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Günzburg

06.11.2019

Günzburg hat ein Taubenproblem

Turtelnde Tauben sitzen auf einem Dach hoch über der Hofgasse in Günzburg.
Foto: Bernhard Weizenegger

Taubenkot in den Gassen und bettelnde Vögel beim Essen auf dem Marktplatz schaffen Ärger in der Günzburger Altstadt. Jetzt startet die Stadt einen neuen Versuch, das Problem in den Griff zu bekommen.

Wäre die Schulklasse, die sich am Anfang der Stadtratssitzung noch im Besucherraum des Sitzungssaals drängelte, doch nur ein wenig länger geblieben: Punkt Nummer sieben der Tagesordnung entpuppte sich nämlich als wahres Füllhorn des Wissens. Das Thema? Es ging um Taubenkot. Ein Thema, in das sich nicht nur Oberbürgermeister Gerhard Jauernig offenbar eingearbeitet hatte.

Genauer gesagt, geht es um Nasskot – den ersten Fachbegriff aus dem Bereich der Geflügelbekämpfung, den es an diesem Abend zu lernen gab. Diese Hinterlassenschaften machen nicht nur Anwohnern in der Günzburger Innenstadt wie CSU-Stadtrat Stefan Baisch zu Schaffen. Weswegen er auch den Anstoß zur Diskussion gegeben hatte. „Es gibt Gassen in unserer Altstadt, durch die mag man gar nicht mehr laufen, weil dort überall Taubenkot liegt.“ Die Exkremente griffen außerdem die historischen Fassaden der Altstadt an, fräßen sich in den Stuck. Auch beim Essen am Marktplatz fielen die Taubenschwärme als lästige Bettler am Tisch auf.

Ein eigener Taubenschlag soll dabei helfen, die Paare zu reduzieren

Erste Maßnahmen gegen die ungebetenen gefiederten Gäste in den Gassen Günzburgs hat die Stadt schon getroffen: Im Dossenbergerhaus gibt es seit 2015 einen Taubenschlag, in dem die Tiere aktiv gefüttert werden. (Lesen Sie dazu auch: Geburtenkontrolle mit dem Gips-Ei) Wohlgemerkt nicht, damit sich die Zahl der Tiere erhöht. Die Fütterung dient dazu, die Tiere zum Nisten zu animieren – um die gelegten Eier dann durch Duplikate aus Holz auszutauschen und so das Schlüpfen des Kot produzierenden Nachwuchses zu verhindern.

Die Population könne dadurch um etwa 40 Paare verringert werden. „Das erspart in etwa 400 bis 500 Kilogramm Nasskot pro Jahr“, informierte der Oberbürgermeister das Gremium. Doch das reicht noch nicht. Jauernig kündigte an, dass die Stadt einen weiteren Standort für einen solchen Taubenschlag suche – eventuell könnte das Heimatmuseum eine Möglichkeit sein.

Ab sofort gilt: Tauben Füttern verboten!

Damit die Tauben sich in der Günzburger Altstadt weniger wohlfühlen, sind vielerorts auch Gitter mit Drahtspitzen angebracht worden. UWB-Stadtrat Hans Kaltenecker hatte sich ebenfalls gut auf das Thema vorbereitet und steuerte den Begriff des „Vergrämers“ zur Wissenssammlung bei. So heißen die Drahtgestelle nämlich. Außerdem hatte Kaltenecker recherchiert, dass die gezielte Fütterung der Tauben auch eine Veränderung der Zusammensetzung des Nasskots zur Folge habe: Der werde dadurch weniger aggressiv.

Doch diese Maßnahmen alleine werden nicht reichen, um der Günzburger Taubenplage Herr zu werden. Einstimmig hat der Stadtrat deswegen den flatternden Plagegeistern den Kampf angesagt und eine Verordnung erlassen. Verwilderte Tauben dürfen demnach im gesamten Stadtgebiet nicht mehr gefüttert werden – außer eben durch die Stadt mit speziellen Ködern.

Wer trotzdem füttert, riskiert ein Bußgeld

Wer es dennoch tut, riskiert eine Geldbuße. Die muss auch bezahlen, wer das Beseitigen von Nistplätzen oder die Vergrämung verwilderter Tauben nicht duldet.

