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Günzburg

20.02.2018

„Jugend forscht“ in Günzburg: Von Schweineblut bis Glyphosat

Schülerinnen experimentieren: Das Foto zeigt (von links) Anna Reich, Svenja Mayr, Julia Staib, Katharina Kohl und Sonja Hermann.
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Schülerinnen experimentieren: Das Foto zeigt (von links) Anna Reich, Svenja Mayr, Julia Staib, Katharina Kohl und Sonja Hermann.
Bild: Bernhard Weizenegger

Fünf Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums nehmen an dem Wettbewerb teil. Und bei den Experimenten geht es mitunter haarig zu.

Was haben Brennnesseltee, Glyphosat, Pflanzen aus dem Wald und Henna als Haarfärbemittel gemeinsam? Diese Dinge sind Bestandteil von Versuchen für den Wettbewerb „ Jugend forscht“, der am Mittwoch und Donnerstag stattfindet. Er wurde ins Leben gerufen, um junge Menschen für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Fünf Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums Günzburg haben sich das zu Herzen genommen und treten mit unterschiedlichen Ideen bei dem Wettbewerb an.

Für Svenja Mayr, 17, Anna Reich, 18, und Julia Staib, 17, aus der zwölften Klasse geht es nicht nur um die Teilnahme am Nachwuchswettbewerb, sondern auch um ihre Seminararbeiten. Im Rahmen ihres W-Seminars haben sie über ihre Forschungen Berichte verfasst, welche benotet werden. Betreut werden die fünf Mädchen von der Biologielehrerin Judith Schimana-Pfeifer. Doch mit welchen Ideen wollen sie die Juroren bei dem Wettbewerb überzeugen?

Die 17-jährige Svenja Mayr stellt die Frage, ob Brennnesseltee ein Wundermittel für die Schönheit ist. Es habe in der neunten Klasse einen Vortrag über Naturheilkunde gegeben und die Referentin hat erzählt, dass Brennnesseln gegen unreine Haut helfen. Svenja hat das kurzerhand selber ausprobiert, indem sie Brennnesseltee trank und war erstaunt von dem Selbstversuch; „Mir hat es wirklich geholfen.“ Für ihre Forschung hat sie acht Mitschülerinnen ausgesucht. Diese sollten im Zeitraum von einer Woche jeden Tag eine Tasse Brennnesseltee trinken. Hinzu kamen Fragebögen, die sie jeden Tag ausfüllten. Dabei ging es um ihre Haut, Haare und das allgemeine Befinden. „Bei allen hat sich die Haut verbessert, sie haben sich wohler gefühlt und manche haben sogar etwas abgenommen.“

Wie beeinflussen Chemikalien die Haarfärbung mit Henna?

Der Forschungsgegenstand von Anna Reich hat ebenfalls etwas mit Kräutern zu tun. Doch die 18-Jährige hat sich nicht mit Schönheit befasst, sondern mit der Auswirkung von Pflanzen auf die Wundbehandlung. Dabei ging es in ihrem Versuch ganz schön blutig zu. „Ich habe Schweineblut mit Citrat versetzt, was die Blutgerinnung hemmt“, erklärt die 18-Jährige. Dann hat sie aus verschiedenen Pflanzen einen Saft hergestellt und das dem Schweineblut hinzugegeben. Sie fand heraus, dass „die schnellste Blutgerinnung mit dem Saft des Breitwegerichs und des Leimkrauts eintrat“.

Wesentlich unblutiger verlief die Forschung von Julia Staib. Sie wollte herausfinden, wie Chemikalien die Haarfärbung mit Henna beeinflussen. Die 17-Jährige habe ein Referat über Heilpflanzen gehalten und dabei sei auch Henna vorgekommen. „Es wird aus Blättern gewonnen, die zuerst zerstampft werden müssen. Dann wird heißes Wasser hinzugegeben und so entsteht die Paste.“ Ihr Versuch war eine durchaus haarige Angelegenheit. Sie hat zuhause Extensions und Schurwolle mit Henna gefärbt und die Paste dabei immer mit verschiedenen Stoffen versetzt. Danach hat sie die Haare drei Mal gewaschen. „Die Farbe ist bei allen Stoffen heller geworden. Außer bei Citronensäure“, sagt sie über ihre Ergebnisse. Der Farbverlust bei der mit Citronensäure versetzten Hennapaste war nicht so groß. Aber nicht nur das hat sie durch ihre Forschung gelernt. „Eine Tätowierung aus Henna sollte man nicht im Urlaub machen lassen, denn dort werden meistens Chemikalien dazu gegeben wie p-Phenylendiamin.“ Dieser Stoff kann zu allergischen Reaktionen führen.

Der erste Schritt in die Wissenschaft

Mit einem aktuellen Thema haben sich Sonja Hermann und Katharina Kohl befasst. Die beiden Mädchen aus der siebten Klasse haben die Auswirkung von Glyphosat auf Pflanzen getestet. Sie sind in der Schulgarten-AG und kamen dort mit Glyphosat in Berührung. Der erste Versuch: Sie versetzten Giersch mit dem Pestizid Glyphosat. Nach 14 Tagen war die Pflanze tot. Sie wiederholten den Test mit Kresse, aber unter schlechten Bedingungen. Es war kalt und die Lichtverhältnisse waren nicht optimal. Das Mittel wirkte nicht. Aber sie gewannen eine wichtige Erkenntnis: Glyphosat wirkt nur, wenn sich Pflanzen im Wachstum befinden. Durch die schlechten Bedingungen ist die Kresse nicht mehr gewachsen und überlebte den Einsatz des Pestizids.

„Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht“, resümiert Anna Reich ihre Forschung. Für sie und Svenja Mayr ist die Teilnahme am Wettbewerb der erste Schritt in dem Bereich, der sie interessiert: Beide wollen Medizin studieren. Auch Julia Staib hat ihr Interesse an der Biologie vertieft. Allerdings möchte sie lieber Grundschullehrerin werden. Die beiden 13-jährigen Sonja und Katharina müssen sich über ihre berufliche Laufbahn noch keine Gedanken machen, können sich aber vorstellen, in der zwölften Klasse ein Biologie-W-Seminar zu belegen.

Mit Rat und Tat stand Judith Schimana-Pfeifer ihren Schülerinnen bei. Sie kümmert sich bereits zum zweiten Mal um Mädchen, die an dem Wettbewerb teilnehmen. Gerne betreue sie die Mädchen und ihre Experimente und meint zu „Jugend forscht“: „So ein Wettbewerb ist motivierend. Vor allem, wenn man ein Ziel vor Augen hat.“

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