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Krumbach

26.05.2010

Diese Radierung ist 1000 Dollar wert

1000 US-Dollar für eine Radierung: Mit dieser Grafik gewann die Krumbacherin Marianne Riß überraschend einen internationalen Kunstpreis.
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1000 US-Dollar für eine Radierung: Mit dieser Grafik gewann die Krumbacherin Marianne Riß überraschend einen internationalen Kunstpreis.
Bild: Marianne Riß (Ausschnitt)

Marianne Riß aus Krumbach fiel aus allen Wolken, als sie die Nachricht erhielt: Sie hat den mit 1000 US-Dollar dotierten "Footprint"-Kunstpreis gewonnen.

Die Zeichen auf dem in Orangetönen gehalten Werk erinnern an die Keilschrift, die das heutige Schriftverständnis mitbegründete. Aus einer anfänglichen Bilderschrift entwickelte sich im Orient vor mehr als 4000 Jahren unter anderem eine Silbenschrift und daraus die phonetische Konsonantenschrift. Die neue Technik, bei der mit einem stumpfen Schreibgriffel Keile in den noch weichen Ton gedrückt, anschließend getrocknet oder auch gebrannt wurde, war damals revolutionär.

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Riß interessiert sich für Schriftzeichen. Sie tauchen in vielen ihrer Grafiken auf, mal ergeben sie einen Sinn, mal macht sie sie unkenntlich, damit sie nicht mehr zu lesen sind. Alt sind auch die Papiere oder Stoffe, die Riß verwendet. Am besten, sie haben eine besondere Struktur. "Das reizt mich", sagt sie.

Beeindruckt von aufwendiger Technik

Kunst hat die frühere Arzthelferin mit Schwerpunkt Labor schon seit Kindesbeinen an interessiert. Ihr Vater Andreas Altstetter war Bildhauer, schon als Kind hatte sie gerne gezeichnet und Kleider entworfen. Im Gymnasium in Wettenhausen war Kunst ihr Hauptfach. Seit zehn Jahren wird radiert - die Technik hat sie nicht mehr losgelassen.

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Die Radierung ist ein Tiefdruckverfahren; tiefer liegende Bereiche einer Druckplatte werden gedruckt. Diese werden mit einer Nadel oder einem Stichel in die Platte gekratzt, geschnitten oder mit der Hilfe von Säure hineingeätzt. Zum Druck wird die Platte mit Farbe eingerieben und mit einem gazeartigen Tuch blank gewischt, wobei die Farbe in den Vertiefungen bleibt.

Kunstbegeisterter Freundeskreis

Die nötige Ausrüstung hat Marianne Riß in der Werkstatt von Josef Werner, der in Prien am Chiemsee lebt. Bei ihm trifft sich einmal im Jahr eine kunstbegeisterte Gruppe, zu der unter anderem Riß, Monika Walzer und Hilde Pressa aus Blaubeuren gehören. Werner riet den Damen, sich am "Footprint"-Wettbewerb zu beteiligen. Der Künstler, der früher ein Atelier in New York hatte, gewann im vergangenen Jahr den zweiten Preis. Für den diesjährigen Wettbewerb war das quadratische Format mit einer Größe von zwölf auf zwölf Inch vorgegeben - das entspricht knapp 30 auf 30 Zentimetern. Das Thema ist frei. Beim nächsten Wettbewerb wird die Größe ein Bruchteil dessen sein. Riß zerbricht sich jetzt bereits den Kopf. Die Radierung fordert sie heraus, sie gilt als schwieriger Kunstprozess, der viel Vorausschau und Experimentierfreude bedeutet.

Ausstellung Die Ergebnisse des Wettbewerbs sind bis Mitte August im Center for contemporary printmaking in Norwalk im US-Bundesstaat Connecticut (zwischen New York und Boston) zu sehen.



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