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Hafenhofen

05.09.2018

Die Musik ist Familie Foags Leben

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Martin, Markus und Sandra Foag arbeiten jeden Tag gerne für die Firma.
Bild: Christian Kirstges

Die in Hafenhofen hergestellten Klarinetten und Zubehörartikel werden in die ganze Welt verkauft. Wie der Meister zu seinem besonderen Beruf gekommen ist.

Seit unsere Zeitung vor 15 Jahren zuletzt über den Betrieb des Klarinettenbauers Martin Foag aus Hafenhofen berichtete, hat sich dort viel getan. Kamen seine Kunden damals noch aus ganz Europa, so ist deren Kreis jetzt noch internationaler geworden: Vereinigte Staaten, Australien oder China. Österreich und Deutschland sind jedoch die Hauptabsatzmärkte geblieben. Fertigte er damals noch unter der Garage, so tut er dies seit wenigen Monaten in einer neu gebauten Halle. Und das auch nicht alleine: Wegen der guten Auftragslage hat der Betrieb inzwischen vier Leute.

Dazu zählt auch Sohn Markus. Der 19-Jährige kommt zwar in sein zweites Lehrjahr als Instrumentenbauer in Mittenwald, aber zu Hause hilft er mit, wann immer es geht. Gerne möchte er die Firma einmal fortführen, schließlich ist er gewissermaßen in ihr groß geworden. Und seit seinem fünften Lebensjahr spielt er selbst Klarinette und war auf einem musischen Gymnasium.

Martin Foag, 48, und seine zwei Jahre jüngere Frau Sandra freuen sich darüber. Ihr anderer Sohn interessiert sich für den Journalismus; wie er dieses Ziel verfolgt, begeistert sie ebenso. Doch ihnen ist es nicht nur wichtig, mit Markus die Zukunft des Betriebs wohl gesichert zu wissen. Um weiter Fachpersonal zu haben, bieten sie erstmals auch einen Ausbildungsplatz an. Interessenten kämen sogar aus dem Ausland, „doch uns wäre es lieber, wenn wir jemanden aus der Region hätten, der bleibt“. Bewerbungen dafür nehmen sie noch an.

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Im heimischen Keller begann das Unternehmen einst

Begonnen hatte alles 1996, als die Firma angemeldet wurde. Zuvor hatte Martin Foag sein Handwerk in Burgau erlernt und machte auch noch eine Lehre als Werkzeugmacher. Im Keller seines Vaters fing er mit dem Instrumentenbau an, 1998 ging es im Keller seines nun gebauten eigenen Hauses weiter, und 2003 wurde angebaut.

Die neue Halle ist 200 Quadratmeter groß. Die vielen Klarinetten-Varianten, die er fertigt, passen gar nicht auf die Visitenkarte des Meisters, aber hauptsächlich werden Bassklarinetten produziert. Weltweit einmalig seien seine Klarinetten aus Metall, und im nächsten Jahr soll eine Kontrabassklarinette hinzukommen. Zu seinem Beruf ist er eher zufällig gekommen, weil er selbst das Instrument spielt und weil sein Vater ihn fragte, ob er nicht selbst etwas daran machen wolle, anstatt es zur Reparatur in fremde Hände zu geben. Er wollte, schließlich interessierte er sich ohnehin für das Handwerk als Beruf.

„Musiker sind gut vernetzt“, sagt seine Frau

Seine Kunden trifft er vor allem auf Messen, oder sie hören von ihm, wenn er von Musikern weiterempfohlen wird. Das Internet ist natürlich auch hilfreich, der persönliche Kontakt sei aber nicht zu ersetzen. „Musiker sind gut vernetzt“, sagt seine Frau. Und dass er mit seiner eigenen Formation, dem Klarinettenorchester Melanoxylon – das gleichnamige Holz wird zum Instrumentenbau verwendet – viel herumkommt, ist auch nicht von Nachteil. Einige seiner Kunden sind inzwischen sogar Mitglieder des Orchesters. Am Sonntag, 16. September, ist es übrigens ab 16 Uhr bei einem Benefizkonzert bei freiem Eintritt im Kloster Wettenhausen zu hören.

Foag und seine Frau – er kommt aus Hafenhofen, sie aus Aislingen – sind aber auch oft bei Kunden, um sich die Instrumente live anzuhören. Genutzt werden sie etwa vom Bayerischen Staatsorchester, bald vom Bayerischen Polizeiorchester, von den Grazer Philharmonikern oder dem Mainzer Staatstheater. Meist gehen die Instrumente aber an Musikschulen. Gut 40 stellt er im Jahr her – alleine für eine Bassklarinette fallen bis zu 200 Arbeitsstunden an.

80 Prozent der Arbeit bleibt ein Handwerk

Vorarbeiten kann die CNC-Fräse erledigen, die im Betrieb nicht wegzudenken ist, aber 80 Prozent der Tätigkeiten bleiben Handwerk im Wortsinne. Das Mittelpreissegment breche weg, weil in Asien günstiger produziert werden könne. Doch Hochpreisiges komme weiterhin aus Deutschland. Und Österreich ist der Hauptmarkt, weil es dort nur relativ wenige Instrumentenbauer gebe. Problematisch sei, dass das benötigte Holz aus Afrika 2017 unter Schutz gestellt wurde. Es sei zwar weiter möglich, es zu verwenden, aber der Papierkram habe zugenommen. Zum Glück beziehe er die Rohware von einem deutschen Importeur.

Martin Foag stellt auch Sonderinstrumente her, beispielsweise für Musiker, die durch einen Unfall Finger verloren haben. Für einen Saxofonisten, der nur noch seinen rechten Arm hat, wurde sogar ein ganz spezielles Saxofon gefertigt.

Wichtig für die Firma sind auch Reparaturen und das Generalüberholen von Instrumenten, gerade wenn im Sommer die Orchester Pause machen. Sandra Foag hat übrigens ihr eigenes Unternehmen, das aus dem Hauptbetrieb entstanden ist: Claripad. Sie kümmert sich mit fünf Heimarbeiterinnen um eine Massenproduktion: 100000 Polster für die Klappen von Klarinetten, Fagotten und Saxofonen sind es im Jahr. Wie ihr Mann hat auch sie weltweit Kunden – in diesem Fall aber für Verschleißartikel. Für Sandra, Martin und Markus Foag ist die Musik eben ihr Leben, auch wenn die 46-Jährige weder ein Instrument spielt noch im Chor ist: „Es muss ja auch Zuhörer geben.“

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