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14.05.2019

Europawahl: Günzburgs jüngste Partnerschaft hat älteste Wurzeln

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Auch musikalisch haben sich Günzburg und Sternberk schon ausgetauscht: Der Musikverein Wasserburg gab dort bereits ein Gastspiel unter freiem Himmel.

Offiziell ist Sternberk erst seit sieben Jahren mit Günzburg verbunden. Tatsächlich bedeutet die Stadt in Tschechien aber für viele längst ein Stück Heimat.

Ende 2011 war es so weit: Nach Lannion in der Bretagne und Neustadt in Sachsen bekam Günzburg seine dritte Partnerstadt, Sternberk in Tschechien. Doch die jüngste Partnerstadt der Großen Kreisstadt ist schon viel länger mit der Stadtgeschichte verbunden – und für einige Günzburger bedeutet sie tatsächlich sogar ein Stück Heimat. Auch Manfred Proksch, der Vorsitzende des Günzburger Partnerschaftskomitees, hat Verbindungen zu der tschechischen Stadt: „Meine Eltern stammen aus Jägerndorf, etwa 50 Kilometer von Sternberk entfernt“, erklärt Proksch. Aus diesem Grund war es für den Günzburger Stadtrat auch selbstverständlich, sich im Komitee einzubringen, als im September 2011 zuerst im Sitzungssaal des Günzburger Rathauses und im November dann im Schloss Sternberk die Urkunden für die Städtepartnerschaft unterzeichnet wurden.

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Sternberger Heimatstube wandert wieder nach Sternberk zurück

Von Sternberk nach Günzburg und wieder nach Sternberk zurück – diese Reise hat in der Vergangenheit ein ganzes Zimmer absolviert. Die Sternberger Heimatstube, ein Raum voller Gegenstände, stellte lange Zeit im Günzburger Heimatmuseum ein Stück Heimat für die Menschen dar, die aus Sternberg und Umgebung nach Günzburg gekommen waren und hier sesshaft wurden. Doch die Menschen, die sich um diese Erinnerungen kümmerten, wurden weniger, erinnert sich Proksch. „Der Sternberger Heimatverein stand vor der Auflösung, der Nachwuchs fehlte – aber die Verbindungen zu der tschechischen Stadt waren da. Sie sollten nicht verloren gehen.“

Ausstellung im alten Augustinerkloster

Und auch die Gegenstände aus dem Heimatmuseum – darunter ein großes Modell des alten Sternberg – sollte nicht verschwinden. Da passte es gut, dass auch auf tschechischer Seite ein rühriger Vorsitzender des „Vereins zur Verbesserung der tschechisch-deutschen Verbindungen“ sitzt: Willi Zlamal. „Er ist der Motor der Partnerschaft auf der tschechischen Seite“, lobt Proksch den engagierten Lehrer. „Durch ihn ist wirklich eine herzliche Verbindung entstanden, er bemüht sich sehr um die Geschichte der Deutschen in Sternberg.“

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Zlamal engagiert sich außerdem für die Sanierung eines ehemaligen Augustiner-Klosters im Ort, das nach und nach wiederhergestellt wird. Hier haben die Gegenstände aus der Sternberger Heimatstube in Günzburg einen neuen Platz gefunden und werden ausgestellt.

Austausch mit Günzburg: Tränen beim Abschied

Doch die Partnerschaft mit Sternberk soll mehr sein als eine Erinnerung an frühere Zeiten – Manfred Proksch ist deshalb wichtig, dass inzwischen mit der Dominikus-Zimmermann-Realschule Günzburg und der Montessori-Schule auch Schüleraustausche zwischen den beiden Städten stattfinden. „Das hat hervorragend geklappt“, sagt Manfred Proksch: Mit Englisch als Verständigungssprache und viel Harmonie seien die jeweiligen Aufenthalte der Schüler in Deutschland und Tschechien vorüber gegangen, „und am Schluss flossen Tränen beim Abschied.“ Auch einen ersten Arbeits-Austausch gab es schon, als Willi Zlamals Enkelin mit ihrer Freundin zur Ferienarbeit ins Legoland kam. Untergebracht waren die beiden jungen Frauen in Gastfamilien. Proksch: „Den beiden hat es so gut gefallen, dass sie dieses Jahr wieder kommen wollen.“

Praktikantinnen aus Sternberk im Legoland

Für die Zukunft der Partnerschaft wünscht sich der Komiteevorsitzende mehr solcher Austausche – gerne auch in die andere Richtung. „In Sternberk gibt es beispielsweise ein Unternehmen, das Militärfahrzeuge überholt – sicher auch ein spannender Praktikumsplatz für junge Leute aus Günzburg.“ Durch die städtischen Kontakte hätten aber vor allem viele ältere Günzburger die Chance genutzt, die alte Heimat ihrer Familien kennen zu lernen. Jetzt im Mai sei wieder eine Reisegruppe nach Sternberk unterwegs, Bürgermeister Orság Stanislav wird die Günzburger empfangen.

Die tschechische Stadt Sternberk ist seit 2012 Partnerstadt von Günzburg. Unser Bild zeigt die Mitglieder des Günzburger Komitees mit dem Bürgermeister der Stadt Sternberk, Orság Stanislav, und dem Präsidenten des Sternberker Komitees, Willi Zlamal.

Und vielleicht geht auch noch ein weiterer Wunsch von Proksch in Erfüllung, Europa in Günzburg ein Stückchen näher zusammen zu rücken: „Wenn wir unser zehntes Jubiläum der Partnerschaft feiern, hat Günzburg auch Jubiläum mit seiner Partnerstadt Lannion in Frankreich“, sagt der Vorsitzende. „Wenn wir es schaffen, dass sich die Vertreter der drei Städte aus diesem Anlass treffen – am Besten natürlich hier in Günzburg – wäre das eine tolle Sache.“

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