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Beobachtungen in der Volkssternwarte

16.06.2011

Erlebnis Mondfinsternis: Ganz weit fernsehen

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2 Bilder
Dichtes Gedränge herrschte um die Teleskope der Volkssternwarte Gundremmingen. Im Fokus stand die Mondfinsternis, ersatzweise die Sonne und der Saturn.
Bild: Fotos: Sandra Kraus

Auch wenn sich das Objekt der Begierde meistens hinter den Wolken versteckt, genießen die Besucher in der Volkssternwarte Gundremmingen einen Abend unter Sternen

Gundremmingen Richtig voll war es in der Sternwarte Gundremmingen. Jung und Alt drängten sich um gewaltige Teleskope und einfache Feldstecher. „Fernsehen“ war angesagt, anstatt Tagesschau die totale Mondfinsternis um 21.22 Uhr. Doch das Objekt der Begierde, um das es ging, zeigte sich nur wenige Minuten, dann schloss sich der Wolkenvorhang um das Naturschauspiel auch schon wieder.

„Einfach schön“, urteilte eine Besucherin nach einem genauen Blick durch das 35 Zentimeter dicke Spiegelteleskop. In einem warmen Rotlicht, sanft marmoriert, schimmerte der Mond. Kein kaltes Vollmondlicht erhellte die Nacht, sondern ein bereits komplett verfinsterter Mond ging im Südosten auf. Da entzog er sich allerdings noch den neugierigen Blicken hinter einer Wolkenbank. Wie eine scheue Leinwanddiva präsentierte sich der Erdtrabant dann für ein Viertelstündchen, bevor er sich hinter eine Wolkenfront aus Westen zurückzog. Dabei hätte Luna, wie die alten Römer den Mond und die gleichnamige Mondgöttin nannten, von der planetarischen Konstellation her eine Stunde und 40 Minuten Zeit gehabt, als Blutmond am Nachthimmel zu stehen!

Langweilig war es in der Volkssternwarte trotzdem nicht. Vorsitzender Walter Reim stellte am Modell die Planeten des Sonnensystems vor. Begeistert merkten sich die vielen Kinder den einfachen Spruch: „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag den Nachthimmel.“ Jeder Wortanfangsbuchstabe steht dabei für einen Planeten: Merkur, Venus, Erde, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun, in der Reihenfolge ihrer Nähe zur Sonne. Nicht ganz so gut waren die Kids beim Zahlenschätzen. Mit dem Auto zum Saturn fahren dauert 1450 Jahre, Sonnenlicht braucht bis zur Erde acht Minuten, Sternenlicht dagegen mindestens vier Jahre und ein Mond in Tischtennisball-Größe ist vom Maßstab her vier Meter von der Erde entfernt. Eine Computeranimation der Mondfinsternis, die immer dann auftritt, wenn sich der Vollmond im Schatten der Erde befindet, also Sonne-Erde-Mond auf einer Geraden liegen, hatte Rudolf Dudichum vorbereitet.

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Saturn zeigt sich

Die allerersten Besucher konnten noch einen Blick durch das Linsenteleskop auf die untergehende Sonne mit den gerade sichtbaren Sonnenflecken erhaschen. Ausgiebig Zeit blieb für die Beobachtung des Saturns, der in seiner Position hoch oben am Nachthimmel – von den Wolken unbehelligt – den Blick auf seine Ringe freigab. Geübte Sterngucker finden den Planeten auch mit einem Feldstecher.

„Das Licht der Planeten flackert nicht wie das der Sterne“, gibt Franz Keller einen Tipp. Gegen 23 Uhr wurde in der Sternwarte zusammengepackt. „Das wird nichts mehr“, meinte Rudolf Dudichum, der dieses Mal auf ein Foto durch eines der Teleskope verzichten musste. Bis die vielen Gäste einmal geguckt hatten, war es auch schon wieder vorbei mit dem freien Blick auf den Mond. Der zeigte sich dafür auf der Heimfahrt am Nachthimmel über Günzburg. Keine Wolke stand im Weg.

Irgendwie hatte 2. Vorsitzender Franz Keller also doch recht behalten. Auf die gleich zu Beginn gestellte Reporterfrage, wie man eine Mondfinsternis am besten beobachtet, antwortete er: „Mit einem Feldstecher, von zu Hause aus!“

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