In diesem Zusammenhang gab es noch mal etwas zu lernen für die Stadtratsmitglieder: Manfred Proksch (Freie Wähler) berichtete nämlich von einem kleinen Abenteuer, das er zusammen mit Ordnungsamtsleiter Georg Weishaupt und der Günzburger Feuerwehr jüngst nach einer Sitzung erlebte: „Als ich auf den Rathausplatz kam und zum Finanzamt hinüber schaute, hatten sich dort schon ein paar Leute versammelt“, erzählte Proksch. Den Grund sah er gleich darauf mit eigenen Augen: In der neu gestalteten Fassade erschienen immer wieder Lichtblitze. „Ich habe Herrn Weishaupt gleich dazu gerufen, auch er konnte sich das nicht erklären. Schließlich kam dann die Feuerwehr.“

Die Fachleute hatten dann auch die Erklärung für das Phänomen parat: Seit dem Umbau des Schlossflügels verfügt das Finanzamt über eine hochmoderne Taubenschreckanlage, die mithilfe der Lichtblitze die Vögel vergraulen soll. Große Heiterkeit bei den Stadtratsmitgliedern, und dazu die Gewissheit: Wieder was gelernt. (rjk)

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06.11.2019

Die "Ratten der Lüfte", als die Tauben von der Lobby der Schädlings(!)bekämpfer ebenso sinnfrei wie erfolgreich diffamiert werden - das Symbol des Friedens, der Liebe und des Heiligen Geistes...

Zum Thema "Materialschäden an Gebäuden":
Es ist erwiesen, daß Taubenkot nicht materialschädigend ist (TU Darmstadt, Prüfungsbericht Nr. 195.04 vom 26.08.2004) und daß von Tauben keine größeren gesundheitlichen Gefahren ausgehen, als von anderen Vögeln und Tieren auch.
Man denke an die Winterfütterung von unseren putzigen gefiederten Gartenbewohnern...

Und zum Thema "Abwehrmaßnahmen":
Gebäude werden mit Vergrämungsmaßnahmen gegen Straßentauben versehen: i. d. R. werden Stacheln oder Netze verwendet.
Manche Maßnahmen, die zur Taubenabwehr eingesetzt werden, sind nur wenig wirksam gegen Straßentauben. Unerwünschte Nebenwirkungen zeigen sie aber mitunter bei den geschützten Wildvogelarten. Netze und Stacheln an Fallrohrknicken und an Balkonen werden vor allem von schnell fliegenden Arten wie Schwalben und Mauerseglern nicht wahrgenommen. Die Vögel verfangen sich in den Netzen oder verletzen sich beim Verlassen des Nistplatzes an den Stacheln. Zudem versuchen Tauben oft dennoch auf den mit Stacheln versehenen Vorsprüngen zu brüten, was zu Verletzungen und Verkrüppelungen an den Füßen führen kann – und eine kranke Taube wird noch weniger akzeptiert als eine gesunde Taube! Taubengroße Gebäudebrüter wie Dohlen und Turmfalken leiden außerdem unter den gegen Straßentauben gerichteten Aussperrungsmaßnahmen an Kirchtürmen - sie verlieren dadurch ihre Nistplätze.

Wildvogelfreundliche Maßnahmen zur Taubenabwehr sind genauso wirksam, gefährden jedoch nicht die geschützten Wildvogelarten. Zu ihnen zählen:

Gitter statt Nylonnetze
Scheitelbleche statt Stacheln
Schwingdrähte statt Stacheln

Quelle: Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) e. V. München

Taubenmanagement:
Modellprojekte in Augsburg, Erlangen und Berlin (und unzähligen anderen Städten) zeigen, dass auf diese Weise das Taubenproblem gezielt, nachhaltig, umweltschonend und tierschutzgerecht angegangen, die Gebäudeverschmutzung reduziert und der Taubenbestand in wenigen Jahren um ein Drittel reduziert werden kann. Ziel sollte keine Vernichtung, sondern ein kleiner gesunder Taubenbestand sein, denn auch Stadttauben zählen zur Artenvielfalt unserer Siedlungen.
(NABU Berlin)

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