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Günzburg

19.08.2020

Emily Rother aus Günzburg ist Europas jüngster Dressur-Stern

Das goldene Strahlen der deutschen Mädels: (von links) Emily Rother, Carolina Miesner und Clara Paschertz.
Bild: FN/Lukasz Kowalski

Plus Günzburgerin gewinnt bei der Europameisterschaft der jungen Reiter zweimal Gold. Wie die 14-Jährige das Turnier erlebt hat und was ihre Leistungsentwicklung auslöste.

Es war nicht weniger als eine Meisterleistung, die Emily Rother bei den Europameisterschaften der jungen Dressurreiter in Pilisjaszfalu ( Ungarn) abgelegt hat. Dabei ist das Mädel noch so jung, 14 Jahre erst. Und auch ihr Oldenburger Wallach Jasper ist mit seinen neun Jahren alles andere als ein Routinier. Nun sind die beiden Europameister, präziser formuliert, Doppel-Europameister.

In der Altersgruppe Children gewann die Günzburgerin zunächst zusammen mit ihren deutschen Sportkameradinnen Clara Paschertz aus Cloppenburg und Carolina Miesner aus Scheeßel Team-Gold, anschließend schnappte sie sich den Einzel-Titel. Und das mit gehörigem Vorsprung auf die ansonsten geschlossen starke Konkurrenz.

Erster Start bei Titelkämpfen

Traumhafte Atmosphäre, eine wunderbare Stimmung im deutschen Team, dazu Topform im genau richtigen Moment: In Ungarn hat einfach alles gepasst, schildert Emily Rother nach der Rückkehr ihre Eindrücke. „Es war mega“, erzählt die 14-Jährige mit leuchtenden Augen. Die Herausforderungen eines derart großen Turniers empfand sie nie als Belastung. Dabei war es ihr erster Start bei Titelkämpfen überhaupt.

Spezialisierung im Stall von Jörg Schrödter

Dass es die Schülerin des Dossenberger-Gymnasiums ohne jegliche Meisterschaftserfahrung ins deutsche U14-Team schaffte, ist angesichts der riesigen Konkurrenz im nationalen Dressursport allein schon bemerkenswert. Erstaunlich, beinahe unerklärlich ist die Leistungsentwicklung der 14-Jährigen. Zum entscheidenden Faktor wurde ihr Wechsel vom breitensport-orientierten RFV Günzburg in den Dressurstall von Jörg Schrödter in Riedheim. Diese Entscheidung bedeutete gleichzeitig eine Spezialisierung, von der die Jugendliche ein Jahr später sagt, sie sei „der beste Schritt für mich“ gewesen.

Dort begegnete die Nachwuchsreiterin auch Jasper. Der Wallach stand nach seiner Ausbildung zum Verkauf, was Emily und ihre Mutter Susanne Rother als Einladung zum Besitzerwechsel deuteten. Es ist demnach gewiss nicht übertrieben, wenn Stallbesitzer Jörg Schrödter mit einem zufriedenen Lächeln sagt, Rothers großartige Erfolge seien „auch eine große Bestätigung für uns“.

Jana Schrödter muss die EM absagen

Schrödters Tochter Jana übrigens konnte unverhofft nicht an den Titelkämpfen in Ungarn teilnehmen. Vor einem Jahr hatte sie auf Der Erbe drei EM-Goldmedaillen bei den U18-Junioren gewonnen, diesmal wollte sie es im Sattel von Frau Holle erstmals im U21-Bereich wissen. Die erst achtjährige Westfalen-Stute war heuer aus Sicht von Jörg Schrödter „ein bisschen unser Pferd der Stunde“ gewesen; Insider sprachen nach Turnier-Auftritten im Frühsommer bereits von einem „Traumpaar“. Allerdings musste Frau Holle etwa einen Monat vor dem geplanten Start in Pilisjaszfalu behandelt werden und offenbar, so schildert es Jörg Schrödter im Rückblick, griff der Tierarzt dabei zu einem falschen Medikament.

