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22.07.2010

Ein Warnschuss ist nicht ausgeschlossen

Ein Warnschuss ist nicht ausgeschlossen

Landkreis Der Verband der Hausärzte läuft Sturm. Wenn nicht bald etwas geschehe, werde es (nicht nur) auf dem Land bald keine Ärzte mehr geben. "Das wird viele Menschenleben kosten", sagt Eberhard Mehl, der Geschäftsführer des Deutschen Hausärzteverbandes.

Ganz so drastisch äußert sich Dr. Georg Kithil, der Obmann der Günzburger Hausärzte, nicht. In Städten wie Günzburg mit guten Rahmenbedingungen und einer guten Infrastruktur sei die Lage der Hausärzte besser als in manch anderer Gegend dieser Republik. "Aber auch im Landkreis ist es in ländlichen Bereichen kaum noch möglich, einen Praxisnachfolger zu finden", erklärt der Günzburger Mediziner.

Grundsätzlich schließt sich Dr. Georg Kithil der Kritik des Hausärzteverbandes an der Kassenärztlichen Vereinigung und der schwarz-gelben Bundesregierung, von der sich viele Ärzte eine Linderung ihrer Beschwerden erhofft hatten, an. Kithil: "Die Haltbarkeit von politischen Beschlüssen entspricht in etwa der Trocknungszeit der Tinte unter den Verträgen."

Unterm Strich sei die (finanzielle) Lage so, dass man keinem jungen Kollegen empfehlen könne, sich als Hausarzt niederzulassen. Dank der vor allem mit der AOK in Bayern und Baden-Württemberg abgeschlossenen Hausarztverträge sei die Situation in diesen Bundesländern noch einigermaßen in Ordnung. Mit der vereinbarten Grundvergütung könne man ebenso leben wie etwa mit den 30 Euro für einen Hausbesuch.

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"Aber wir sind weit davon entfernt, das flächendeckend zu bekommen", so Kithil. Was geschieht, wenn die Hausarztverträge in ein bis zwei Jahren auslaufen, weiß auch kein Mensch. Kithil: "Es gibt keinerlei berufliche Planungssicherheit." Hinzu komme der Ärger mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Die überweise das Geld für Abschlags- oder Schlusszahlungen derart unregelmäßig, dass bei manchem Hausarzt Außenstände im hohen fünfstelligen Euro-Bereich aufgelaufen seien. Umgekehrt seien Ärzte heuer verpflichtet, im dritten Quartal nur so viele EKG oder Notdienste zu machen wie 2009. Notdienste sind aber schwerlich planbar. Kithil: "Wer denkt sich so etwas aus?"

Das Nachwuchsproblem - "unsere größte Sorge" - sei unter solchen Vorzeichen nicht zu lösen. "Und in den nächsten Jahren hört die Hälfte der Günzburger Hausärzte altershalber auf", erklärt Dr. Georg Kithil. Kaum besser sehe es an den Krankenhäusern aus. Deshalb schließt Kithil nicht aus, dass im August auch im Landkreis Günzburg die Hausarztpraxen mal ein oder zwei Tage geschlossen bleiben. Als eine Art Warnschuss...

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