosphärisch größten Tag des Dorfvereins dabei.

Möglicherweise waren die beiden Landesliga-Aufstiege 2000 und 2013 aus sportlicher Sicht noch bedeutender. Atmosphärisch jedoch ist zweifellos der 11. Januar 1997 der größte Tag in der inzwischen 53-jährigen Vereinsgeschichte des SC Bubesheim. Damals wurden die von Paul Sauter und Michael Groß trainierten Fußballer schwäbische Meister im Hallenfußball.

Sensation in der Augsburger Sporthalle

Der Sensationscoup in der Augsburger Sporthalle sorgt bis heute für Zungenschnalzen bei allen, die ihn miterlebten. Es war das uralte Spiel vom sympathischen Ringen des Außenseiters mit den scheinbar Übermächtigen. Es war der Sieg einer echten Sportgemeinschaft. Es war ein Erfolg der filigranen Technik. Und es war ein Triumph des Teamgeists. Heute sagt Karl Dirr, der schon damals als Abteilungsleiter im Dorfverein wirkte: „Von solchen Erlebnissen zehrst du jahrelang.“

Zur Legende konnte das Ereignis nur reifen, weil es auf fruchtbarem Terrain keimte. Hallenfußball war in den Neunzigerjahren eine richtig große Nummer in Schwaben. Die besten Amateurfußballer der Region rissen sich darum, die Qualifikation für die Bezirks-Endrunde zu schaffen, die damals regelmäßig in der prachtvollen Sporthalle in Augsburg ausgetragen wurde. Jeder Vergleich mit dem heute praktizierten Sport namens Futsal wirkt da deplatziert; es waren einfach andere Zeiten, in denen Sportler wie Zuschauer andere Prioritäten auch in ihrer Freizeitgestaltung setzten.

Der SC Bubesheim feiert einen Triumph des Teamgeists

Bubesheim zerlegt Rain nach allen Regeln der Kunst

Den Turnierverlauf können einige Beteiligte fast minutiös nacherzählen. Einem Ritterschlag ziemlich nahe kommt dabei Dirrs Bekenntnis, das Viertelfinale gegen den favorisierten TSV Rain sei „das beste Spiel gewesen, das ich jemals in der Halle gesehen habe – und das nicht, weil die so schlecht waren, sondern weil wir so gut waren. Die haben wir zerlegt nach allen Regeln der Kunst“. 7:1 lautete der Endstand und aus dem zu Beginn sicher ein wenig belächelten Dorfverein war ein mehr als ernst zu nehmender Titelanwärter geworden. Umso schwerer wurde es, auch die Klippe TSV Friedberg zu umschiffen. Oder bekamen die Bubesheimer plötzlich Angst vor der eigenen Courage? Jedenfalls lagen sie zwischenzeitlich 2:4 hinten, um in der Schlussphase mächtig aufzudrehen. Jürgen Staiger erzielte das Tor zum 6:5-Endstand, die 250 Bubesheimer Fans unter den 1500 Augenzeugen tobten und die Spieler mussten erst einmal Dampf ablassen.

Mit einer Sonderseite würdigte unsere Zeitung den ersten schwäbischen Hallen-Triumph einer Fußballmannschaft aus dem Landkreis Günzburg. Christian Poppel spielte damals im Team des SC Bubesheim. Der Pokal hat bis heute einen Ehrenplatz beim Verein.
Bild: Ernst Mayer

Das ist übrigens für Teile der Mannschaft wörtlich zu nehmen. So trägt Christian Poppel, der in seiner aktiven Laufbahn immer als Vollgas-Fußballer mit ausgeprägter Vereinstreue auffiel, eine der unzähligen kleinen Geschichten zur Anekdotensammlung dieses einmaligen Tages bei, indem er grinsend erzählt: „Damals hat man noch rauchen dürfen hinter der Tribüne. Da haust du dir dann zwischen den Spielen ’ne Fluppe rein.“

Im Finale einen Rückstand wettgemacht

Unmittelbar geschadet hat es niemandem. Auch im Endspiel unterstrich der SC Bubesheim, dass er unbedingt als erste Mannschaft aus dem Landkreis Günzburg diesen Titel holen wollte. Der Ballfertigkeit, dem Kampfgeist, dem Selbstbewusstsein und der Begeisterungsfähigkeit dieses großen Teams war letztlich auch der TSV Neusäß nicht gewachsen. Getragen von den Chören der Bubesheimer Sympathisanten, machten Ralf Bruschkewitz, Sedat Cakmak, Jürgen Staiger und Christian Poppel mit ihren Toren aus dem 1:2 zum Seitenwechsel den 5:2-Endstand in diesem Finale.

Das Mannschaftsbild: Soeben ist der SC Bubesheim Schwäbischer Meister im Hallenfußball geworden. Ernst Mayer und Fred Schöllhorn hielten den Triumph des Dorfvereins für unsere Zeitung in Fotos fest.
Bild: Jan Kubica

Poppel hatte sich zwar bereits auf dem Feld total verausgabt, genoss aber trotzdem als einer der Ersten das Bad in der Menge. Ohne die farbenfroh geschminkten und lautstark anfeuernden Fans wäre dieser Triumph nicht drin gewesen, ist er überzeugt. „Die Leute haben uns so gepusht, dass sich im Endspiel jeder noch mal zusammengerissen und alles gegeben hat“, berichtet er. Über die anschließende Partynacht kann oder mag er allerdings nichts Konkretes erzählen. Gerüchten zufolge bewiesen an jenem 11. Januar 1997 viele Beteiligte auch beim Feiern echte Siegermentalität.

Ihren imponierenden Teamgeist trugen die Bubesheimer zwei Wochen später zur bayerischen Hallenmeisterschaft nach Würzburg. Dort hätte zum Abschluss der Gruppenphase ein Unentschieden zum Halbfinal-Einzug genügt, doch daraus wurde im Spiel gegen FT Würzburg nichts. Ein paar Monate später stieg die Mannschaft in die Bezirksoberliga auf.

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Als die SpVgg Wiesenbach einen überheblichen FC Augsburg schlug

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