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Günzburg

20.10.2019

Erste Nacht der Kirchen in Günzburg kommt gut an

In der ersten Ökumenischen Nacht der Kirchen in Günzburg konnte amTurm der Kirche St. Martin geklettert werden.
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In der ersten Ökumenischen Nacht der Kirchen in Günzburg konnte amTurm der Kirche St. Martin geklettert werden.
Bild: Peter Wieser

Die Resonanz der ersten ökumenischen Nacht der Kirchen ist groß. Einige Besucher erklettern sogar die Wand des Kirchturms von St. Martin.

Was bewegt einen dazu, den Kirchturm der Günzburger Pfarrkirche St. Martin zu besteigen? Nicht innen, sondern außen. „Ich geh’ die Wand hoch“, so lautete eine der Veranstaltungen am Freitag bei der Ersten Ökumenischen Nacht der Kirchen in Günzburg. Das Programm dazu hatten die katholische Kirche, die evangelische Kirche und das Christliche Zentrum Günzburg gemeinsam zusammengestellt. Das reichte von Beten, Besinnung und Meditation über Konzert und literarischer Lesung bis hin zu Singen, Tanzen, und eben Klettern – die Kirche einmal anders sehen und an sieben verschiedenen Orten: Heilig Geist, St. Martin, der Frauenkirche, der Auferstehungskirche, der Spitalkirche, der Hofkirche und dem Christlichen Zentrum. „Überlegungen, die aus der Begeisterung über den ökumenischen Kirchtag und aus vielen weiteren ökumenischen Begegnungen entstanden sind“, nennt es Günzburgs Stadtpfarrer Christoph Wasserrab.

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Noch einmal zurück zum Kirchturm und warum man an diesem hochsteigt. Als Ministrant sei man doch geradezu verpflichtet, die Wand hochzugehen, und der Kirchturm sei eben cooler als der Apfelbaum zuhause, sagen Elisabeth und Johannes, beide Ministranten in St. Martin. „Ich hab’ gerade Lust darauf gehabt, und einen Kirchturm bin ich auch noch nicht hinaufgeklettert“, verrät Iris Gollmitzer, Lehrerin am Dossenberger-Gymnasium in Günzburg. Einen Applaus für die Kirchturmkletterer gibt es von den Zuschauern, die das Ganze mitverfolgen, ebenfalls.

Ein Meer aus Kerzen in der Kirche St. Martin

In der Kirche St. Martin selbst herrscht Stille. Ein Meer aus Kerzen verleiht den Innenraum eine Atmosphäre der Ruhe und Besinnung. „Chillen mit Anselm“ – Elisabeth Chiwona hat Texte von Anselm Grün gelesen: „Das Glück beginnt in dir. Gute Gedanken für jeden Tag.“ „Es hat das Herz berührt, es ist bei den Menschen angekommen“, erzählt sie. Elfi Schenker hat ebenfalls daran teilgenommen und bestätigt: „Alle sind total zur Ruhe gekommen.“ Und es seien auch Leute mit dabei gewesen, die nicht regelmäßig zur Kirche gingen. „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, hat der ökumenische Kirchenchor zuvor in der evangelischen Auferstehungskirche gesungen. „Da ist ja richtig was los“, sagt ein Besucher überrascht. Schauspieler aus der evangelischen Kirchengemeinde haben in der nahezu vollbesetzten Kirche ein Theaterstück aufgeführt.

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Schauspieler aus der evangelischen Kirchengemeinde haben ein Theaterstück aufgeführt. Pfarrer Alexander Bauer hat es geschrieben. Es handelt von der Entstehung des Liedes, in einer Zeit, in der in der westfälischen Stadt Unna die Pest, Verzweiflung und Ungewissheit herrschten, und in der durch Pfarrer Philipp Nicolai ein Loblied der Hoffnung, des Lichtes und der Liebe Gottes entstand.
Bild: Peter Wieser

Pfarrer Alexander Bauer hat es geschrieben. Es handelt von der Entstehung des Liedes, in einer Zeit, in der in der westfälischen Stadt Unna die Pest, Verzweiflung und Ungewissheit herrschten, und in der durch Pfarrer Philipp Nicolai ein Loblied der Hoffnung, des Lichtes und der Liebe Gottes entstand.

Ein Dank geht an die vielen Helfer

„Es ist toll, was an diesem Abend auf die Beine gestellt wird. Ohne die vielen „kleinen Helferlein“ wäre das nicht möglich“, bemerkt Michael Wallraven, Kirchenpfleger in der evangelischen Kirche, der zusammen mit seiner Frau Carmen am Eingang der Heilig Geist-Kirche Liedtexte verteilt. „Spiritual Sound“, so lautet der Titel der Big Band der Städtischen Musikschule Günzburg. Big Band einmal etwas anders: Danken für das, was man geleistet habe und was vor einem liege, so Pfarrer Friedrich Martin, der in der Big Band selbst an der Posaune sitzt. So heißt auch das erste Stück: „Danke für diese Abendstunden“.

Spiritual Sound, so lautete der Titel der Big Band der Städtischen Musikschule Günzburg, die in Heilig-Geist spielte.
Bild: Peter Wieser

„Die Leute zum Mitsingen bringen und fröhlich sein“ nennt es Leiter Joe Gleixner. Spätestens nach „Don’t know why“ und der Stimme von Lea Larasser folgen die Zuhörer dem, zu „Komm, sag es allen weiter“, nach dem Spiritual „Go, tell it on the Mountains“, klatschen sie begeistert mit und verlangen sogar nach einer Zugabe.

Geschichten am Lagerfeuer bei der Heilig-Geist-Kirche

Etwa eine halbe Stunde dauern die einzelnen Veranstaltungen. Danach bleibt ungefähr die gleiche Zeit, um zur nächsten, in eine der anderen Kirchen, zu gelangen. Die Auswahl ist groß und reicht vom Nikodemus-Dialog in der Auferstehungskirche, „Gott mit Liedern loben“ im Christlichen Zentrum oder Geschichten am Lagerfeuer bei der Heilig Geist-Kirche, beides veranstaltet vom Christlichen Zentrum Günzburg, bis hin zu Konzerten in der Hofkirche oder „Zeit für Ruhe“ in der Spitalkirche. Sogar auf den Dachboden der Frauenkirche geht es hinauf, an Orte, die ansonsten nur wenig zugänglich sind.

„Holy shit! Was glaubst denn Du?“ So heißt es gegen 22 Uhr in der Frauenkirche noch einmal beim Poertry Slam von Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums. „Was glaubst denn Du“, das sei immerhin eine Frage die man sich bereit im fünften Jahrhundert vor Christus gestellt habe, bemerkt Vikarin Miriam Pieczyk. Die Antwort darauf geben die Slammerinnen: Das Entscheidende sei, ob man glaube, wie man glaube und was man glaube. Die Herzen schlügen gleich, die einen für Gott, die anderen für Allah, die anderen für Jahwe. Aber: Terror habe keine Religion.

Bereits während der ersten beiden Stunden habe man bei der Ersten Ökumenischen Nacht der Kirchen etwa 550 Besucher gezählt, erklärt Pfarrer Friedrich Martin. Zuvor hatte er schon betont: „Ich bin überwältigt von der großen Resonanz.“

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