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Günzburg

06.04.2019

Drohnen und VR-Brillen im Unterricht

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Schüler der 9d lernen gerade die neuen VR-Brillen kennen, die das Dossenberger-Gymnasium angeschafft hat. In sogenannten Profilstunden können die Schülerinnen und Schüler selbst probieren und experimentieren.
Bild: Till Hofmann

Das Dossenberger-Gymnasium in Günzburg setzt verstärkt auf die naturwissenschaftlichen Fächer und Technik. Was das bedeutet und wie die Schule dafür bereits belohnt worden ist.

Das muss Johannes Kranz aus der 9d erst einmal alles ausprobieren. Seit wenigen Tagen sind die VR-Brillen im Dossenberger-Gymnasium. Über eine App lassen sie sich steuern beziehungsweise die Programme, die mit ihr verbunden sind. Man bekommt tiefe Einblicke in eine menschliche Zelle, kann Astronomie oder Mikroskopie betreiben. VR-Brillenträgern öffnen sich buchstäblich andere Welten.

Einige Meter weiter halten sich Schüler der 6a in einem Testklassenzimmer auf. Das ist in weiten Teilen zu einer Rennstrecke umgebaut. Blau, grün, orange leuchtende Roboterkugeln rasen auf dem Boden umher, als gäbe es kein Morgen mehr. Eine aufgestellte Rampe, die ein Vater gebaut und zur Verfügung gestellt hat, ist ein kleines Erschwernis, das die jungen Bediener der ferngesteuerten Kugeln gerne als Abwechslung einbauen.

Drohnen steuern im Wahlfach

Eigentlich heißt der Wahlkurs, für den es unter den Fünft- und Sechstklässlern am Dossenberger-Gymnasium mehr Nachfrage als Plätze gibt, „Drohnen steuern“. Die Schüler lernen mit sogenannten pädagogischen Programmiersprachen, die didaktisch entsprechend reduziert sind, den Einstieg in die Welt des Programmierens. Bessere Schüler kann sich der betreuende Mathematik- und Informatiklehrer Michael Schmid gar nicht wünschen: „Sie bauen auf und räumen wieder auf. Und ich muss nach eineinhalb Stunden am Donnerstagnachmittag regelmäßig darauf aufmerksam machen, dass ich dann doch auch irgendwann mal nach Hause möchte“, sagt er und lächelt zufrieden, weil für seine Schützlinge die Zeit wie im Flug zu vergehen scheint.

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Mathelehrer Fabian Fritz (links) und Schulleiter Peter Lang bringen das Schild „MINT-freundliche Schule“ an.

Die beiden Aktivitäten unterstreichen in den Augen von Schulleiter Peter Lang, wie sich die Schule inzwischen bemüht, ihre „zweite Säule“ zu stärken. Denn neben dem sprachlichen gibt es auch einen naturwissenschaftlich-technologischen Zweig. Welchen Weg die Schüler nehmen wollen, entscheiden sie erst mit Ablauf der siebten Klasse. Das halte sich bei den derzeit rund 850 Gymnasiasten in etwa die Waage.

Den Unterschied skizziert der Oberstudiendirektor folgendermaßen: „Im Sprachbereich sind wir gut aufgestellt, bieten durch zahlreiche Schüleraustausche die Möglichkeit, die erlernte Sprache entsprechend anzuwenden. Jetzt wollen wir die naturwissenschaftliche und technologische Seite stärker betonen“, sagt er. Diese Ausbildungsrichtung böten im Landkreis Günzburg ohnehin nur die beiden Staatlichen Gymnasien an – neben dem Dossenberger das Simpert-Kraemer-Gymnasium in Krumbach. „Wir machen bereits viel innerhalb und außerhalb der Schule, arbeiten mit Kooperationspartnern zusammen. Doch wir wollten unsere Aktivitäten besser bündeln und stärker sichtbar machen“, sagt Lang.

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik

Während dieses Prozesses fiel der 2008 gegründete Verein „MINT Zukunft schaffen“ auf. „MINT“ ist eine zusammenfassende Bezeichnung der Schul- und Studienfächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Der von Arbeitgebern gegründete Verein hat das Ziel, die MINT-Fächer zu stärken und den Fachkräftemangel in den naturwissenschaftlich-technisch orientierten Berufen verhindern zu helfen. Schirmherrin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Wirtschaftsinitiative verleiht für die Dauer von drei Jahren die Plakette „MINT-freundliche Schule“. Am Donnerstag wurde sie im Eingangsbereich des Dossenberger-Gymnasiums angebracht. „Wenn wir sie dann weiter haben wollen, müssen wir uns bewähren und entwickeln“, sagt Lang, der keinen Zweifel daran lässt, dass er genau das vorhat.

Der nächste Schritt sei eine Vernetzung verschiedener Akteure. Gedacht wird an ehemalige Schüler, die inzwischen erfolgreich in naturwissenschaftlich-technischen Berufen unterwegs sind. Dasselbe gelte für Eltern aktueller Gymnasiasten.

Schon jetzt wird begabten und leistungsbereiten Schülern vieles ermöglicht: zum Beispiel einem Schüler, der am Freitag nach der Pause freigestellt wird, damit er an der Hochschule Neu-Ulm an der Vorlesung und einer Übung teilnehmen kann.

Und zum Beispiel Alexander Imminger, Jonas Werner und Lisa Rokitte. Der 18-jährige Imminger zählte 2018 zum deutschen Nationalteam (Bereich Chemie), das in Ljubljana an der Europäischen Wissenschaftsolympiade teilgenommen hat. Der begabte Mathematiker Jonas Werner, 17, der wie Imminger vor den Abiturprüfungen steht, will ebenfalls wie er an der TU München studieren – allerdings nicht Mathe oder Chemie, sondern Ingenieurwissenschaften. Und die 17 Jahre alte Elftklässlerin Lisa Rokitte, die den sprachlichen Zweig gewählt hat, schaffte es 2019 in Runde zwei der Internationalen Chemieolympiade. Das sind Geschichten, die Lang und Fabian Fritz, dem Jugend-forscht-Koordinator an der Schule, zeigen: Der Weg passt.

Einen Kommentar dazu finden Sie hier: Bildung beflügelt

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