1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Im Einsatz auf dem Wasser und gegen das Feuer

Ettenbeuren

14.09.2019

Im Einsatz auf dem Wasser und gegen das Feuer

Ein Großbrand in einem Rieder Sägewerk forderte alle Einsatzkräfte der Ettenbeurer Wehr.
Bild: Feuerwehr Ettenbeuren

Vor 150 Jahren wurde die Feuerwehr Ettenbeuren gegründet. Sie war eine der ersten in Bayern. Jetzt wird das Jubiläum gefeiert.

Ettenbeuren Auf eine lange Geschichte kann die Feuerwehr von Ettenbeuren blicken: Die Wehr wurde bereits 1869 gegründet, also drei Jahre vor der Reichsgründung, mit der die Systematik der preußischen Verwaltung und auch die Pflicht, eine örtliche Feuerwehr einzurichten, in Bayern noch keinen Bedeutung hatte. So eilt Ettenbeuren nun vielen befreundeten Feuerwehrvereinen voraus, die nach 1872 installiert wurden.

150 Jahre Einsatz für die örtliche Gemeinschaft und weit über deren Grenzen hinaus. Auch wenn sich das Einsatzgebiet verändert hat, die Brandbekämpfung im differenzierten Pflichtprogramm nur noch eine Leistung von vielen darstellt, gelten im Kreis der Feuerwehrleute noch immer die gleichen Tugenden, fordern die gleichen Opfer. Verzicht auf Freizeit, selbstloser Einsatz, Weiterbildung, Selbstdisziplin und das blinde sich aufeinander Verlassenkönnen, das eine bedingungslose Kameradschaft erfordert.

Eine der Top-Wehren im Landkreis

In 150 Jahren können solche Ansprüche nicht dauerhaft auf höchstem Niveau erfüllt werden. Um so erfreulicher ist es, dass die Ettenbeurer Wehr seit Jahr und Tag zu den Top-Wehren im Kreis zählt und sich immer wieder mit außergewöhnlichen Leistungen hervortut. Selbstverständlich stehen dabei die originären Aufgaben der Feuerwehr an ersten Stelle: Retten, Löschen, Bergen, Schützen. Mit ihren Sonderausstattungen sind die Feuerwehrler aus Ettenbeuren immer wieder in weitem Umkreis gefragt. In den 1970er Jahren, erinnert sich Helmut Untersehr, damals ein Jugendlicher, heute der Erste Kommandant, war die Wehr eine der gefragtesten Einsatztruppen zur Sommerzeit.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Auch eingefrorene Gänse auf Seen dürfen auf Hilfe zählen.
Bild: Feuerwehr Ettenbeuren

Denn sie hatte eines von nur drei Heuwehrgeräten im Landkreis. Diese technische Neuheit konnte den gefürchteten Heustockbränden vorbeugen und auch schon glimmende Ernten löschen. Schon zum 125-jährigen Bestehen der Ettenbeurer Wehr konnte der damalige Kommandant und Heuwehrleiter Hubert Krimbacher auf 50 erfolgreiche Einsätze in Heustadeln verweisen. Erst mit der Umstellung auf Heulagerung in Pressballen war die Brandgefahr in den Heustöcken beendet.

Die Ortsfeuerwehr kann auf 75 Aktive zählen, davon sind 16 unter 18 Jahre alt, erklärt Untersehr. Über Personalmangel und Nachwuchssorgen jammern, das kennt die Ettenbeurer Wehr schon seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr.

Was ist die Basis für eine erfolgreiche Feuerwehrarbeit?

Die Harmonie und Kameradschaft in der Wehr, sind sich Kommandant Untersehr und Vereinsvorsitzender Harald Heidmüller einig, sind die beste Basis für eine erfolgreiche Feuerwehrarbeit. Starke Gruppen können auch während der Arbeitszeiten ausrücken. „Mitarbeiter von ortsansässigen Firmen, die in ihrem Wohnort Feuerwehrler sind, wurden für Einsätze in unsere Feuerwehr integriert. So können wir im Notfall bis zu 30 Einsatzkräfte stellen.“ 23 Aktive sind ausgebildete Atemschutzgeräteträger. Die Wehr, sagt Untersehr stolz, ist perfekt ausgerüstet, vom Ölwehr-Anhänger, einer Wärmekamera, über den Rettungsrucksack bis hin zu Spreizer und Schere verfügt die Wehr über alle notwendigen Geräte.

Gerade wird wieder einmal ein Anbau für neue Stellplätze geplant. Mit regelmäßigen Übungen und Prüfungen bleibt die Truppe auf einem soliden Ausbildungsstand. Den brauchen die Leute, denn das Aufgabengebiet hat sich seit den 150 Jahren Feuerwehr Ettenbeuren grundlegend verändert, auch wenn noch immer zahlreiche Brände gelöscht werden müssen. Untersehr erinnert an den Feuerteufel, der von 2007 bis 2010 alle in Atem hielt, an den Brand auf dem Wettenhauser Klostergelände oder dem Großbrand im Sägewerk Ried. Doch die Arbeit hat sich verändert, vor allem in den letzten Jahrzehnten, in denen die Feuerwehr immer häufiger zu technischen Hilfeleistungen ausrückt: Sturmschäden, Hochwasser, Vermisste, Tiere in Not gerufen werden.

Mit dem Boot ausrücken gehört bei Ölunfällen mit zur Arbeit.
Bild: Feuerwehr Ettenbeuren

Es gibt auch schöne Einsätze für die Gesellschaft

Stets kommt die Feuerwehr und hilft. Unfälle, auch mit Schwerverletzten oder gar Toten, gehören leier auch zur Arbeit der Ettenbeurer Wehr, deren Aktive deshalb auch mit traumatischen Situationen fertig werden müssen. Aber es gibt auch schöne Einsätze für die Gesellschaft. Mit dem Maibaumstellen oder dem Absichern von Umzügen und Straßenfesten leisten die Mitglieder der Feuerwehr außerdem einen wichtigen Beitrag für eine funktionierende Gemeinschaft.

An diesem Wochenende sind es nun die Feuerwehrleute selbst, die feiern und sie hoffen, dass das ganze Dorf mitfeiert. Für den Nachwuchs steht der Samstagabend mit fetziger Mallorca-Party im Zelt hinter dem Feuerwehrhaus auf dem Programm. Am Sonntag dann wird es feierlich. Alle Wehren aus den Inspektionsbereich sind eingeladen, dazu einige, mit denn sich die Ettenbeurer besonders verbunden fühlen. „Bis jetzt haben rund 40 zugesagt,“ berichtet Helmut Untersehr. Das ergibt einen berührenden Fahnenzug zum Festzelt, wo nach dem Gottesdienst bei Mittagstisch und Sonntagskaffee geschlemmt wird – hoffentlich ohne Unterbrechung durch Einsätze.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren