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Oper

03.07.2012

Liebe, Leidenschaft und Lasterhaftes

Susanne Steinle und Franz Schlecht, sängerisches „Traumpaar“ in der Burgauer Kapuziner-Halle, unterstützt von Miku Nishimoto-Neubert am Klavier.
Bild: Kircher

Susanne Steinle & Freunde mit großen Gefühlen in einer stürmischen Sommernacht

Burgau Während auf der Bühne der Kapuzinerhalle sich Begierden und Begehrlichkeiten im Strudel theatralischer Gefühlsäußerungen umtosten, entfesselte zeitgleich draußen die samstagabendlich profane Realität ihre sturmgewaltige Potenz. Zartgefühl und Zerstörung. Wie im wirklichen Leben. Und das wirkliche Leben durchs Opernglas betrachtet: auch nur Probleme. Susanne Steinle gab vorweg eine Milieuschilderung: Die ursprünglich vorgesehene Sopranistin Anna Lapkovskaja erkrankt, kurzfristige Umbesetzung, Bariton Franz Schlecht übernimmt, was aber heißt, völlige Neugestaltung und Neueinstudierung des Programms.

Und dieses schien, mit Opernarien und Klaviermusik von Mozart, Puccini, Chopin und Verdi, inhaltlich allein auf Liebe, Leidenschaft und lasterhafte Lebensformen ausgerichtet. War es auch. Aber so ganz serenadenhaft und cool doch wieder nicht, wie auch die Temperaturen nicht. „Ja, uns auf der Bühne ist auch warm“, sagte die Burgauer Sopranistin und wischte sich über die Stirn, dabei war noch kein Ton aus Mozarts „Idomeneo“ und „Così fan tutte“ gesungen. Und dass die Arien daraus allein schon schweißtreibend sind, geben selbst Mozart-Routiniers zu. Susanne Steinle, jetzt endgültig vom Mezzo in den Sopran zurückgekehrt, glänzte durch satte, volumenstarke Tongebung im Brustregister. Wenn sie allerdings, jugendlich vital aufgelegt, die sinnlichen Verlockungen hoher und höchster Gefühlslagen erstürmte, loderte auftrumpfende, vibratoangereicherte Hochdramatik mit, die locker einer fünfstündigen Wagneroper samt aller Heroinen zur Ehre gereichen würde.

Sopranistisch-dramatische Fieberkurve

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Dabei verfügt die Burgauerin über eine fabelhafte Pianokultur, auch in den hohen Tönen, im Dorabella/Guglielmo-Duett „Il core vi dono“ aus „Così“ bewies sie es und vor allem in Verdis „La Traviata“, in Begleitung des Baritons, mit wohltuend gezügelter sopranistisch-dramatischer Fieberkurve, schlicht und schlank im vokalen Fluss, hinreißend zerbrechlich, wunderschön und bittersüß zu Herzen gehend. Lohn der sanglichen Aufrichtigkeit: Bravorufe forte.

Herz und Seele am Klavier

Der in Neuburg/Donau geborene Bariton Franz Schlecht, 31, stellte sich mit leuchtkräftig metallischem Glanz in der Stimme vor. Sein, vor allem in der Mittellage sich markant entfaltender Stimmausdruck, kam in Arie und Duett des „Germont“ in „La Traviata“, in deren seelischer Spannweite zwischen Verzweiflung und Pathos, sonor, unangestrengt und vor allem durch und durch geschliffen artikulierend, zum Ausdruck.

Warum er sich, als dynamischer Bariton, mit dem auf kernigen Tiefen beruhenden Basspart des Sarastro aus der Zauberflöte einließ, ist nicht ganz nachvollziehbar. Sein Part ist eindeutig der Papageno, dessen fleischgewordene Gedankenschluchten mit ausgeprägtem Spielwitz in um und um Papagena herum. Das zugehörige Duett mit ihr wurde deshalb auch zum Publikumshit der Veranstaltung. Trotz champagnerseliger Fledermausoffensive zum Finale.

Herz und Seele des Abends war das „Orchester“, von Pianistin Miku Nishimoto-Neubert rein auf Tasten abgestellt. Ein Kompendium pianistischer Möglichkeiten. Souverän und vehement machte sie aus Reclamhefttheater opulente Westentaschenoper, wo nötig mit sentimentaler Weltumarmungsgestik, wo möglich mit tastenstarkem Kampfflanieren, immer auf klangliche Homogenität bedacht, auf suggestiv ausgeleuchtetes, gemeinschaftliches Klangkolorit. Und als Solistin brillierte sie mit Mozarts verflixt schwieriger Leichtigkeit, im Adagio seiner mit Ecken und Kanten gespickten D-Dur Klaviersonate (KV 576), oder mit schmetternden Sechzehntelpassagen, in Chopins berühmter As-Dur Polonaise op. 53. Pianokultur gemessen in Klaviervirtuosität.

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