Bei Emily Rother und Jasper hingegen klappte alles vorzüglich. Falls die 14-Jährige während der Tage in der Großregion Budapest überhaupt so etwas wie Lampenfieber verspürte, schüttelte sie es mit ihrer lockeren, fröhlichen Art einfach ab.

Emily Rother: "Umsetzung schwerer als Lernen"

Dabei beginnt die Besonderheit einer Europameisterschaft ja bereits damit, dass völlig andere Aufgaben gefordert werden als üblich. Die für Laien komplizierte Abfolge einzelner Passagen im Kopf zu behalten und im richtigen Moment abzurufen, erfordert eine gehörige Konzentrationsleistung. Für Rother ist das aber kein Problem, wie sie mit einem Lächeln betont: „Das ist, als lerne man einen Text auswendig. Die Umsetzung ist jedenfalls schwerer als das Lernen.“ Im Viereck von Pilisjaszfalu gelang ihr beides auf allerhöchstem Niveau.

Bereits in der Teamprüfung hatten Rother und Jasper die Konkurrenz dominiert und mit 84,025 Prozent das beste Ergebnis aller 44 Gewerteten erreicht. Wobei die Günzburgerin ausdrücklich betont, sie habe keinerlei Führungsrolle übernommen: „Wir waren ein Team und alle gleich.“ Das Fachpublikum vor Ort beurteilte das Gesehene mit ähnlichen Worten. Denn natürlich war es auf dem Weg zu Mannschafts-Gold eminent wichtig, dass Clara Paschertz, die bereits EM-Erfahrung mit nach Ungarn brachte, auf Danubio OLD super vorlegte und mit 82,384 Prozent ein deutliches Zeichen setzte. Trainerin Caroline Roost, die den deutschen Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen in Ungarn unterstützte, lobte, die 13-Jährige habe „den anderen Sicherheit gegeben, sodass auch sie ihre Top-Leistungen abrufen konnten“. Am Ende belegte die Cloppenburgerin Platz vier in der Rangliste. Schlussreiterin Carolina Miesner ließ sich nicht unter Druck setzen und bekam von den Richtern für ihre Vorstellung mit Angelina 79,059 Prozent. Das bedeutete Platz fünf und unterm Strich Gold – und das, obwohl das deutsche Team ohne ein viertes Paar und die Möglichkeit eines Streichergebnisses angereist war.

Trainerin Caroline Roost lobt das Talent

In der Einzelaufgabe setzte Emily Rother schließlich noch eins drauf. Als vorletzte Starterin in der Konkurrenz erzielte sie 86,145 Prozent und war nicht mehr einzuholen. Roost urteilte nach dem Auftritt der Günzburgerin: „Sie ist eine sehr gefühlvolle Reiterin. Sie ist mutig nach vorne geritten und hat die Stärken ihres Pferdes herausgestellt.“

Trotz des Erreichten: Der Weg in die Eliteklasse des Dressursports ist noch sehr weit für Emily Rother. Sie gibt sich da keinerlei Illusionen hin und sagt bescheiden: „Mein nächstes Ziel ist, gut in die Junioren-Tour, also in die Altersklasse U18 zu kommen. Der Umstieg ist schwer und die Konkurrenz in Deutschland sehr stark.“

Ergebnisse

U14 Einzel 1. Emily Rother (Deutschland) auf Jasper 86,145; 2. Clara Paschertz (Deutschland) auf Danubio OLD 81,355; 3. Maura Knipscheer (Niederlande) auf Amaretto 80,940; 4. Kebie Raaijmakers (Niederlande) auf Happy Feet 80,051; 5. Valeria Bader (Österreich) auf Vemmetofte Roscoe 79,554

U14 Mannschaft 1. Deutschland mit Clara Paschertz auf Danubio OLD, Emily Rother auf Jasper, Carolina Miesner auf Angelina 245,468; 2. Niederlande mit Veerle Farla auf Formidable, Maura Knipscheer auf Amaretto, Kebie Raaijmakers auf Happy Feet 245,201; 3. Frankreich mit Anna Dupuy Pelardy auf Hilario Saint H, Stella Briand auf U2 Jass du Derby, Eloise Thomas auf Kind of Magic Fast 217,376

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